Namibia

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Zuerst erscheint das Schild wie ein schlechter Witz. Mitten in der monotonen Trockenheit der Kalahari hat jemand einen Wegweiser mit der Aufschrift "Waterval" an die Straße gestellt. Ein Wasserfall in der Wüste? Die Sache wirkt wie ein Lausbubenstreich in einer Gegend, in der man nicht einmal Lausbuben vermuten würde.

Doch 2 km weiter endet der schmale Schotterpfad tatsächlich in einer schlammigen Senke, an deren Ende eine Gischtwolke auf das Naturschauspiel aufmerksam macht. Unter kräftigem Rauschen fällt der Fish River, der sich ansonsten unauffällig wie eine scheue Wasserschlange durch die mal steinig-harsche, mal sandig-flache Landschaft schlängelt, an einer Felskante 10 m in die Tiefe. Wie zum Beweis für die Unberechenbarkeit der Region zieht wenig später ein kurzer Regenschauer auf, dessen Tropfen im Sonnenlicht einen doppelten Regenbogen über die endlose Weite der Kalahari spannen. Namibia ist ein Land unerwarteter Kontraste, und wäre der Titel nicht bereits anderswo vergeben, ließe es sich auch als Land der unbegrenzten Möglichkeiten bezeichnen.

"Unbegrenzt" ist zumindest immer häufiger das Stichwort für die Naturparks und Schutzgebiete Namibias. In der nördlichen Namib können Wüstenelefanten wieder ungestört von Zäunen und Jägern ihren natürlichen Migrationsrouten folgen, die sich am Wasser orientieren und die wie GPS-Koordinaten fest im Gedächtnis der Leittiere verankert sind. Mit den Elefanten genießen immer mehr Nashörner, Antilopen, Zebras, Löwen und Leoparden die Freiheit in einer Region, die komplett aus conservancies besteht. In diesen Schutzgebieten ist das Zusammenleben von Mensch und Natur von offizieller Seite geregelt. Die Einzigen, die hier heute noch hinter Zäunen wohnen, sind Menschen - hauptsächlich Damara, Herero und Himba - und deren Nutztiere.

In einem Gebiet, in dem Metalltonnen auf Karten eingezeichnet sind, weil sie vor lauter Trockenheit nicht verrosten und so über Jahre hinweg gute Orientierungspunkte sind, hat sich auch das Leben lange Zeit kaum verändert. Namibia ist ein traditionstreues Land. Das fällt bei den Himba sofort ins Auge, die noch immer größtenteils in Lendenschurze gekleidet in Runddörfern leben - ohne Strom, jedoch auch ohne Hektik. Die Tradition prägt aber genauso Ortschaften wie Lüderitz oder Swakopmund und selbst die Hauptstadt Windhoek, deren Architektur und Erscheinungsbild fast zu urdeutsch sind, um heute überhaupt noch an Deutschland zu erinnern. Doch die Zeit bleibt auch in Namibia nicht stehen: Die Himba schicken ihre Kinder zur Schule, wo sie in Internaten leben und Poster von Cristiano Ronaldo und Bastian Schweinsteiger an ihre Wände hängen. Die Urenkel deutscher Kolonialisten sprechen heute besser Englisch als Deutsch und ziehen ein Studium in Südafrika dem namibischen Farmleben vor. Und noch etwas fällt auf: Schneller als der große Nachbar im Süden scheint Namibia die Grenzen der Apartheid einzureißen, die unter südafrikanischer Herrschaft auch hier bis 1990 die Gesellschaft nach Hautfarben in Besitzer und Besitzlose, in Unterdrücker und Unterdrückte teilte.

Natürlich brauchen so tiefe Narben auch in Namibia noch Zeit, um vollständig zu verheilen, natürlich gibt es auch hier noch Konflikte zwischen Schwarz und Weiß, vor allem wenn es um die Landfrage geht. Die Reform nach dem Prinzip "williger Käufer, williger Verkäufer" kommt nur schleppend voran. Und dennoch: Im Alltag ist deutlich zu sehen, wie die Barrieren bröckeln und sich die Bevölkerungsgruppen in den Wohnvierteln, Einkaufszentren, Sportvereinen und Cafés ganz selbstverständlich vermischen. Noch 1990 war Namibia davon weit entfernt. Erst nach Ende der südafrikanischen Besatzung und des von den Truppen des Apartheidregimes befeuerten Bürgerkriegs im angrenzenden Angola erholte sich das Land - und mit ihm die Natur.

Besonders anschaulich wird das im noch bis in dieses Jahrtausend hinein heftig umkämpften Caprivizipfel. Heute grasen dort Antilopen auf den Ruinen ehemaliger Armeelager, Elefanten passieren einst schwer bewachte Grenzen, Löwen jagen, wo früher ganze Dorfgemeinschaften um ihr Leben bangten. Die Beziehungen zwischen Namibia und seinen Nachbarländern sind inzwischen so gut, dass eine gemeinsame Kommission rund um die Okavango-Sambesi-Region einen riesigen Friedenspark plant. Der dann größte Nationalpark des Kontinents soll Naturschutzgebiete in Botsuana, Simbabwe, Sambia, Angola und Namibia vereinen und für Touristen - so die Vision - bald mit einem einzigen Visum zu erkunden sein.

Längst ist der Tourismus mit einem Anteil von 14,5 Prozent am Bruttosozialprodukt zum Hauptwirtschaftszweig des Landes geworden - noch vor Bergbau und Landwirtschaft. Der Sektor soll sich auch weiterhin entwickeln, allerdings nicht um jeden Preis. Massentourismus kann das Land, das mehr als doppelt so groß ist wie Deutschland, aber mit rund 2,1 Mio. Ew. extrem dünn besiedelt, nicht vertragen - weder ökologisch, noch sozial und kulturell. Namibia braucht nachhaltigen Tourismus, der seine sensiblen Ökosysteme nicht zerstört und gleichzeitig die lokale Bevölkerung profitieren lässt. Die seit 1990 demokratisch gewählte Regierung weiß das und lenkt die Entwicklung in Richtung hochpreisiger Lodgeangebote. Individualreisende finden in Namibia aber fast überall noch immer genügend kleine Gasthäuser und gepflegte, ruhige Campingplätze für ein kleineres Budget.

Der Großteil der Urlauber kommt aus Deutschland. Angesichts der vielen deutschstämmigen Einwohner, Nachfahren von Siedlern, verwundert das zunächst nicht. Schließlich sorgen sie dafür, dass es in Namibia auch mehr deutschsprachige Tourismusangebote gibt als in den Nachbarländern. Vor dem Hintergrund der namibischen Geschichte ist es trotzdem erstaunlich. Denn von 1884 bis 1915 litt Namibia - damals Deutsch-Südwestafrika genannt - wie kaum ein zweites Land unter deutscher Kolonialherrschaft. Die deutsche sogenannte Schutztruppe vernichtete die einheimischen Nama und Herero zwischen 1904 und 1907 zunächst militärisch und trieb die Überlebenden anschließend in die Wüste. Bis zu 100000 Menschen kamen um, nur wenige Einheimische blieben am Leben. In deutschen Universitätskellern lagern sogar heute noch geraubte Schädelknochen, die einst den Beweis für die vermeintliche Überlegenheit der weißen Rasse liefern sollten. Hass oder gar Vergeltungsgelüste sind den Namibiern trotzdem fremd. Gäste werden herzlich willkommen geheißen. Gerade auf dem Land liegt den Menschen viel daran, interessierten Besuchern die eigene Kultur zu zeigen.

Wenn Sie sich darauf einlassen, werden Sie ein stabiles Land im Wandel erleben. Namibias einsame, weite Savannen, sein unwirklich klarer Sternenhimmel, seine eleganten Antilopenherden, seine majestätischen Sanddünen und seine raue Küste ziehen darüber hinaus jeden in ihren Bann, der sich die Zeit nimmt, ihre Macht wirken zu lassen. Namibia ist kein Land, in dem Sie in 14 Tagen Dutzende Sehenswürdigkeiten abarbeiten müssen. Wer es lernt, Namibias Weite und eigenes Tempo zu respektieren, wird sich verlieben - und wiederkommen.

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Anreise

14h 40min
Frankfurt am Main
Namibia
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Praktische Hinweise

Anreise
Flugzeug

Air Namibia fliegt von Frankfurt direkt nach Windhoek. South African Airways bietet mehr Komfort, aber wegen des Umwegs über Johannesburg ist die Reisezeit etwas länger.

Auskunft

Im Land sind die örtlichen Touristeninformationsbüros am hilfreichsten. Wenn es in einem Ort ein solches Angebot gibt, finden Sie die Adresse in diesem Reiseführer jeweils unter der Rubrik Auskunft.

Namibia Wildlife Resorts (NWR), der Tourismusflügel des namibischen Ministeriums für Umwelt und Tourismus (MET), ist zuständig für den Fremdenverkehr in den Nationalparks, insbesondere für Unterkünfte und geführte Touren. Ein Anruf beim Hauptbüro in Windhoek ist allerdings oft wenig hilfreich. Um Übernachtungen und Touren zu buchen, kontaktieren Sie besser die Büros in Swakopmund (Bismarck Street | Tel. 064 402172 | sw.bookings@nwr.com.na) oder Kapstadt (Pinnacle Building, Ground Floor, Burg Street | +27 21 4223761 | ct.bookings@nwr.com.na).

Vor Reiseantritt bietet das Namibia Tourism Board (Schillerstraße 42-44 | 60313 Frankfurt | Tel. 069 1337360 | www.namibia-tourism.com) einen guten und schnellen Service.

Auto & Verkehr

In Namibia herrscht Linksverkehr. Innerorts gilt ein Tempolimit von 60 km/h, außerorts sind es auf Asphaltstraßen 120 km/h, soweit nicht anders angegeben. Auf nicht geteerten Straßen sind die erlaubten Geschwindigkeiten meist geringer. Geschwindigkeitsübertretungen werden mit empfindlichen Strafen geahndet, so kosten 126 km/h bei erlaubten 120 km/h 1000 Namibia-Dollar. Auch bei Stoppschildern wird penibel darauf geachtet, dass Sie an der dafür gezogenen Linie halten. Das gilt insbesondere an Polizeikontrollpunkten - selbst wenn der Beamte 5 m dahinter steht! Wenn ein Stoppschild einen Zusatz in Form einer roten Drei oder Vier hat, treffen gleichrangige Straßen aufeinander. Wer zuerst steht, darf zuerst weiterfahren.

Achtung vor Schlaglöchern und auch vor Tieren - Wild und Nutzvieh tauchen unberechenbar auf der Fahrbahn auf. Eine Besonderheit sollten Sie in Namibia noch beachten: Nebenstraßen verlaufen mitunter über riesige Farmen, die Sie durchqueren dürfen. Ihre Grenzen sind durch Metallrollen oder feste Tore markiert - Letztere bitte wieder schließen.

Banken & Kreditkarten

Wechselstuben sind in ländlichen Gebieten rar, Geldautomaten finden sich jedoch häufig. Kreditkarten werden auf dem Land nicht überall akzeptiert. Um nicht mit viel Bargeld reisen zu müssen und Wechselgebühren zu sparen, lohnt es sich, wenn Sie vor der Reise ein Konto bei einer deutschen Direktbank eröffnen. Mehrere dieser Institute bieten kostenfreie Abhebungen im Ausland an.

Diplomatische Vertretungen
Botschaft der Bundesrepublik Deutschland

Sanlam Centre, 6. Etage | 154 Independence Avenue | Windhoek | Tel. 061 273100, Notfallservice 081 1243572 | www.windhuk.diplo.de

Österreichisches Honorarkonsulat

Schäfer Straße 5 | Windhoek | Tel. 061 222159 | hgk.windhoek@gmail.com

Schweizer Generalkonsulat

Independence Avenue 175, Gathemann Building | Windhoek | Tel. 061 223853 | windhoek@honrep.ch

Einreise

Für Urlaubsaufenthalte von bis zu 90 Tagen benötigen Deutsche, Österreicher und Schweizer kein Visum, sondern lediglich einen Reisepass, der nach Reiseende noch mindestens sechs Monate gültig sein muss. Am Flughafen müssen Sie dann nur ein kleines Einreiseformular ausfüllen. Kontrollieren Sie nach dem Abstempeln unbedingt die korrekte Eintragung in Ihrem Pass!

Fotografieren

Bitten Sie um Erlaubnis, bevor Sie ein Bild von jemandem machen. Menschen, die sich fotografieren lassen, freuen sich in der Regel, wenn sie das Bild auch zu Gesicht bekommen. Wird Geld verlangt, sollten Sie von einem Foto absehen.

In ländlichen Gegenden gibt es oft keine oder nur sehr billige, schwache Batterien. Nehmen Sie also Vorräte mit.

Gesundheit

Insbesondere im Norden ist eine Malariaprophylaxe ratsam. Welche für Sie die beste ist, weiß in der Regel Ihr Hausarzt. Sollte der sich nicht sicher sein, fragen Sie beim Tropeninstitut nach. Besondere Impfungen sind nicht nötig. Ein Schutz gegen Hepatitis C und Tollwut ist erwägenswert, aber bei vorsichtigem Verhalten nicht zwingend nötig. Im Krankheitsfall fragen Sie in Ihrer Unterkunft nach empfehlenswerten Ärzten oder dem nächsten Krankenhaus. Der Standard ist zumindest in den privaten Kliniken sehr gut, außerhalb der Städte ist die nächste jedoch oft Hunderte Kilometer entfernt. Eine kleine Reiseapotheke mit Medikamenten gegen Schmerzen und Durchfallerkrankungen sollten Sie daher auf jeden Fall mitführen.

Das Leitungswasser ist in der Regel trinkbar, kommt in entlegenen Regionen aber mitunter aus Flüssen oder Brunnen und sollte für sensible Mägen besser durch Mineralwasser ersetzt werden.

Besonders wichtig in Namibia sind ausreichender Mücken- und Sonnenschutz sowie bei Wanderungen festes, geschlossenes Schuhwerk. Bei der Suche nach Feuerholz droht Gefahr von Schlangen und Skorpionen, greifen Sie deshalb lieber auf abgepackte Ware aus Tankstellen, Supermärkten oder von Campingplätzen zurück.

Internetzugang & WLAN

Es gibt kaum noch Orte ohne Internetzugang. Vor allem Lodges und Gästehäuser statten sich verstärkt mit der entsprechenden Technik aus, oft haben auch die Informationszentren einen PC für Gäste. Das Surfen ist aber vielfach nicht ganz billig. Wer häufiger ins Netz möchte, fährt mit einer lokalen SIM-Karte und einem Internetbundle besser. Außerhalb der Städte gibt es jedoch kaum Netzabdeckung. Auf die Navigation mit Google Maps auf dem Smartphone können Sie dort also nicht bauen. Laden Sie Karten vorab herunter oder besorgen Sie sich besser zusätzlich detaillierte Karten.

Klima & Reisezeit

Sie können Namibia ganzjährig besuchen. Hauptsaison ist von August bis Dezember. Während der sommerlichen Regenzeit, die von Januar bis in den Mai hinein reichen kann, werden die Straßen bisweilen zwar unberechenbar, dafür blüht dann mitunter die Wüste. Im Winter, von Mai bis August, kann es empfindlich kalt werden.

Medien

Das Fernsehprogramm ist stark südafrikanisch geprägt und nicht gerade hochklassig. Lokale Hörfunksender und Zeitungen gibt es auch auf Deutsch.

Mietwagen

Weil es nur wenige öffentliche Verkehrsmittel gibt, führt kaum ein Weg am Mietwagen vorbei. Fahrzeuge von international bekannten Anbietern sind in der Regel teurer als in Südafrika. Bei kombinierten Reisen bietet es sich daher an, ein Auto im Nachbarland auszuleihen. Ausnahmen sind kleine Vermietungen in Namibia, die oft auch ältere Modelle haben und günstigere Tarife bieten. Insbesondere während und nach der Regenzeit sollten Sie ein Allradfahrzeug wählen und auch sonst auf viel Unterbodenfreiheit achten, da viele Straßen sandig, schlammig oder extrem uneben sind.

Notruf

Landesweit 10111, bei Überfällen in Windhoeks Innenstadt auch unter 061 2902239

Sicherheit

Namibia ist sicherer als der große Nachbar Südafrika, trotzdem sollten Sie einige Grundregeln beherzigen: Touren zu Fuß durch Townships sollten Sie nur mit ortskundigem Guide unternehmen - so erschließt sich die dortige Kultur ohnehin wesentlich besser. In den Innenstädten steigt nach Geschäftsschluss das ansonsten eher geringe Risiko von Diebstählen und Raubüberfällen. Bewegen Sie sich deshalb zu diesen Zeiten besser im Auto oder Taxi.

Steuererstattung

Gegen Vorlage des Kassenzettels (mit Steuernummer!) und der eingekauften Ware können sich Ausländer bei der Ausreise die Mehrwertsteuer von 15 Prozent erstatten lassen - z. B. im VAT Refund Office am Flughafen in Windhoek. Die Auszahlung erfolgt entweder in bar oder mit Scheck.

Strom

Die Netzspannung beträgt 220-230 Volt. Häufig benötigen Sie einen dreipoligen Stecker. Adapter gibt es in Supermärkten vor Ort, allerdings passt ein runder, zweipoliger Stecker nicht immer hinein.

Telefon & Handy

Mobilfunkempfang gibt es in Städten und deren Umgebung sowie auf dem Land unregelmäßig in der Nähe kleiner Dörfer. Beste Option ist eine Prepaidkarte von MTC-Tango: Sie kostet nur 10 Namibia-Dollar, Guthaben können Sie überall in Supermärkten, an Tankstellen und teilweise sogar von fliegenden Händlern kaufen. Achtung: Manche Handys erkennen die Einstellungen für SMS-Versand in und aus Namibia nicht, ein Handygeschäft kann das Problem aber meist beheben.

Wenn Sie nach Hause telefonieren, geben Sie die Landesvorwahl mit einem Plus und nicht mit zwei Nullen ein, also für Deutschland +49, Österreich +43 und die Schweiz +41. Namibias Landesvorwahl lautet +264.

Trinkgeld

Im Restaurant sind zehn Prozent üblich, in der Unterkunft wandern 20 bis 50 Namibia-Dollar in die tip box an der Rezeption, bei längeren Aufenthalten darf es auch etwas mehr sein. Der Parkplatzwächter bekommt je nach Parkdauer 2 bis 5 Namibia-Dollar.

Währung

Der namibische Dollar (N$) ist an den südafrikanischen Rand (ZAR) gebunden, der in Namibia (mit Ausnahme der 200-Rand-Note) auch überall anerkannt wird. Umgekehrt können Sie aber in Südafrika nicht mit Namibia-Dollar bezahlen. 1 Namibia-Dollar unterteilt sich in 100 Cent, Münzen gibt es im Wert von 5, 10 und 50 Cent, 1 und 5 Namibia-Dollar, Scheine zu 10, 20, 50, 100 und 200 Namibia-Dollar.

Zeit

Seit der Unabhängigkeit hat Namibia eine Sommerzeit. Am ersten Sonntag im September werden die Uhren von 2 auf 3 Uhr vorgestellt, am ersten Sonntag im April werden sie wieder zurückgestellt. Insbesondere im Caprivizipfel wird die Sommerzeit jedoch größtenteils ignoriert, mitunter halten sich aber auch einzelne Menschen in anderen, meist ländlichen Regionen nicht daran.

Weil die Zeitumstellung in Deutschland nicht zeitgleich stattfindet, gibt es Ende März/Anfang April und von Anfang September bis Ende Oktober keinen Zeitunterschied zu Deutschland. Im deutschen Sommer hinkt Namibia dann eine Stunde hinterher, im deutschen Winter ist es eine Stunde voraus.

Zoll

Bei der Einreise sind persönliche Gebrauchsgegenstände zollfrei, ebenso andere Mitbringsel im Wert von bis zu 2000 Namibia-Dollar. Dazu zählen auch 1 l Spirituosen, 2 l Wein und 400 Zigaretten. Bei Rückreise in die EU dürfen Sie u. a. 200 Zigaretten, 2 l Alkohol unter 22 Prozent oder 1 l hochprozentige Spirituosen sowie weitere Waren im Wert von 430 Euro zollfrei einführen. Weitere Informationen finden Sie unter www.zoll.de.

Für die Ausfuhr von Halbedelsteinen und Diamanten aus Namibia ist eine Erlaubnis erforderlich, die in der Regel der Händler ausstellt. Beachten Sie beim Einkauf von Tierprodukten die Richtlinien des Washingtoner Artenschutzabkommens. Selbst eine Ausfuhrgenehmigung Namibias bedeutet nicht automatisch eine Einfuhrgenehmigung durch den deutschen Zoll. Unter das Abgekommen fallen sämtliche Felle von Raubkatzen - seriöse Geschäfte bieten sie jedoch ohnehin nicht an. Teilweise wird in Namibia jedoch noch Elfenbeinschmuck verkauft, der generell nicht in die EU eingeführt werden darf. Für Krokodillederwaren gibt es beim Händler eine Bescheinigung, dass die Tiere aus einer Zucht stammen - nur wenn der Beleg vorliegt, dürfen sie mitgenommen werden. Eine ausführliche Übersicht gibt es unter www.artenschutz-online.de.

Was kostet wie viel?

Kaffee

1-2,50 Euro für eine Tasse

Bier

1-2 Euro für eine kleine Flasche (340 ml) an der Bar

Steak

7-9 Euro für 1 kg Steak vom Rind

Benzin

0,90 Euro für 1 l Super

Souvenir

5-20 Euro für ein kleines Kunsthandwerkssouvenir

Tour

40-100 Euro für eine geführte Tagestour

Events, Feste & mehr

Offizielle Feiertage
1. Jan.

Neujahrstag

21. März

Independence Day

März/April

Karfreitag, Ostermontag

1. Mai

Tag der Arbeit

4. Mai

Cassinga Day

Mai

Christi Himmelfahrt

25. Mai

Africa Day

26. Aug.

Heroes' Day

10. Dez.

Human Rights Day

25. und 26. Dez.

Weihnachten

Feste
21. März

Independence Day: Der Unabhängigkeitstag wird vor allem in Windhoek alljährlich mit einer Vielzahl von Konzerten gefeiert - sowohl im Stadtzentrum als auch im Township Katutura. Das Angebot reicht vom klassischen Symphoniekonzert bis zu traditionellen afrikanischen Tänzen.

März-September

Karneval: Narrenkappen und Büttenreden prägen auch den namibischen Karneval, das ein oder andere Getränk darf aufgrund der Trockenheit des Landes ebenfalls nicht fehlen. Den Anfang macht der vierwöchige Windhoeker Karneval (WiKa) von Ende März bis Ende April. Nach dem Abschluss mit Heringsessen geht es mit dem Küstenkarneval (KüsKa) in Swakopmund weiter, bis September folgen dann kleinere Feste in Otjiwarongo (Juli), Tsumeb (Juli-August) und Lüderitz (September). Alle zwei Jahre findet zudem der Ostenkarneval (Oska) in dem kleinen Kalahariort Witvlei statt. Und selbst im südafrikanisch geprägten Walvis Bay feierte man nach fast 30 Jahren 2011 erstmals wieder das Narrenfest.

April

Lüderitz Crayfish Festival: Am letzten Wochenende im April feiert Lüderitz bei Bier, Wein, Musik und selbstverständlich Langusten in allen Zubereitungsformen das Ende der Crayfish-Saison.

Juni

Fête de la Musique: Konzerte gibt es in Namibia immer am Samstag vor oder nach dem internationalen Tag der Musik am 21. Juni. Die größten Veranstaltungen finden in Windhoek und Swakopmund statt.

August

Hererotag: Alljährlich am vorletzten oder letzten Augustwochenende gedenken die Herero in einem erstaunlich farbenfrohen und ausgelassenen Festumzug in ihrer traditionellen Kapitale Okahandja der Opfer des Völkermords und ihrer verstorbenen Anführer. Der Marsch durch die Stadt ist in erster Linie eine wichtige Zeremonie für die Herero selbst, aber auch ein authentisches Erlebnis für Gäste, die beim Umzug willkommen sind.

Oktober

Oktoberfest: Mit Bratwurst, Bier und Blasmusik wird Windhoek am ersten Oktoberwochenende zu Klein-München. Längst nicht nur die deutschsprachige Gemeinde feiert mit, auch für Besucher aus dem Ausland hat sich das Fest längst zum Highlight entwickelt.

Dezember

Swakopmunder Musikwoche: Seit 1965 bringt die Musikwoche Laien und Profis aus verschiedenen Ländern und Kulturen zum gemeinsamen Lernen und Musizieren in Swakopmund zusammen. Neun bis zehn Tage im Dezember arbeiten die Künstler gemeinsam, ehe die Veranstaltung in eine Reihe öffentlicher Konzerte mündet. Ein einmaliges Klang- und Kulturereignis in der deutsch geprägten Wüstenstadt.

Im Trend

Speed Badminton
Anytime, anywhere

Der Schläger kommt immer häufiger und schneller zum Einsatz: Speed Badminton kann man überall und ohne Netz spielen. Das erste Team des Landes ist Speedminton Namibia South Africa (www.facebook.com/speedmintonNamSA). Die Mitglieder spielen regelmäßig auf dem Sportgelände der Delta School Windhoek (Robert Mugabe Avenue, Ecke Heinitzburg Street). Mehr Informationen zu Ausrüstung und Events gibt www.speedminton.co.za.

Shop & stop
Unter einem Dach

Das Erfolgsrezept der angesagten Boutiquen ist einfach. Zu ihrem Angebot gehören auch Kaffee und Snacks. So wie im Wecke & Voigts (im Gustav Voigts Centre, 129 Independence Avenue, Windhoek), wo Sie genüsslich Cappuccino schlürfen, während Sie nach Wohnaccessoires oder Kunsthandwerk Ausschau halten. Im Pandora's Box & Café (im Woermann & Brock Centre, Ankerplatz, Swakopmund) gibt es auch herzhafte Leckereien - die ideale Ergänzung zum süßen Sortiment des Ladens. Verkauft wird u. a. Schokolade aus Omaruru.

Mit Statement
Kunst

Namibias Künstlerinnen haben eine Message. So wie Imke Rust, deren Skulptur Weeping Women (im Etosha National Park, imkerust.com) von trauernden Müttern erzählt. Nicky Marais fasziniert die politische Bildsprache, die sie in abstrakten Bildern thematisiert. Das Windhoeker Augustineum (Florence Nightingale Street) hat sie mit einer Wandmalerei versehen. Das Franco Namibian Cultural Centre (118 Robert Mugabe Avenue, Windhoek, www.fncc.org.na) ist bekannt für seine engagierten Ausstellungen.

Ab ins Camp
Naturerlebnis

Mit den Zeltplätzen aus Schülerzeiten haben Namibias Luxuscamps wenig gemein. Statt nachts in den Schlafsack zu kriechen, betten Sie sich in der Eagle Tented Lodge (Etosha National Park, www.leadinglodges.com) auf bequemen Polstern im Luxuszelt, selbst ein Spa gehört dazu. Duschen unter freiem Himmel können Sie im Doro Nawas Camp (Aba-Huab River Valley, Damaraland, www.wilderness-safaris.com). Die Unterkünfte fügen sich perfekt in die wilde Landschaft ein. Die ideale Mischung aus naturnahem Erlebnis und dem Komfort der teuren Lodges! Einen Blick auf die weltbekannten roten Dünen am Sossusvlei bietet das Little Kulala Camp (www.wilderness-safaris.com). Vom skybed auf dem Dach der klimatisierten Hütten können Sie nachts Sterne zählen.

Herbes Namibia
Bier

Über die Landesgrenzen hinaus ist das Bier Namibias bekannt und geschätzt. Der Gerstensaft hat schon einige Preise gewonnen - wohl auch weil vielerorts nach dem deutschen Reinheitsgebot gebraut wird. Die Mikrobrauerei Camelthorn (76 Nickel Street, www.camelthornbrewing.com), die in Windhoek vier Biersorten produziert, lernen Sie bei einer Führung kennen. Nicht ganz den deutschen Vorschriften entsprechend sind die Fruchtbiere mit Marula, die es z. B. in der Fashion Bar (43 Banhoff Street) in Windhoek gibt. Wer sich durchs namibische Sortiment probieren will, macht eine Brauereitour und Verkostung mit Roots of Africa (www.rootsofafrica.com). Dabei steht auch die größte Brauerei des Landes, Namibia Breweries (www.namibiabreweries.com), auf dem Plan.

Bloss nicht

Zu wenig Wasser mitnehmen

Die namibische Sonne trocknet nicht nur das Land, sondern auch die Menschen erbarmungslos aus. Packen Sie auf Wanderungen lieber zu viel Wasser ein. Auch im Auto sollten immer mehrere Kanister vorhanden sein - bei Motorschäden ist der nächste Pannendienst in der Regel nicht um die Ecke.

Im Caprivizipfel baden

Die Sandstrände von Okavango und Sambesi sind teilweise sehr verlockend, doch selbst im klaren Wasser schaffen Krokodile es, sich unbemerkt zu nähern. Lebensgefahr!

Eigene Allradfahrkünste überschätzen

Raus aus dem Flieger und rein ins Vergnügen: Mit zu viel Schwung hat das schon bei manchem Urlauber zu Unfällen geführt. Die meisten Allradfahrzeuge sind kopflastiger als herkömmliche PKW und haben dementsprechend eine schlechtere Kurvenlage. Außerdem ist ihr Bremsweg - insbesondere auf Schotterstraßen - länger als der eines Golfs auf einer deutschen Autobahn. Gehen Sie es langsam an und genießen Sie die Landschaft!

Im Naturpark aus dem Auto steigen

Obwohl es ausdrücklich verboten ist, klettern selbst im Etosha National Park immer wieder Besucher aus ihren Wagen. Zum Fotografieren ist das ohnehin nicht sinnvoll, weil die Tiere vor Menschen mehr Scheu haben als vor Autos. Für andere Probleme gibt es in den Camps Toiletten. Wer trotzdem zu Fuß loszieht, dem könnten es von Tuberkulose geschwächte Raubtiere danken, die keine andere Beute mehr erwischen, - oder die Parkranger ernsthaft übel nehmen.

Flüsse durchfahren

Die meisten Mietverträge schließen es ohnehin aus, doch schon aus Eigeninteresse sollten Sie abkommende Riviere während der Regenzeit meiden, auch wenn das Umwege oder gar Änderungen der Reiseroute notwendig macht. Bleibt Ihr Wagen im Wasser stecken und schwillt der Fluss in der Folge an, ist das Fahrzeug womöglich verloren. Außerdem kann in tiefem Wasser die Elektronik Schaden nehmen. Auf Querfeldeinfahrten durch die Wüste oder über Salzpfannen sollten Sie ebenfalls verzichten, nicht nur weil Sie dort stecken bleiben können, sondern auch, um diese sensiblen Ökosysteme nicht zu schädigen.

Tankstellen auslassen

Weder die Entfernungen noch den Benzinverbrauch von Geländewagen dürfen Sie in Namibia unterschätzen. Und auch wenn die Situation sich verbessert hat, kommt es immer noch vor, dass einer Tankstelle auf dem Land die Ware ausgeht. Ersatzreifen und Wagenheber gehören zur Grundausstattung, auch eine Reifenpumpe ist sinnvoll.

Stichworte

Bevölkerung und Sprachen

Namibia ist dünn besiedelt, aber reich an unterschiedlichen Kulturen. Seine Einwohner sprechen mehr als 30 Sprachen und Dialekte. Die einzige offizielle Amtssprache, Englisch, ist nur für zwei Prozent der Namibier Muttersprache. Die Ovambo stellen die größte Bevölkerungsgruppe, deshalb ist ihr Oshivambo die am weitesten verbreitete Muttersprache; häufig sind daneben auch Damara-Nama, Herero, RuKwangali und die verschiedenen Klicksprachen der San. Hauptbegegnungssprache, vor allem zwischen Schwarzen und Weißen, ist Afrikaans, die Muttersprache von 60 Prozent der weißen Bevölkerung. Auch Deutsch wird in Namibia noch häufig gesprochen, vor allem in den touristischen Zentren. Verständigungsprobleme gibt es trotz der Vielfalt höchst selten und generell immer weniger, da sich Englisch als Schulsprache durchsetzt.

Die ersten Siedler auf dem Gebiet des heutigen Namibias waren die nomadisch lebenden San. Später wanderten Vieh haltende Bantuvölker aus Norden und Westen zu, und schließlich kamen europäische Siedler sowie die Rehobother Baster, Mischlinge aus Südafrika. Das Konzept von Landbesitz, das die Spätankömmlinge aus Europa mitbrachten, hat die Lebensweise der San heute vollständig zerstört - trotz der endlosen, menschenleeren Weite ist für die Kultur der ersten Namibier kein Platz mehr.

Dachzelte

Was dem Holländer sein Wohnwagen, ist dem Namibier sein Dachzelt. In wenigen Minuten aufgebaut, spart die Vorrichtung nicht nur Stauraum, sondern auch Zeit. Außerdem bietet sie aufgrund ihrer Position auf dem Dach des Autos Schutz vor umherschleichenden Tieren. Die einzigen Nachteile: Die Kopflastigkeit der Geländewagen erhöht sich etwas, und ganz so stromlinienförmig und spritsparend kommt Ihr Vehikel auch nicht mehr daher.

Denkmäler

Das Reiterdenkmal aus der deutschen Kolonialzeit thront, wenn auch um 100 m versetzt, noch immer über der Hauptstadt Windhoek. Auch der Heldenfriedhof der deutschen Soldaten am Waterberg, wo das Hauptschlachtfeld während des Völkermords an den Herero lag, ist weiterhin ordentlich und gepflegt. Lediglich eine kleine Metallplakette erinnert an die Opfer unter den Hererokriegern, nichts an die Zivilisten. Manchen Besucher mag das wundern, es steht aber für eine Herangehensweise, die nicht verdrängen, sondern erinnern will - im Originaltext und unverfälscht. Statt Zeugen der Geschichte abzureißen, hat die neue Regierung sie ergänzt und mit dem Heroes' Acre ein Mahnmal für die Opfer des Befreiungskampfs geschaffen. Dass der Bau mit seiner in Nordkorea gefertigten Soldatenstatue eher stalinistisch als freiheitsliebend wirkt, steht auf einem anderen Blatt.

Energieversorgung

Namibia hat noch keine eigenen Erdölquellen erschlossen, auch wenn Erkundungen, vor allem im Atlantik, bereits laufen. Wegen der großen Entfernungen im Land machen Verkehr und Transport 50 Prozent des Energieverbrauchs aus. Den größten Teil davon deckt Erdöl ab, das aus Südafrika importiert wird. Strom gewinnt Namibia - etwas überraschend für ein so trockenes Land - zum Großteil aus Wasserkraft. 50 Prozent des Bedarfs deckt das Kraftwerk bei Ruacana. Ein weiteres Wasserkraftwerk ist unterhalb der Epupafälle geplant. Es stößt jedoch auf heftigen Widerstand der dort lebenden Himba, die ihr Land gefährdet sehen. Auch Sonnenenergie und Windkraft werden zunehmend erprobt. Im Moment importiert Namibia jedoch die Hälfte seines Stroms aus Südafrika und Sambia.

Fauna

Die Wildtierbestände sind, auch wirtschaftlich gesehen, einer der wichtigsten Schätze des Landes - schließlich gibt es ohne Löwen und Elefanten kaum Safaritourismus. Entsprechend großen Wert legt Namibia darauf, seine Fauna zu schützen, z. B. durch Einrichtung von Nationalparks und Konzessionsgebieten sowie durch Auswilderungsprogramme. Im lange kriegserschütterten Caprivi leben wieder riesige Elefantenherden, und selbst am Rand der Namib im Nordwesten haben sich die Bestände an frei lebenden Wüstenelefanten und Nashörnern prächtig erholt. In den großen Nationalparks sind die Wildbestände ohnehin gesund, und Oryxantilopen, Kudus und Springböcke sind im ganzen Land so zahlreich, dass es nicht ratsam ist, nachts Auto zu fahren.

Felsmalereien und -gravuren

Nicht in Stein gemeißelt, aber immerhin auf Stein gemalt sind vielerorts die Spuren der ersten menschlichen Besiedlung durch die San. Manche der noch erhaltenen Felsmalereien, die in der Regel Tiere, Jagdszenen oder traditionelle Bräuche abbilden, sind bis zu 4000 Jahre alt. Wo es das Gestein zuließ, haben die Künstler ihre Werke auch in den Felsen eingraviert, so beispielsweise in Twyfelfontein, einer Unesco-Weltkulturerbe-Stätte.

Flora

Auch wenn man teilweise genau hinschauen muss: Namibia ist ein dicht bewachsenes Land. In der Steinwüste der nördlichen Namib entfalten sich Flechten, sofern sie nur einen Tropfen Feuchtigkeit ergattern können. Talerbüsche speichern in ihren fleischigen Blättern Wasser, und jahrhundertealte Welwitschias trotzen mit nur zwei Blättern der Trockenheit. Tamarisken können sogar mit versalzenem Wasser überleben, dessen Mineralien sie über die Blätter ausscheiden und gleichzeitig als Sonnenschutz nutzen. Weiter landeinwärts bestimmen sperrige Euphorbienbüsche das Bild in einer dürren Graslandschaft, die nur in Regenjahren sprießt und rund um die Etoshapfanne in Grassteppe und Dornbuschsavannen übergeht. Charakteristischste Pflanze des Nordens ist die hochstämmige, oft einzeln oder in kleinen Gruppen wachsende Makalanipalme, weiter in Richtung Caprivi spenden die weiten Kronen der dicht beblätterten Marula- und Mopanebäume Schatten. Selbst Passionsfrüchte wachsen hier teilweise wild. Im Süden dominieren die sukkulenten Köcherbäume und in der Kalahari die knorrigen Kameldornbäume.

Gästefarmen

Mit Ferien auf dem Bauernhof haben sie zwar kaum etwas zu tun, dennoch gibt es einige Gästefarmen, deren Betreiber gern bereit sind, den landwirtschaftlichen Betrieb zu erklären. Gewirtschaftet wird größtenteils mit Schafen, Ziegen und Rindern, die wegen der spärlichen und langsam nachwachsenden Vegetation große Flächen beanspruchen. Wildtiere wie Springböcke, Kudus und Oryxantilopen leben ebenfalls auf den Farmen und werden in den meisten Fällen auch gejagt - für den Kochtopf, nicht für die Trophäenwand. Für heiße Diskussionen unter Farmern sorgen Leopard und Gepard: Vielerorts sind die Tiere als Viehdiebe gebrandmarkt und verhasst, gleichzeitig ziehen sie aber Touristen an. Weil zumindest der Gepard als weltweit bedroht gilt, darf er ohnehin nur noch in Ausnahmefällen erlegt werden.

Karneval

Es ist ihnen nicht unbedingt anzusehen, doch viele Südwester, wie sich die Nachfahren der deutschen Siedler vielfach noch heute nennen, sind ausgesprochene Frohnaturen. Im Winter wird in den größeren Städten deshalb auf gut rheinische Art Karneval gefeiert.

Landreform

Brisantestes politisches Thema in Namibia ist die Landfrage. Große Teile des nutzbaren Bodens sind in der Hand weißer Farmer oder ausländischer Großgrundbesitzer. Die meisten schwarzen Namibier in den ländlichen Gegenden sind dagegen mittel- und arbeitslos oder verdingen sich für Minimallöhne als Farmarbeiter. Der Ruf nach einer Rückgabe des Landes, das den Schwarzen einst genommen wurde oder das sie unter Zwang verkauften, wird deshalb immer lauter. Radikale Enteignungen wie in Simbabwe sind in Namibia durch die Verfassung ausgeschlossen, die Swapo-Regierung geht den sanften Weg der Umverteilung nach dem Prinzip "williger Käufer, williger Verkäufer". Der Staat reserviert sich per Gesetz ein Vorkaufsrecht und erwirbt Farmen oder Farmteile zu Marktpreisen. Dieses Land verteilt er an die zuvor registrierten Bewerber aus den ehemals benachteiligten Bevölkerungsgruppen.

Doch an dem Programm gibt es viel Kritik: Während viele weiße Farmer durch die Aufforderungen zum Verkauf und die vereinzelten Enteignungen brach liegender Ländereien (gegen Erstattung des Marktpreises) ihren Status gefährdet sehen, geht vielen Schwarzen die Reform zu langsam voran. Hinzu kommt, dass der namibische Staat das Land in Parzellen unterteilt, damit möglichst viele Menschen profitieren. Diese kleinen Farmen sind jedoch häufig nicht wirtschaftlich. Außerdem bemängeln Kritiker Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe und mangelhaftes Training der neu angesiedelten Bauern.

Peace Parks

Die 1997 unter der Schirmherrschaft Nelson Mandelas gegründete Peace Parks Foundation setzt sich für grenzübergreifende Naturschutzgebiete im südlichen Afrika ein. 14 Friedensparks befanden sich bei Redaktionsschluss in Planung, vier waren bereits ausgerufen. Das jüngste und größte dieser Gebiete, die Kavango-Zambezi Transfrontier Conservation Area (KaZa TFCA), entsteht rund um die Capriviregion. Ausgerufen wurde der Park 2011, an etlichen Stellen müssen aber noch Zäune abgebaut und Reiserouten verbunden werden. Dass das geht, zeigen Namibia und Südafrika bereits mit dem /Ai-/Ais Richtersveld Transfrontier Park, der 2001 beiderseits des Grenzflusses Oranje proklamiert wurde. Auch mit Angola ist im Nordwesten eine Verlängerung des Skeleton Coast National Park angedacht.

Regierung

Seit 1990 ist Namibia eine Demokratie mit Mehrheitswahlrecht und unterteilt in 13 Regionen mit eigenen Regionalparlamenten. Im nationalen Parlament in Windhoek genießt die ehemalige Befreiungsbewegung Swapo (South West Africa People's Organization) seit der Unabhängigkeit eine unangefochtene Mehrheit. Erster Präsident des Landes war ihr Gründungsmitglied Sam Nujoma, aktuell amtiert Hifikepunye Pohamba, der gleichzeitig Swapo-Vorsitzender ist.

Swapo war ursprünglich eine sozialistische Bewegung, die ihre Alliierten zu Zeiten des Kalten Kriegs in den sozialistischen Ländern hatte. Die Partei ist - wie die deutsche SPD - weiterhin Mitglied der Sozialistischen Internationale, marxistische Tendenzen spielen jedoch längst keine Rolle mehr. Auch der nach außen kommunizierte Anspruch einer sozialdemokratischen Partei spiegelt sich in der Tagespolitik kaum wider.

Wirtschaft

Der wichtigste Zweig der namibischen Wirtschaft und gleichzeitig derjenige, der am meisten Energie und Wasser verbraucht, ist der Bergbau. Gefördert werden vor allem Diamanten und Uran, aber auch Kupfer und Gold. Selbst in klassischen Touristenregionen wie dem Swakopmunder Hinterland wird nach Uranerz gegraben, im Küstenort Wlotzkasbaken entstand zu dem Zweck sogar eine Meerwasserentsalzungsanlage - die erste in Afrika südlich der Sahara.

Wesentlich arbeitsintensiver ist jedoch die Landwirtschaft, in der rund die Hälfte der Namibier Beschäftigung finden. Vielerorts wird allerdings nur für den eigenen Bedarf produziert. Den größten Anteil an der Agrarwirtschaft hat die Viehzucht, vor allem Rinder, Schafe und Ziegen werden gehalten. Eine immer bedeutendere Rolle spielt zudem der Tourismus.

Bücher & Filme

Wenn es Krieg gibt, gehen wir in die Wüste

Henno Martin, einer der beiden deutschen Geologen, die sich während des Zweiten Weltkriegs in der Wüste versteckten, verarbeitete in dem Bericht seine Tagebuchaufzeichnungen aus den Jahren 1941/42. Das mitreißende Buch erzählt von den Wundern und Widrigkeiten des Lebens am Rand der Namib und gibt Einblick in die tiefen Gedanken zur menschlichen Existenz, die in dieser Gegend reifen können

Die "DDR-Kinder" von Namibia - Heimkehrer in ein fremdes Land

Constance Kenna schildert in wissenschaftlicher Sachlichkeit die Geschichte der Swapo-Kinder, die in der DDR Zuflucht vor dem Krieg fanden, und lässt sie auch selbst zu Wort kommen

Morenga

In seinem historischen Roman beschreibt Uwe Timm in einer Mischung aus spannender Erzählung und dokumentarischer Genauigkeit die Zeit der Nama- und Hereroaufstände um 1904 - und den vernichtenden Feldzug der deutschen Schutztruppe gegen die Einheimischen

Diamanten im Sand

August Stauch war ein einfacher Bahnmeister in der Wüste - bis zum April 1908. Als ihm der Arbeiter Zacharias Lewala den ersten Diamanten Namibias brachte, veränderten sich Stauchs Leben und das Land selbst. Olga Levinsons Buch erzählt die Geschichte des Mannes und die des Diamantenbooms

Namibia - Was heißt denn hier deutsch?

Die schön umgesetzte Dokureihe (2006) des ehemaligen ZDF-Nachrichtenredakteurs Wolf von Lojewski beschäftigt sich mit dem Land und seinen deutschen Einflüssen

Fakten

Einwohner
2.533.794
Fläche
825.615 km²
Sprache
Englisch
Währung
Namibia-Dollar
Strom
220 V, 50 Hz
Regierungssystem
Republik
Hauptstadt
Windhoek
Reisepass / Visum
notwendig
Ortszeit
10:44 Uhr
Zeitverschiebung
keine
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