Petergof

Das "russische Versailles" ist mit rund 4,5 Mio. Besuchern pro Jahr definitiv ein Touristenmagnet – und an Sommerwochenenden hoffnungslos überfüllt. Mehr noch als der Große Palast – ein 300 m langer Barockbau – ist der edle Park mit seiner Fontänenvielfalt Zeugnis für die verschwenderische Prachtentfaltung der russischen Monarchie. Peterhof wurde in seinen Grundzügen von Peter I. als Lustschloss und Prunkresidenz erdacht. Kanäle und Teiche im Hinterland und 15 m Höhenunterschied zum unteren Park erlaubten die Anlage von Wasserspielen. 1714–23 entstanden alle wesentlichen Elemente des Schlossareals, wenngleich Peters Tochter Elisabeth um 1750 den Palast von Bartolomeo Rastrelli erweitern und umgestalten ließ. Im Obergeschoss können 27 Räume und Säle besichtigt werden, die sich in Reichtum, Originalität und Schönheit gegenseitig zu übertreffen versuchen. Die vorherrschende Farbe ist Gold. Ausreißer aus der barocken Pracht sind zwei chinesisch gestaltete Zimmer sowie das Eichenkabinett von Peter I. Der Besuch der Osobaja Kladowaja (Besondere Schatzkammer) im Westflügel lohnt sich allerdings nur für Russischkundige, die die Sprache so gut verstehen, dass sie an einer Führung teilnehmen können: Die Luxusattribute verschiedener Zaren (von der Pillendose bis zum Thron) sind nicht beschriftet. Die größte – und ebenfalls großzügig vergoldete – Sehenswürdigkeit befindet sich vor dem Palast: die Große Kaskade mit 138 Wasserstrahlern. Das Wasser fließt hier in ein großes Becken, das über einen Stichkanal mit der Ostsee verbunden ist. Der vom Kanal geteilte Untere Park erstreckt sich 2 km entlang der Küste. In jeder Hälfte gibt es eine weitere Kaskade sowie einen kleinen Palast: Im Westteil ist dies das Schlösschen Marli und der eher strenge Kaskade Goldener Berg. Interessanter ist jedoch der Ostteil mit einem Springbrunnen, der von wasserspeienden Drachen gespeisten Kaskade Schachbrettberg und dem Schlösschen Monplesir. Mittelpunkt des streng geometrischen Oberen Parks ist der Neptun-Brunnen. Er sollte eigentlich 1688 auf dem Nürnberger Hauptmarkt aufgestellt werden, was aber an mangelndem Geld und Wasserdruck scheiterte. Ein Jahrhundert später kaufte der spätere Zar Paul I. das eingemottete Kunstwerk. In den Nebengebäuden gibt es einige interessante, sehenswerte Museen: das Benois-Museum über die gleichnamige Künstler- und Architektenfamilie, das Spielkartenmuseum und die Ausstellung Kaiserliche Fahrräder.

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