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Stadttour: Moderne Kunst in Prag – auf den Spuren von David Černy

Wichtige Sehenswürdigkeiten auf der Stadttour

  • Wenzelsplatz
  • Lucerna Passage
  • „Metalmorphosis“
  • „Man Hanging Out“
  • Beer Museum Praque
  • Divadlo na zábradli
  • Karlsbrücke
  • Franz-Kafka-Museum
  • Kampa
  • Kampa-Museum
  • Mühlencafé
  • Deutsche Botschaft
  • Prager Fernsehturm

Wer Prag besucht, kommt an den skurrilen Skulpturen David Černys nicht vorbei. Im Gegenteil, es macht Spaß, auf den Spuren des Künstlers die Stadt nach dessen Verrücktheiten abzusuchen. Wir beginnen mit dem Spaziergang auf dem Wenzelsplatz (1). Zuerst einmal führt der Weg zur Originalstatue des Heiligen Wenzels am oberen Ende des Platzes, danach wird über Černys Parodie geschmunzelt.

Wenn man vom oberen Wenzelsplatz weiter Richtung Moldau läuft, zweigt links die Vodičkova ab, durch die auch die Straßenbahn fährt. Dort befindet sich einer der Eingänge zur Lucerna-Passage (2). Innen hängt unter einer Glaskuppel ein Pferd mit den Füßen nach oben, auf dem bäuchlings der Heilige Wenzel sitzt: ein Reiter auf seinem toten Ross – eine von David Černys beliebtesten Skulpturen.

Von der Vodičkova aus geht es im Zickzack weiter in Richtung Moldau. Nicht weit entfernt befindet sich an der Metrostation Národní Třída das Einkaufszentrum Quadrio. Dort steht im Freien das neueste Werk David Černys: „Metalmorphosis“ (3) – eine 39 Tonnen schwere Skulptur des Kopfes Franz Kafkas. Sie besteht aus 42 beweglichen Schichten, die den Kopf in ständiger Unruhe halten. Mit ihren elf Metern Höhe ist sie ziemlich beeindruckend.

Von der Národní Třída aus geht es zwei, drei Straßen weiter in Richtung Altstadt. An der Ecke Husova und Betlémské nám wird man schon wieder fündig: Hoch über den Köpfen der Passanten, manchmal achtlos übersehen, hängt eine Skulptur Sigmund Freunds. Der berühmte Psychoanalytiker hält sich einhändig an einer Stange fest, während die andere Hand lässig in der Hosentasche steckt. Černy hat Freuds ständigen Kampf mit der Angst vor dem Tod parodiert: „Man Hanging Out“ (4).

Blogger-Tipp von:
Ines Wagner
Etwas weiter abseits der Stadttour liegen weitere Skulpturen Cernys, die du dir ansehen kannst: die „Brown Nosers“ – Riesenfiguren im Garten der Galerie Futura. Du kannst auf eine Leiter steigen und ihnen in den Hintern sehen, falls es dir Spaß macht. Auch spannend: „In Utero“. Die überlebensgroße, kniende Skulptur einer Schwangeren steht in der Dlouhá und bietet Neugierigen die Möglichkeit, in die Gebärmutter zu klettern – um danach „geboren“ zu werden.

Wer jetzt schon Durst verspürt, macht noch einen kleinen Abstecher ins Beer Museum Praque (5). Das befindet sich direkt ums Eck in der Husova. Danach geht es ein paar Meter die Náprstkova entlang Richtung Moldauufer.

Dort trifft man ziemlich genau auf das Theater Divadlo na zábradli (6), einer der innovativsten Kleinkunstbühnen Prags, die für die enge Zusammenarbeit mit dem Dramatiker und späteren Präsident Václav Havel bekannt ist. An der Hausecke hat David Černy einen weiteren Scherz versteckt: Ein überdimensionaler „Embryo“ klebt an der Regenrinne. Achtung, er ist leicht zu übersehen.

Jetzt ist es nicht mehr weit bis zur Karlsbrücke, die man überquert, um auf die andere Seite der Moldau zu gelangen. Dort angelangt, hält man sich rechts und steuert auf das Franz Kafka Museum (7) zu. Im Innenhof stehen zwei schlanke Manneken Pis, die munter in ein Becken urinieren. Allerdings nicht in irgendein Becken: Es ist die Landkarte der Tschechischen Republik. Der Künstler David Černy ist, unschwer zu erkennen, Enfant terrible der tschechischen Kunstszene und seine Kunst ist so provokativ wie erfrischend. Nachdem „Piss“ eingehend betrachtet und von allen Seiten fotografiert wurde, kann, wer möchte, gleich noch das Museum besichtigen und mehr über Franz Kafka erfahren.

Auf der anderen Seite der Karlsbrücke, auf der Kampa am Moldauufer, gibt es noch weitere Skulpturen von David Černy zu sehen. Neben dem Kampa-Museum (8) stehen drei seiner Riesenbabys. Einige dieser „Miminkas“ klettern auch am Prager Fernsehturm empor, mit dem diese Tour endet.

Ein künstlicher Moldauarm trennt die Kampa von der Kleinseite. Dort steht das Mühlencafé (9), Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen. Mit etwas Glück lässt sich der Künstler persönlich antreffen. Das Mühlencafé ist quasi seine zweite Heimat, neben der MeetFactory, dem Kunst- und Kulturzentrum Černýs. Wenn der Künstler nicht da ist, kann man zumindest Bier und keine Snacks genießen.

Ein bisschen weiter entfernt, aber durchaus noch in Laufnähe, befindet sich die Deutsche Botschaft Prags. „Quo vadis“ (10) fragt dort David Černý – mit seinem Trabant auf vier Beinen im Botschaftsgarten. Das Original befindet sich in der Sammlung des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig. Die Kopie in Prag erinnert an den September 1989, als tausende DDR-Bürger Zuflucht in der Deutschen Botschaft in Prag suchten und ihre Trabis vor Ort zurückließen.

Wer nun noch immer nicht genug von David Černý hat, steigt unweit der Deutschen Botschaft in die Straßenbahn 22 und fährt zurück über die Moldau in die Prager Neustadt. An der Haltestelle I.P. Pavlova steigt man aus und läuft ein paar Meter zur Metrohaltestelle Muzeum. Die Linie A Richtung Depo Hostivař fährt am Prager Fernsehturm (11) vorbei, die Haltestelle heißt Jiřího z Poděbrad. Jetzt kann man noch einmal die „Miminkas“ in voller Schönheit am Fernsehturm hinaufkraxeln sehen. Sechs Plattformen sind Besuchern zugänglich, auf einer Höhe von etwa 100 m gibt es einen fantastischen Blick über die Stadt. Hier endet die Tour.

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