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Reiseführer China

Entdecken Sie China!

„Il Milione“ nannten die Venezianer ihren Landsmann, der so viel von einem reichen und prächtigen Land im Osten zu berichten hatte – einen Aufschneider also. Dabei war jener Marco Polo kein Phantast, sondern ein nüchterner Berichterstatter. 17 Jahre lang, von 1275 bis 1292, reiste er mit Vater und Onkel als Kaufmann durch das China des Mongolenreichs. Sein Name steht bis heute für ein Fernweh besonderer Art: für die Sehnsucht nach dem Reich der Mitte.

Wer von China spricht, redet von einem Kontinent. Der nördlichste Punkt liegt auf der Höhe von Hamburg und gehört klimatisch zu Sibirien, ganz im Süden, auf der Höhe der Südsahara, wiegen sich an den Tropenstränden der Insel Hainan die Palmen bei ganzjährig über 20 Grad Wärme. Von Ningbo im Osten bis zur Westgrenze bei Afghanistan sind es rund 4500 km – gut 1000 km mehr als von Madrid bis Moskau, fast 500 mehr als von New York bis San Francisco und nur 120 km weniger als der kürzeste Abstand zwischen Deutschland und China. Mit dem Flugzeug braucht man dafür gut fünf Stunden. Die längste Bahnfahrt, von Kanton nach Lhasa, geht über 4980 km und dauert 54 Stunden. Dazwischen liegt ein Land, dessen Kultur und Landschaft dem Wunschzettel eines verwöhnten Touristen zu entstammen scheinen.

Die Tonsoldaten des „Ersten Erhabenen Kaisers“, die Große Mauer (das größte Bauwerk der Menschheit!) und der Pekinger Kaiserpalast sind nur einige Kulturdenkmäler von Weltrang. In den Grottentempeln von Dunhuang, Dazu und Longmen findet sich buddhistische Kunst von unschätzbarem Wert. Die Gärten von Chengde und Suzhou begeistern mit fein durchdachter Architektur. Die Karstkegel Guilins und die schroffen Felsnadeln des Huang Shan sind nur zwei von zahllosen landschaftlichen Attraktionen; zwölf von ihnen wurden von der Unesco bereits als Stätten des Weltnaturerbes anerkannt. Überall im Land zeigen Tempelklöster mit uralter Tradition neue Aktivität oder werden sogar großzügig ausgebaut und erweitert, traditionelle Feste wie das Drachenboot- und das Laternenfest werden wieder in überlieferter Manier gefeiert.

Zugleich entsteht in vielen Regionen des Landes eine moderne, von Technik und Dienstleistungen geprägte Volkswirtschaft. Die Folgen dieser wirtschaftlichen Revolution sind unübersehbar: Nirgends in der Welt manifestiert sich die Sehnsucht nach dem Fortschritt so konsequent in Stahl und Beton wie in den chinesischen Metropolen. Ganze Stadtlandschaften wurden längst umgepflügt und im Zeitraffertempo neu gestaltet. Wo um 1990 noch Radfahrer durch beschauliche Altbauviertel trödelten, rauscht heute vielerorts der Autoverkehr, oft gleich auf mehreren Ebenen. Baustellen, Wolkenkratzer und ein oft ungehemmt zur Schau gestellter Luxus in Hotels, feinen Restaurants und Boutiquen prägen die Schauseite des neuen China. Das Land ist zum Dorado internationaler Architekten geworden. Nirgends sonst wurden seit der Jahrtausendwende so ambitionierte, spektakuläre Bauprojekte verwirklicht wie hier, und ein Ende des Booms ist noch nicht abzusehen. Freilich, auch die Schattenseiten sind Realität: krasse Einkommensunterschiede, oft inhumane Arbeitsbedingungen und die weit verbreitete Korruption.

Aus ökonomischer Sicht ist Chinas Wirtschaftsboom dagegen eine fast makellose Erfolgsgeschichte. In wenigen Jahren hat sich das Land in den Kreis der führenden Wirtschaftsnationen katapultiert: China ist schon heute Exportweltmeister bei der Informationstechnik, sein Energie- und Rohstoffhunger treibt die Weltmarktpreise, hier fahren die schnellsten Eisenbahnen des Globus auf dem weltgrößten Hochgeschwindigkeitsnetz, und als Automarkt hat China schon die USA überflügelt. Seit 2010 ist China die zweitgrößte Volkswirtschaft nach den Vereinigten Staaten, und nach manchen Prognosen wird es schon um 2020 die Nummer 1 werden.

Es ist nicht schwer, von China auf den ersten Blick begeistert zu sein. Wer sich einer Reisegruppe anvertraut und sich zwei, drei Wochen lang von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten führen lässt, bringt sicher ein Bündel von Erlebnissen mit und wird für seine Digitalkamera unterwegs noch eine Speicherkarte nachgekauft haben. Daran ist, von den Strapazen abgesehen, nichts auszusetzen – doch wer etwas genauer hinschaut, wird seine touristischen Glanzlichter vielleicht am Wegesrand finden.

Daher ein Rat: Lassen Sie ab und zu eine Pagode Pagode sein. Setzen Sie sich ins nächste Teehaus und beobachten bei Grüntee und Knabbereien die Umgebung. Wenn Sie ein schön gelegenes Tempelkloster finden: Warum nicht die Stippvisite zu einer Übernachtung ausdehnen? Wenn im Morgengrauen Gebete und Klosterglocken ertönen, macht das den fehlenden Zimmerservice doppelt wett. Wer sich Zeit lässt, kann sich dem Pilgerstrom auf die heiligen Berge anschließen, anstatt mit Bus und Seilbahn eine hastige Gipfeltour zu absolvieren. Er kann die Szeneviertel der Großstädte durchstreifen oder abends sein Tsingtau-Bier in einer Karaokebar schlürfen. Und er kann im Morgengrauen durch die Parks schlendern, bei der Morgengymnastik zuschauen und darüber philosophieren, warum die Chinesen trotz der dynamischsten Wirtschaft der Welt zum Abschied gern manman zou sagen: „Gehen Sie schön langsam.“

In China sagt man auch: „Einmal sehen ist besser als hundertmal hören!“ Schauen wir also genauer hin: Da eröffnet sich ein Gebiet der landschaftlichen Extreme. Das „typisch chinesische“ Bild endloser Reisfelder ist nur in einer verhältnismäßig kleinen Region im Südosten zu finden. Dafür nimmt das Hochland Tibets, mit 4000 bis 5000 m das höchste Plateau der Welt, fast ein Viertel der Gesamtfläche Chinas ein. An seinem Südrand ragt die Kette des Himalaya empor, dessen höchsten Gipfel (8848 m) die Chinesen Zhumulangma Feng nennen: den Mount Everest.

Ein weiteres Sechstel des Landes, immerhin 1,5 Mio km2, entfällt auf die Hochgebirge und Wüsten Xinjiangs im Nordwesten und die mongolischen Grassteppen im mittleren Norden. Die mandschurische Ebene, die im Nordosten weit nach Russland hineinragt und an deren Südrand Korea grenzt, hat die kältesten Winter Chinas aufzuweisen. Im Januar kann das Thermometer hier bis auf 50 Grad unter Null fallen – das sind rund 70 Grad weniger als gleichzeitig im äußersten Süden.

Von Peking bis Shanghai erstreckt sich entlang der Ostküste die fruchtbare chinesische Tiefebene. Diese äußerst dicht besiedelte Region ist das jahrtausendealte Kernland der chinesischen Kultur. Hier lebte und lehrte Konfuzius, hier münden die beiden Riesenströme des Huang He (Gelber Fluss) und des Chang Jiang ins Meer. Chang Jiang, Langer Strom: So nennen die Chinesen den Jangtse. Er ist mit 6300 km Chinas längster Strom (der drittlängste der Welt), durchläuft neun Provinzen und bewässert mit 700 Nebenflüssen etwa ein Viertel der gesamten chinesischen Anbaufläche. Gleichzeitig bildet er in etwa die Nordgrenze der subtropischen Klimazone, die mit warmen, regnerischen Sommern und milden Wintern den größten Teil Südchinas einnimmt. Hier dominiert hügeliges Karstland, das in den Südwestprovinzen Guizhou und Yunnan bis zu den Ausläufern des tibetischen Berglands ansteigt. Tropische Vegetation und Temperaturen herrschen an der Südküste und auf Hainan.

China umfasst 22 Provinzen, die in Ausdehnung und Bevölkerungszahl mitteleuropäischen Staaten entsprechen. Hinzu kommen fünf Autonome Gebiete (Tibet, Xinjiang, Ningxia, Guangxi, Innere Mongolei) sowie die regierungsunmittelbaren Städte Peking, Tianjin, Chongqing und Shanghai. 1,3 Mrd. Menschen, mehr als ein Fünftel der Weltbevölkerung, leben hier – die Provinz Henan mit über 96 Mio. Einwohnern ist bevölkerungsreicher als jeder Staat Europas.

Nicht nur die Landschaften, auch die Städte und Siedlungen sind voller Abwechslung. Von der gravitätischen Strenge der Pekinger Kaiserbauten zur geschäftigen Buntheit eines südchinesischen Straßenmarkts, von der Weite des tibetischen Hochlands zu den Stahl-und-Marmor-Palästen Shanghais – China ist Vielfalt. Es ist ein Land mit ausgeprägten regionalen Traditionen, Kulturen und Interessen und keinesfalls der monolithische Einheitsstaat, als der es (nicht ohne eigenes Zutun) immer wieder missverstanden wurde.

Das alte China hatte sich in der Rolle einer politischen Hegemonialmacht und der einzigen Kulturnation gefallen. In der Kolonialzeit machte das Land jedoch eine traumatische Erfahrung: den Niedergang des mächtigsten Reichs der Welt zum Entwicklungsland. Anfang des 19. Jhs. hatte die britische Ostindische Kompanie ihr Handelsbilanzdefizit gegenüber China durch die Verbreitung des Opiums ausgeglichen, das in der britischen Kolonie Indien angebaut wurde. Als ein Abgesandter des chinesischen Kaisers das Gift in Kanton beschlagnahmen und verbrennen ließ, setzten die Briten mit Kanonenbooten durch, was sie für ihr Recht auf freien Handel hielten. Der erste Opiumkrieg endete 1842 mit der erzwungenen Öffnung von fünf Küstenstädten (darunter Shanghai) und leitete Chinas mühevollen Weg in die Gegenwart ein.

Das „sinozentrische“ Weltbild des alten Kaiserreichs wurde nun Zug um Zug zerschlagen. Die technologisch und militärisch weit überlegenen Kolonialmächte erzwangen Handels- und Niederlassungsrechte und provozierten damit gewaltsame Reaktionen. Der fremdenfeindliche „Boxeraufstand“, wie er im Westen genannt wurde, führte im Jahr 1900 zu einem gewalttätigen Rachefeldzug und astronomischen Reparationsforderungen der alliierten Westmächte. Damit war der Kaiserhof am Ende. Die chinesische Republik (seit 1912) litt unter blutigen Unruhen, Bürgerkrieg und dem Vordringen der japanischen Besatzer, die bis 1945 weite Teile des Landes kontrollierten. Das „Jahrhundert der Demütigungen“ endete mit der Machtergreifung Mao Zedongs im Jahr 1949. Die chinesischen Kommunisten stellten die Souveränität des Landes wieder her – zum Preis der erneuten Abschottung. Besonders während der „Großen Proletarischen Kulturrevolution“, als Maos Rote Garden unbarmherzig Jagd auf vermeintliche Reaktionäre und Revisionisten machten, war das Land praktisch von der Außenwelt abgeschnitten. Nach Maos Tod 1976 öffnete sich China erneut, diesmal unter dem Motto des Wirtschaftsreformers Deng Xiaoping: „Es ist egal, ob eine Katze schwarz oder weiß ist – Hauptsache, sie fängt Mäuse!“

Chinas Weg in die Moderne blieb nicht ohne Rückschläge. Dies zeigte vor allem die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung am 4. Juni 1989, die viele Hundert Menschenleben kostete. Bis heute fordern regionale Proteste, die sich meist gegen die Willkür von Lokalbeamten richten, immer wieder Opfer. Dennoch hat das Land seit Beginn der Reformbewegung nicht nur an Wohlstand, sondern ganz allmählich auch an Freiheit gewonnen. Trotz bestehender Einschränkungen, was demokratische Selbstbestimmung, Meinungs- und Versammlungsfreiheit angeht, genießen Chinesen heute faktisch wohl mehr Freiheiten als je zuvor, und als Gewerbe- und Reisefreiheit nutzen sie sie intensiv.

Ein kaum gehemmter Modernisierungsboom hat China zwar die meisten Altstädte und damit viel von einer Romantik geraubt, die ausländischen Gästen gefällt, doch profitieren diese auch von neuen Freiheiten: Das Reisen ist bequemer denn je, das ganze Land steht individuellen Entdeckungstouren offen, und immer mehr erschließen sich auch die Chinesen die Schönheiten ihrer Heimat. Ein ganzes Leben reicht nicht aus, Chinas zahllose Facetten kennenzulernen.

Quick Facts

Beste ReisezeitJFMAMJJASOND
SpracheChinesisch
WährungRenminbi
Geeignet fürKultur, Shopping, Outdoor, Meer, See

Im Trend

Generation Bio
Schmackhaft

In China ist vegetarische Bio-Küche der große Essenstrend. Die Großstädter beißen bevorzugt bei Vegan HutGebäude 9 in Peking oder bei den Bio-Leckereien vom Bringdienst Organic Kitchen Shanghaiwww.organickitchenshanghai.com zu. In Pekings The Veggie TableWudaoying Hutong19 gibt es nicht nur leckere Speisen, sondern auch regelmäßige Vorträge rund um das Thema gesunde Ernährung.

Gute Nacht!
Im Spa

Auch lange nach Sonnenuntergang gibt es im DragonflyDonghu Lu20Shanghai noch Massagen, Masken und Co. Das Spa hat bis 2 Uhr nachts geöffnet. Die Nacht nutzt auch das ZenspaGebäude 1Xiaowuji Lu8a in Peking – täglich bis 23 Uhr. Wer braucht da noch Schönheitsschlaf? In Helen's Nail SpaNanchang Lu120Shanghai gibt es nicht nur nächtliche Maniküre, sondern eine ganze Vielzahl von Beautyanwendungen.

Ferien mit Fahrrad
Zweirad-Begleiter

Das Fahrrad entwickelt sich vom reinen Fortbewegungsmittel zum Sport- und Spaßgerät. In Peking leihen Sie die Drahtesel bei Bicycle KingdomDonghuangchenggen Nanjie34. Wer eine längere Reise im Sinn hat, sieht sich bei Giant BicyclesJiaodaokou Dong Dajie4–18 um. In dem Pekinger Laden gibt es eine Riesenauswahl an hochwertigen Rädern – fast wie geschaffen für eine Entdeckungstour kreuz und quer durch das Reich der Mitte. Bei so einer Reise stehen Ihnen die Guides von China by Bikewww.china-by-bike.de zur Verfügung. Sie organisieren eindrucksvolle Touren, zum Beispiel entlang der Seidenstraße.

Buch-Boutique
Abtauchen

Stecken Sie Ihre Nase doch einmal in eine „Buch-Boutique“. Anders als im gewöhnlichen Buchladen gibt es dort zusätzlich zu chinesischer und ausländischer Literatur Cafés, Veranstaltungen und Kunst. Bei der jungen Generation liegen diese Geschäfte im Trend. So wie das The BookwormGebäude 4Nan Sanlitun Lu . In dem Laden gibt es regelmäßig Lesungen, ein montägliches Quiz, Weinproben und mehr. ist sowohl Veranstaltungshalle und Bücherei als auch Restaurant und Bar. Der Wan Book StoreXiaozhai Donglu28Xi'an hat eine Faulenzecke und eine Cafélounge mit entspannter Musik und kuscheligen Sofas. Für Leseanfänger ist Poplar Kid's RepublicGebäude 13Dongsanhuan Zhonglu39 ein Paradies. Der Kinderbuchshop hat eine eigene Lesegruppe, macht Vorführungen zu literarischen Themen – und eine Spielecke fehlt auch nicht.

Kreative Zelle
Kunst

Mitten in der Industrie-Tristesse des Dashanzi Art District ist die Pekinger Kunstszene zu Hause. Sehenswert ist die zeitgenössische Kunst der Galerie 798 SpaceJiuxianqiao Lu4www.798space.com wo regelmäßig ausgefallene Künstlerpartys steigen. Eine weitere gute Anlaufstelle ist die Red Gate Galleryim Dongbianmen-WachturmChongwenmen Dong Dajie. Auf 3000 m2 breiten sich mehr als 100 vielversprechende Kreative im Arario Beijingin der Chaoyang-Fabrik, Jiuchang Art ComplexBeihuqu Lu aus. Der alte Industriebau ist zur kreativen Keimzelle der Metropole geworden.

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China - die besten Locations und Angebote

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Aktivitäten & Touren

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Gastronomie

Spezialitäten

Speisen aus der Garküche
baozi

große gedämpfte Hefeklöße, gefüllt mit Hackfleisch, Gemüse oder süßer Bohnenpaste (dousha)

jiaozi

halbmondförmige Teigtaschen, zumeist mit Schweinefleisch gefüllt, die gekocht (shuijiao), gedämpft (zhengjiao) oder knusprig gebraten (guotie, „Pfannenkleber“) angeboten werden

miantiao

dünne Nudeln, meist in der Brühe und mit Fleisch, Huhn oder Gemüse serviert; in Sojasauce gebraten heißen sie chaomian

xiaolong bao

die Miniaturvariante der baozi, besonders köstlich mit Krabbenfleisch

Speisen im Restaurant
beijing kaoya

Pekingente; besonders lecker: die knusprige Haut

gongbao jiding

Hühnchenwürfel „auf Palast-Art“ mit Erdnüssen und Chilischoten

gulaorou

frittiertes Schweinefleisch, süßsauer

guoba

knusprige Reiskrusten, mit einer aromatischen Sauce übergossen

huiguorou

zweimal gebratenes Schweinefleisch

huoguo

Feuertopf, ein Fondue mit Fleisch und Gemüse, mit hauchdünn geschnittenem Lammfleisch eine nordchinesisch-mongolische Winterspezialität (auch shuan yangrou genannt), als Sichuan-Feuertopf oft höllisch scharf

jiaohuazi ji

„Bettlerhuhn“, zart in Lehm oder Folie gebacken

luohan zhai

buddhistische Fastenspeise aus verschiedenen Gemüsen

mapo doufu

scharfer „Tofu nach Art der pockennarbigen Alten“ mit Hackfleisch, Bohnenpaste und Chilischoten

shizitou

„Löwenköpfe“: Hackfleischklöße mit Kohl in dunkler Sauce

Essen & Trinken

Wenn Chinesen essen gehen, tun sie das selten allein: Je mehr Leute, desto größer die Auswahl der Gerichte, von denen sich jeder bedienen kann. Man lässt sich Zeit, plaudert und raucht. Die Etikette unterwirft sich der Behaglichkeit, Schmatzen und Schlürfen sind gestattet (nur sich zu schneuzen gilt als unfein). In der feinen Küche gibt es Reis erst zum Schluss – wenn überhaupt.

Die berühmteste Spezialität ist natürlich die Pekingente, die nach einem komplizierten Verfahren aufgepumpt, getrocknet, mariniert und über dem offenen Feuer gegart wird. Alle Teile können verzehrt werden, doch was die Ente zur Pekingente macht, ist die knusprige Haut, die man sich stückchenweise in hauchdünne Fladen rollt.

Dies ist jedoch erst der Anfang einer schier unerschöpflichen Speisekarte mit vielen regionalen Spezialitäten. Lammfleisch wird vor allem im Norden gegessen. Kleine scharfe Lammfleischspieße, oft am Straßenrand gegrillt, sind ein Produkt der moslemischen Küche, im Süden werden die Nester von Höhlenschwalben zu einer Dessertsuppe verarbeitet.

An der Küste stehen Fisch und Meeresfrüchte ganz oben auf dem Speiseplan. In Shanghai dominiert die mild-salzige Yangzhou-Küche, Spezialitäten sind Krebse, Aal und changyu, eine Plattfischart. Suzhou ist für süße Leckereien bekannt, wie roten Klebreis mit Lotoskernen. „Drachenbrunnen-Krabben“ aus Hangzhou dünstet man in grünem Tee.

Kantonesische Köche sind weltberühmt, ihre kulinarische Phantasie ist grenzenlos. Eine „Drachen-Tiger-Phönix-Suppe“ besteht zum Beispiel aus Schlange, Katze und Huhn. Hundefleisch ist als Aufbaunahrung beliebt, doch keine Angst: Niemand denkt daran, diese Köstlichkeit ungefragt an einen Ausländer zu verschwenden.

Eine besondere Annehmlichkeit Kantons sind die vormittags servierten Snacks (kantonesisch dim sum). Setzen Sie sich in ein Dimsum-Restaurant, lassen Sie sich Tee servieren und verbringen Sie Ihre Zeit damit, aus den auf Servierwagen herumgereichten Tellerchen mit bunten Reisteigkugeln und herzhaften Teigtaschen Ihre Lieblingssorten herauszufinden. Kosten Sie in aller Ruhe: Anders als im übrigen China frühstückt man hier gern den ganzen Vormittag.

Das chinesische Frühstück begeistert sonst nicht jeden. Man kann wässrigen Reisbrei mit Erdnüssen und eingelegtem Gemüse am frühen Morgen schätzen, viele Touristen bleiben aber doch lieber bei Toast und Marmelade im Hotelrestaurant. Dimsum bieten da eine erfreuliche Abwechslung.

Ebenso renommiert wie die Kanton-Küche ist die der Provinz Sichuan. Hier zaubern die Köche mit Sichuanpfeffer und scharfen Saucen. Hühnerfleischwürfel mit Erdnüssen, süßscharfe Fleischstreifen „mit Fischgewürz“ und der wunderbare Doufu „nach Art der pockennarbigen Alten“ lassen Gourmets das Wasser im Mund zusammenlaufen. Was die Kunstfertigkeit im Umgang mit Zutaten angeht, gebührt die Krone womöglich den buddhistisch-vegetarischen Kochtraditionen mit ihren oft verblüffenden Fleisch- und Fischimitaten. Um das zu erleben, muss man nicht ins Kloster gehen. Gute vegetarische Restaurants gibt es auch außerhalb.

Doch es muss nicht immer die „große Küche“ sein. Warme Hefeklöße in hoch aufgetürmten Dämpfkörben, Nudeln aus dem Wok, die frisch per Hand gezogen wurden, kalte Reisnudeln, vom glänzenden Teigblock geschabt: Köstliche Kleinigkeiten gibt es für wenig Geld an jeder Straßenecke.

Der Wok, eine tiefe Eisenpfanne, dient zum Kochen, Dünsten, Dämpfen, Frittieren und Braten. Beim kurzen Garen auf hoher Flamme bleibt das Fleisch zart, und Gemüse behält seine Nährstoffe.

Zu trinken gibt es von morgens bis abends grünen Tee (lücha), stets aufgebrüht mit heißem (nicht kochendem) Wasser. Die Blätter bleiben im Teegefäß und können noch mehrmals aufgegossen werden. Der Espresso unter den chinesischen Tees ist der „braune“, halbfermentierte Oolong, wie er in der Küstenregion Fujian getrunken wird. Kleine Kännchen werden zur Hälfte mit Teeblättern gefüllt, die nur etwa 30 Sekunden lang ziehen dürfen. Dann nippt man den starken Aufguss genießerisch aus fingerhutgroßen Schalen. Zum Essen schätzt man Bier (pijiu), Limonade und Hochprozentiges. Und auch Weinliebhaber müssen nicht verzichten: Eine Probe der meist roten Tropfen aus Chinas Westen kann angenehm überraschen. Zu den führenden Marken zählen Grace Vineyard aus Shanxi und Lou Lan aus Xinjiang.

Leider sind viele Restaurants nicht auf ausländische Gäste eingestellt. Sehr verbreitet sind jedoch schön bebilderte Speisekarten; ansonsten schaut man einfach, was die anderen essen, und verständigt sich mit dem Kellner notfalls per Fingerzeig.

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Wetter & Klima

Aktuelles Wetter

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Dienstag / 24.04.2018
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Klima

Tagestemperaturen in °C
  1. Jan 1
  2. Feb 4
  3. März 11
  4. April 21
  5. Mai 27
  6. Juni 31
  7. Juli 31
  8. Aug 30
  9. Sept 26
  10. Okt 20
  11. Nov 10
  12. Dez 3
Nachttemperaturen in °C
  1. Jan -10
  2. Feb -8
  3. März -2
  4. April 7
  5. Mai 13
  6. Juni 18
  7. Juli 21
  8. Aug 20
  9. Sept 14
  10. Okt 6
  11. Nov -2
  12. Dez -8
Sonnenschein Stunden/Tag
  1. Jan 7
  2. Feb 7
  3. März 8
  4. April 8
  5. Mai 9
  6. Juni 9
  7. Juli 7
  8. Aug 7
  9. Sept 6
  10. Okt 6
  11. Nov 6
  12. Dez 6
Niederschlag Tage/Monat
  1. Jan 2
  2. Feb 2
  3. März 2
  4. April 3
  5. Mai 6
  6. Juni 6
  7. Juli 12
  8. Aug 9
  9. Sept 5
  10. Okt 2
  11. Nov 2
  12. Dez 1
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Anreise

Peking und Shanghai werden teils mehrmals täglich von Frankfurt a. M., München, Wien und Zürich aus nonstop angeflogen. Weitere Direktrouten: Berlin – Peking, Frankfurt – Kanton, Frankfurt – Nanjing und Frankfurt – Shenyang (über Peking); ferner wird aus Zürich auch Shanghai direkt angeflogen. Chengdu ist ab Amsterdam direkt erreichbar. Von Norddeutschland aus bieten Flüge über Kopenhagen oder Helsinki Zeitersparnis. Für Südchina ist Hongkong eine gute Drehscheibe. Einmal China und zurück ist teils schon für unter 700 Euro realisierbar. Flugzeiten: je nach Strecke nonstop 9 bis 11 Stunden; Hongkong ist 12 Stunden entfernt.

In Peking und Kanton sind die internationalen Flughäfen ans Bahnnetz angeschlossen; diese Alternative empfiehlt sich jedoch nur bedingt für Reisende mit großem Gepäck.

Das preisgünstigste Transportmittel in die Innenstadt sind überall die Flughafenbusse, die jedoch ohne Chinesischkenntnisse oft schwierig zu benutzen sind. Da Taxis billig sind, wird man sich meistens für diese bequemste aller Alternativen entscheiden, um ans Ziel zu gelangen.

Sechs Tage braucht die Transsibirische Eisenbahn für die 9000 km von Berlin über Moskau nach Peking. Die Strecke durch die Mongolei ist kürzer als durch die Mandschurei. Sie fahren im 4-Bett-Abteil (2. Klasse) oder 2-Bett-Abteil (1. Klasse). Die Preise liegen je nach Strecke und Klasse bei ca. 700 bis 1200 Euro ohne Visumgebühren, Verpflegung und Kosten für eine mögliche Fahrtunterbrechung in Russland. Information: Olympia ReisenBonn0228 400030www.olympia-reisen.com. Buchen Sie zwei Monate im Voraus.

Ticketbuchung und Visumbeschaffung in China über Monkey Business Pekingin Sanlitun versteckt gelegen; holen Sie sich eine telefonische Wegbeschreibung010 65916519www.monkeyshrine.comMo–Sa 10–18 Uhr.

Anreise China planen
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Events, Feste & mehr

Gesetzliche Feiertage
1. Januar

Neujahr

Frühlingsfest:

Chinesisch-Neujahr sowie der Tag davor und der Tag danach

am 4. bzw. 5. April

Qingming-Fest (Totengedenktag)

1. Mai

Tag der Arbeit

Juni

Drachenbootfest

September/Oktober

Mittherbstfest

1. Oktober

Nationalfeiertag (im Gedenken an die Staatsgründung 1949) sowie zwei Tage danach

Traditionelle Feste
Frühlingsfest (Chunjie)

Das chinesische Neujahrsfest ist ein Familienfest, für das es eine Woche frei gibt. Geschäfte und Restaurants bleiben geschlossen, Taxistände leer. Wenn Sie nirgendwo eingeladen sind: eine eher langweilige Angelegenheit. Vor und nach dem Fest sind die Verkehrsmittel noch voller als sonst. (1. Tag des 1. Monats)

Laternenfest (Yuanxiaojie)

Zwei Wochen nach dem Frühlingsfest werden Parks und Gärten mit farbenfrohen Laternen aller Größen und Formen geschmückt und bieten einen prächtigen Anblick. (15. Tag des 1. Monats)

Totengedenktag (Qingmingjie)

An diesem Tag besucht man die Gräber der Verstorbenen, fegt und reinigt die Grabstätten und bringt Opfergaben dar. (In Schaltjahren und dem Jahr danach am 4., sonst am 5. April)

Drachenbootfest (Duanwujie)

Auf den Seen und Flüssen Südchinas finden zur Erinnerung an den ertrunkenen Dichter und Nationalhelden Qu Yuan (332–296 v. Chr.), der aus Protest gegen soziale Missstände ins Wasser ging, Rennen mit bunt bemalten Drachenbooten statt. Traditionelles Essen an diesem Feiertag sind zongzi, gedämpfte Bambusblätterwickel mit Klebreisfüllung. (5. Tag des 5. Monats)

Mittherbstfest (Zhongqiujie)

Auch Mondfest genannt, weil man den Tag am liebsten mit einem Picknick im Mondlicht begeht. Dazu gibt es gehaltvolle, runde Mondkuchen (yuebing). (15. Tag des 8. Monats)

Doppel-Neun-Fest (Chongyangjie)

Am 9. Tag des 9. Monats werden Ahnenopfer an den Gräbern dargebracht. Auch steigt man auf Anhöhen und trinkt Wein.

Lokale Festivals
Januar/Februar

Eisfest in Harbin. In den Parks der Stadt werden kunstvolle Eisskulpturen von riesigen Ausmaßen errichtet – phantastisch in farbiger Beleuchtung bei Dunkelheit. (5. Jan. bis Mitte Feb.)

April

Drachenfest in Weifang (Provinz Shandong). Zum Fest gehört ein internationaler Wettbewerb im Drachensteigenlassen. (Monatsbeginn)

Poshuijie (Wasserspritzfest): Fest der Dai in ganz Xishuangbanna mit Drachenbootrennen und Tanz. Nach dem „Waschen des Buddha“ endet die Festlichkeit mit einer vergnügten Wasserschlacht. (13. bis 15. April)

15. Tag des 3. Monats

Sanyuejie (Fest des 3. Monats) in Dali. Zahlreiche Volksgruppen aus Yunnan und Umgebung treffen sich zu attraktiven Tanz- und Gesangswettbewerben, Drachenboot- und Pferderennen.

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Gut zu wissen

Auskunft
Chinesisches Fremdenverkehrsamt

DeutschlandIlkenhansstraße660433069 520135www.china-tourism.de

SchweizBrandschenkestrasse1788002044 2018877www.chinatourism.ch

CITS (China International Travel Service)

CITS Building010 65222991www.cits.net

Wer in China unterwegs ist, besorgt sich alle nötigen Informationen am besten am Hotelschalter – dort kann man meistens auch Fahrkarten bestellen, Ausflüge buchen usw. Fremdenverkehrsbüros wie in Europa gibt es in China nur in wenigen Städten, und wo es sie gibt, z. B. in Peking, Shanghai oder Xi’an, sind sie erfahrungsgemäß wenig nützlich.

Die wohl besten deutschsprachigen Internetseiten (samt Leserforum) finden sich unter www.chinaweb.de. Deutschsprachige Infos und (linientreue) Nachrichten aus und über China gibt german.china.org.cn. Für Geschäftsleute interessant ist die englischsprachige „Chinese Business World“: www.cbw.com. Eine Fülle von Chinathemen bietet www.hphein.de. Ebenfalls nützlich: www.chinafokus.de. Rucksackreisende finden Anregungen unter chinabackpacker.com. Chinesische Hotels, auf Englisch im Internet kaum präsent, bucht man mit kräftigen Rabatten z. B. über www.sinohotel.com oder www.travelchinaguide.com.

Bahn

In Expresszügen (Zugnummern C…, D... oder G…) gibt es Sitzwagen der 1. und 2. Klasse. In anderen Zügen unterscheidet man Hartsitzer (hard seater, yingzuo; heute immer gepolstert), Weichsitzer (soft seater, ruanzuo; nur bei Tageszügen), Liegewagen (hard sleeper, yingwo; ohne abgeschlossene Abteile) und Schlafwagen (soft sleeper, ruanwo; 4-Bett-Abteile).

Außer für Hardseater ist Sitz- bzw. Bettplatzreservierung nötig – daher ist es wichtig, zeitig Fahrkarten zu kaufen. Meist geht dies über das Businesscenter des Hotels. An Bahnhöfen muss man oft lange Schlange stehen, und das Personal versteht kein Englisch. Das Buchungssystem erfasst nicht alle Sitzplätze landesweit. Wer also in A keinen Fahrschein für die Fahrt von B nach C erhält, kann es in B noch mal versuchen. Bettplätze erhält man auch im Zug.

Bus

Busfahren ist auf Langstrecken oft strapaziös, doch viele interessante Ziele sind nicht anders zu erreichen. Auf viel befahrenen Strecken gibt es Kleinbusse, die losfahren, wenn alle Plätze belegt sind. Fahrkarten bekommen Sie am Busbahnhof (am Vortag besorgen) oder bei kürzeren Strecken im Bus selbst.

Innerstädtische Buslinien sind überall zahlreich und billig, man sollte sich jedoch genau die Route erklären lassen, ehe man sich für diese Alternative entscheidet. Schriftliche Infos an den Haltestellen gibt es praktisch nur auf Chinesisch.

Diplomatische Vertretungen
Deutsche Botschaft

Dongzhimenwai Dajie17Peking010 85329000www.peking.diplo.de

Österreichische Botschaft

Xiushui Nanjie5010 65329869www.aussenministerium.at/peking

Schweizer Botschaft

Sanlitun Dongwu Jie3010 85328888www.eda.admin.ch/beijing

Deutsche, österreichische und Schweizer Generalkonsulate gibt es jeweils in Hongkong, Kanton und Shanghai, ein weiteres deutsches in Chengdu. Über alle Daten informieren folgende Internetadressen:

– Deutschland: www.auswaertiges-amt.de

– Österreich: www.bmaa.gv.at

– Schweiz: www.eda.admin.ch

Einreise

Frühestens 50 Tage vor der Einreise sind der chinesischen Botschaft bzw. dem zuständigen Konsulat vorzulegen: ein ausgefülltes Antragsformular, ein Passfoto, der Reisepass (sechs Monate gültig ab Einreisedatum) und die Visumgebühr (Deutschland: 30 Euro, Österreich: 30 Euro, Schweiz: 50 Franken; für Ausländer gelten Zuschläge, ebenso für raschere Bearbeitung, normal: vier Arbeitstage). Ausländer müssen eine Kopie der Aufenthaltserlaubnis vorlegen. Der Antrag darf nicht per Post eingereicht werden.

Formulare zum Selbstausdrucken und aktuelle Informationen finden Sie unter www.china-botschaft.de/det bzw. www.chinaembassy.at/det bzw. www.china-embassy.ch/ger/.

Chinareiseveranstalter bieten immer auch einen Visumbeschaffungsdienst an.

Diplomatische Vertretungen der Volksrepublik China in Deutschland

Botschaft, Konsularabteilung BerlinBrückenstraße1010179030 27588572

Generalkonsulat in Frankfurt (für Hessen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland)Mainzer Landstraße17560326069 75085534

Generalkonsulat in Hamburg (für Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein)Elbchaussee26822605040 82276018

Generalkonsulat in München (für Bayern)Romanstaße10780639089 17301612

Botschaft der Volksrepublik China in Österreich

Konsularabteilung Wien Neulinggasse29-1-11103001 7103648

Diplomatische Vertretungen der Volksrepublik China in der Schweiz

Botschaft, Konsularabteilung BernLombachweg233006031 3514593

Generalkonsulat Zürich (für zwölf Nordschweizer Kantone und für Liechtenstein)Bellariastraße208002044 2011005

Bei Einreise über Hongkong werden Touristenvisa kurzfristig ausgestellt bei:

China Travel Service

Nathan Road27–331/F, Alpha House0852 29987888www.ctshk.com

Touristenvisa sind 30 Tage ab dem Tag der Einreise gültig. Sie können in China zweimal um jeweils einen Monat verlängert werden. Zuständig sind die Ausländerbüros des Amts für öffentliche Sicherheit (Gong’anju), die Sie in jedem größeren Ort finden.

Fahrräder

Mieträder gibt es in vielen Hotels, manchmal auch am Bahnhof. Als Regel gilt: Langsam fahren, fleißig klingeln und immer nach vorn sehen! Motorfahrzeuge haben Vorfahrt, aber es gilt auch: Wer zuerst kommt, fährt zuerst. Und prüfen Sie vor der Fahrt unbedingt die Bremsen!

Fotografieren

Generell sind keine besonderen Regeln zu beachten. Sie sollten allerdings um Erlaubnis bitten, wenn Sie Personen fotografieren (außer an Stellen, wo auch Chinesen viel fotografieren).

Beachten Sie die Fotografierverbote in Tempelhallen. Fotografieren auf öffentlichem Privatgelände, beispielsweise in Kaufhäusern, wird oft vom Sicherheitspersonal unterbunden. Dies kann auch für Schaufensterauslagen gelten. Militärische Anlagen dürfen nicht fotografiert werden.

Geld & Kreditkarten

Heute finden sich in allen Städten sowie in vielen Hotels internationale Geldautomaten, aus denen man mit einer Debitkarte (z. B. Maestro) Geld ziehen kann. Für den Fall, dass die verloren geht (oder der Automat nicht funktioniert), sollte man auch Eurobargeld dabei haben (wird in den meisten Hotels getauscht) sowie zur Sicherheit eine zweite Debitkarte und eventuell Reiseschecks, zu deren Einwechslung man jedoch oft die örtliche Filiale der Bank of China aufsuchen muss.

Die in Europa verbreiteten Kreditkarten werden auch in den besseren chinesischen Hotels akzeptiert. Beim Geldwechsel muss der Reisepass vorgezeigt werden. Wichtig: Falls Sie bei Ihrer Ausreise aus China Geld zurücktauschen wollen, müssen Sie eine Umtauschquittung über mindestens denselben Betrag vorlegen.

Gesundheit

Impfungen sind nicht vorgeschrieben, empfehlenswert ist aber die Vorsorge gegen Hepatitis, bei Reisen nach Südchina gegebenenfalls gegen Malaria, Cholera und Typhus (rechtzeitig beim Hausarzt oder dem nächsten Tropeninstitut erkundigen; aktuelle Informationen finden Sie unter www.fit-for-travel.de oder www.auswaertiges-amt.de, Menüpunkt „Reise und Sicherheit“).

In die Reiseapotheke gehören Magen-Darm- und Grippetabletten, Schmerzmittel, Pflaster, Wundsalbe und Sonnencreme. Wer in abgelegene Regionen reist, schützt sich mit Einwegspritzen vor Infektionen im Ernstfall. Wenn Sie einen Tibetaufenthalt planen, sollten Sie unbedingt an Arznei gegen die Höhenkrankheit denken.

Leitungswasser sollten Sie in China nicht unabgekocht trinken. Sie können es jedoch bedenkenlos zum Zähneputzen verwenden.

Hongkong & Macau

Hongkong gehört seit 1997 wieder zu China, Macau seit 1999. Beide sind Sonderverwaltungszonen und von China (sowie untereinander) deutlich strenger getrennt als europäische Staaten unter sich. Beide haben eine eigene Währung, für beide gelten eigene Einreisebestimmungen, die jedoch liberaler sind: Man benötigt als Deutscher, Österreicher oder Schweizer Bürger kein Visum. Verkehrstechnisch sind beide mit dem übrigen China gut vernetzt durch die Flughäfen, durch Fähr- und Buslinien sowie im Falle Hongkongs auch durch die Eisenbahn.

Alles Weitere erfahren Sie aus dem MARCO POLO Reiseführer „Hongkong/Macau“.

Inlandsflüge

Flüge innerhalb Chinas können Sie übers Hotel, über China International Travel Service (CITS) oder direkt über die Fluglinie buchen. An den meisten Orten gibt es billige Zubringerbusse vom und ins Stadtzentrum (Abfahrtszeiten im Büro der Fluglinie erfragen). Die Flugzeuge sind großteils modern; trotzdem müssen Sie, besonders im Landesinneren, bei schlechtem Wetter mit Verspätungen rechnen.

Internetzugang

Den einfachsten Zugang ins Internet erhalten Sie in den Businesscentern der Hotels. Preiswerter sind externe Anbieter, die recht häufig sind – und häufig wechseln. Computer in China verwenden meist eine chinesische Benutzeroberfläche, zudem verweigert die Zensur den Zugriff auf viele ausländische Seiten.

Am besten, Sie haben einen tragbaren Computer oder Ihr internetfähiges Telefon dabei, dann können Sie in zahlreichen Cafés, Bars und Restaurants die WLAN-Netze nutzen, meistens sogar gratis. China ist in dem Punkt inzwischen besser entwickelt als Europa.

Kleidung

In Shanghai und anderen Metropolen ist man modisch längst up to date – doch bei Reisen übers Land sollte schlichte, strapazierfähige Kleidung den Vorzug erhalten.

Die Hotels bieten einen verlässlichen Wäschedienst an. Was Sie morgens abgeben, erhalten Sie am Spätnachmittag zurück. Bei Luxushotels kann die Wäsche allerdings teurer werden als ein Neukauf.

Post

Eine Postkarte nach Deutschland kostet 4,50 Yuan, der billigste Luftpostbrief 6 Yuan. Die Laufzeit beträgt ein bis zwei Wochen, von abgelegenen Orten aus kann die Post mehr als einen Monat unterwegs sein. Briefmarken erhalten Sie im Hotel. Pakete müssen offen ins Postamt gebracht und dort kontrolliert werden.

Preise & Währung

In China gilt das „Volksgeld“ Renminbi (RMB). Sein Außenwert ist an einen Währungskorb gekoppelt und hängt vor allem vom Dollar ab; wird also der Euro gegenüber dem Dollar stärker, reisen Bürger des Euroraums in China preiswerter. Die Einheiten des RMB sind: 1 Yuan (CNY) = 10 Jiao = 100 Fen. Im Alltag wird der Jiao fast immer Mao genannt (frei übersetzt: „Groschen“). Jiao-Beträge kommen nur noch selten vor, Fen-Beträge gar nicht mehr.

Für eine Dose inländisches Bier zahlen Sie im Laden 4 bis 5 Yuan; dieselbe Marke kann, im Hotel gezapft, mehr als das Zehnfache kosten. Für ca. 60 Yuan pro Person können Sie ordentlich, für das Dreifache ausgezeichnet essen – das gilt für die Metropolen. In kleineren Orten oder gar auf dem Land ist das Preisniveau deutlich niedriger.

Sehr preiswert sind die öffentlichen Verkehrsmittel: 100 km mit dem Überlandbus kosten etwa 25 Yuan. Eine Fahrt im Stadtbus kostet höchstens 2 Yuan, U-Bahn-Fahrten gibt es ab 2, meistens ab 3 Yuan.

Die Eintrittspreise für Sehenswürdigkeiten liegen meistens zwischen 20 und 50 Yuan, bei Spitzenattraktionen – etwa beim Besuch des Kaiserpalasts in Peking inklusive Schatzkammer und Tonbandführung – erreicht der Preis gelegentlich 100 Yuan. Beim Besuch von Naturparks ist zum Teil mit über 200 Yuan zu rechnen. Bei den großen staatlichen Museen dagegen ist der Eintritt frei.

Reisezeit

Die angenehmsten Temperaturen herrschen im Mai und Oktober. In Südchina sind zwischen April und September viele Regentage zu erwarten, im Norden im Juli und August. Die Winter im Norden sind sehr kalt und oft staubig. Im Frühjahr, vor Beginn der Regenzeit, können Sandstürme in Westchina jeden Verkehr zum Erliegen bringen. Südlich des Jangtse wird außerhalb der Touristenhotels im Winter nicht geheizt, obwohl die Temperaturen z. B. in Shanghai unter null Grad sinken können. Im äußersten Westen (Xinjiang, Tibet) müssen Sie mit großen Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht rechnen.

Strom

220 Volt / 50 Hertz Wechselstrom. Viele Hotels verfügen über Steckdosen für unterschiedliche Stecker, in die mitteleuropäische Zweipolstecker problemlos passen. Auf Nummer sicher geht man mit einem internationalen Steckerset.

Taxi

Die meisten Großstädte sind mit Taxis recht gut versorgt, aber die Fahrer sprechen selten Englisch. Deshalb sollten Sie Ihre Zieladresse immer in chinesischen Schriftzeichen mit sich führen; lassen Sie sie z. B. im Hotel aufschreiben.

Meist haben Taxis ein Taxameter und einen festgelegten Kilometerpreis (etwa 1,50 bis 2,50 Yuan), der im Seitenfenster angebracht sein muss. Der Grundtarif liegt bei etwa 10 Yuan, er hängt wie auch der Kilometerpreis von der Wagenklasse ab. Handeln Sie für Ausflüge ins Umland einen Pauschalpreis aus.

Taxis außerhalb von Metropolen haben meist keine Lizenz für die Metropole selbst. Sollte man Sie bei der Rückfahrt daher am Stadtrand absetzen, ist dies kein böser Wille; Sie müssen dann mit einem städtischen Taxi weiterfahren.

In kleinen Orten stehen zuweilen nur Dreiradrikschas oder Motorradtaxis zur Verfügung. Hier heißt es: Erst feilschen, dann einsteigen.

Telefon & Handy

Alle Hotels in China verfügen über internationale Direktwahl, die meisten auch über Telefax.

Ihr Mobiltelefon wählt sich in China automatisch in das Netz eines Partners Ihres Mobilfunkanbieters ein. Die Gebühren für einen Anruf nach Hause sind unterschiedlich; pro Minute können über 2 Euro fällig werden. Wichtig zu wissen: Als Angerufener muss man die Auslandsverbindung z. B. ab Deutschland bezahlen. Im Normalfall ist es günstiger, vom Hotel aus zu telefonieren. Außerdem gibt es öffentliche Telefonkioske, von denen aus man per Telefonkarte preisgünstig Auslandsgespräche führen kann. Bleiben Sie länger, wird sich der Kauf einer chinesischen Simkarte rasch amortisieren.

Chinesische Mobilfunknummern beginnen mit einer 1, Ortsnetzkennzahlen mit einer 0. Wie in Europa wählen Sie die Vorwahl mit, wenn Sie ein Mobiltelefon benutzen, bei Ortsgesprächen auf dem Festnetz kann sie entfallen. Rufen Sie in China aus dem Ausland an, so entfällt die einleitende 0 der Ortsvorwahl.

Vorwahl nach Deutschland: 0049, nach Österreich: 0043, in die Schweiz: 0041. Vorwahl für China: 0086.

Trinkgeld

In Restaurants gibt man generell kein Trinkgeld. Gleiches gilt beim Taxifahren, allerdings macht sich lächerlich, wer sich auf den Zehntel Yuan genau herausgeben lässt.

Bei Pauschalreisen sind die Reiseleiter und Busfahrer jedoch auf Trinkgelder angewiesen (Richtwert: 10 Yuan pro Tag von jedem Reisenden für beide zusammen). Extraleistung sollte zusätzlich honoriert werden.

Zeit

In ganz China gilt das ganze Jahr über Pekinger Zeit: Mitteleuropäische Zeit (MEZ) plus sieben Stunden, während der europäischen Sommerzeit plus sechs Stunden. Damit der Tageslauf von der tatsächlich Ortszeit nicht zu sehr abweicht, beginnt man den Tag um so später, je weiter man nach Westen kommt. In Kashgar beispielsweise beträgt der faktische Zeitunterschied zwei Stunden – Mittag beispielsweise ist erst gegen 14 Uhr.

Zeitungen

Mit der freien Berichterstattung ist es in China so eine Sache. Nur in den Großstädten ist eine begrenzte Zahl englisch- oder deutschsprachiger Zeitungen aus dem Ausland zu haben. Die offiziöse „China Daily“ mit ihrem Gemisch aus Politik, internationalen Nachrichten und Tourismus erhält man dagegen in vielen Hotels – kostenlos. Provinzstädte erreicht das Blatt aber erst nach Tagen.

Zoll

Eingeführt werden dürfen zwei Flaschen Spirituosen (je 750 ml) und 400 Zigaretten. Ohne weitere Formalitäten darf man Devisen im Wert von bis zu 5000 US-Dollar ein- und ausführen. Nicht ausführen darf man Geldbeträge über 20 000 Yuan und Gegenstände des kulturellen Erbes (Antiquitäten), sofern sie nicht mit rotem Siegel freigegeben sind. Zollfreie Mengen in die EU und die Schweiz: u. a. 200 Zigaretten oder 50 Zigarren oder 250 g Tabak, 1 l Spirituosen über oder 2 l bis 22 (Schweiz: 15) Vol.-%, 4 l Wein sowie andere Waren im Wert bis zu 430 Euro (300 Franken). Weitere Informationen: www.zoll.de.

Stichworte

Architektur und Städtebau

Chinas alte Baukunst war nur wenig von Stilwechseln geprägt. Vielmehr beruht sie, ebenso wie der Städtebau, auf gleichbleibenden Konventionen und Prinzipien, die Ausdruck eines Weltbildes sind. Besonders klar wird dies in Nordchina: Vom Bauernhaus bis zum Buddhakloster öffnen sich die Hauptbauten nach Süden, zum „größten Yang“, der Sonne, hin, um möglichst viel von dessen positivem Einfluss einzufangen. Auch die schachbrettartigen Stadtgrundrisse entstanden aus dieser Südorientierung. Diese ist eng verknüpft mit dem Prinzip der Symmetrie, das dem Vorbild des Himmels folgt, wo Mond und Sonne ostwestlich symmetrische Bahnen beschreiben. Die Hauptgebäude größerer Wohn- oder Tempelkomplexe stehen darum auf einer Nord-Süd-Achse. Auch Berg und Wasser, das Erhabene (yang) und das Tiefe (yin), werden in Entsprechung gesetzt. Im gebirgigen Süden bestimmen professionelle Wahrsager (Geomanten) das fengshui („Wind und Wasser“) von Bauten und Gräbern, das heißt: deren ideale Lage und Ausrichtung, sodass sich die günstigen Einflüsse sammeln und die unheilvollen, die Armut, Krankheit und Kinderlosigkeit bringen, fernbleiben. Der Kontrast von Berg und Wasser prägt auch die Gartenarchitektur. Der Mensch, so die Idee, soll durch seine Bauten der Harmonie des Kosmos teilhaftig werden.

Die Mitte, wo Ost und West, Yin und Yang, in segensreichem Einklang stehen, ist innerhalb der Gebäude ein Ort von weihevoller Qualität. Hier steht der Thron oder der Altar. Daher sind die Bauten auch Ausdruck einer geistigen wie einer gesellschaftlichen Hierarchie.

Zu einer großen Halle gehören stets Seitengebäude und ein Tor oder eine zweite Halle. Gemeinsam umschließen sie einen Hof. Haupt- und Nebenhallen sind in Holzskelettbauweise errichtet; die Balken, Dachsparren usw. werden ohne Nägel miteinander verzapft. Die Anzahl der Säulen an der Schauseite ist stets gerade, sodass ein Mittelfeld als Haupteingang entsteht.

Je bedeutsamer ein Gebäude, desto höher ist der Steinsockel, auf dem es steht, desto größer ist die Zahl der Säulen und desto prächtiger ist das geschwungene Dach, das mehr als alles andere das allgemeine Bild chinesischer Baukunst bestimmt hat. Gelb glasierte Ziegel decken ein kaiserliches oder vom Kaiser privilegiertes Gebäude. Tierfiguren auf den Dachgraten halten Unheil vom Bau fern.

Pagoden sind ein mit dem Buddhismus aus Indien gekommener Bautyp. Zur feuersicheren Verwahrung von Reliquien und heiligen Schriften wurden sie meist aus Stein errichtet; als „Kirchturm“ machen sie den heiligen Bezirk weithin sichtbar.

Chinesische Wohnbauten sind regional sehr verschieden. Das Spektrum reicht von den Lösshöhlen des Nordens bis zu kreisrunden Wohnburgen und schmucken Natursteinhäusern in Fujian. Nimmt man die Architektur der nichtchinesischen Volksgruppen hinzu, so ergibt sich eine noch größere Bandbreite, in der sich islamische Traditionen ebenso wiederfinden wie die mächtigen steinernen Tempelbauten Tibets.

Nachdem fast alle historischen Altstädte abgerissen wurden, beherrschten zunächst gesichtslose Neubauten mit Kachelfassaden die Stadtbilder, ehe man internationale Architekten ins Land holte, die für mehr Abwechslung sorgten und teils spektakuläre Projekte realisierten. Dabei wurden sich die von Hochhäusern geprägten Innenstädte immer ähnlicher, auch wenn prestigebewusste Stadtoberhäupter inzwischen international viel beachtete Hinguckerarchitektur ermöglicht haben. Gleich zwei Shanghaier Satellitenstädte (Lingang und Anting) wurden von deutschen Architekturbüros entworfen.

Bevölkerungspolitik

1,3 Mrd. Einwohner machen China zum bevölkerungsreichsten Land der Erde. Die seit 1979 geltende Ein-Kind-Politik vermochte das Wachstum stark zu bremsen. Heute trägt auch die zunehmende Verstädterung dazu bei, dass weniger Kinder geboren werden und manche Paare im Interesse ihrer Karriere gleich ganz auf Kinder verzichten. Bauern dürfen ein zweites Kind bekommen, wenn das erste ein Mädchen ist – mangels eines Rentensystems sind Jungen die einzige Altersversorgung. Wer mehr Kinder bekommt, hat wirtschaftliche Sanktionen zu erwarten.

Buddhismus

Chinas wichtigste Religion. Die Lehre gelangte vor 2000 Jahren ins Land und erlebte ihre Blütezeit im 7./8. Jh. Wie in Japan und Korea wird in China der Mahayana-Buddhismus gelehrt, der auch dem Laien die Möglichkeit zugesteht, dem Kreislauf der Wiedergeburten in einer als leidvoll empfundenen Welt zu entkommen. Dabei helfen ihm der Erlöserbuddha Amitabha und die Bodhisattvas, erleuchtete Wesen, die auf ihren eigenen Eintritt ins Nirwana verzichten, um die Menschen zu retten. Populärster Bodhisattva ist die Guanyin, die als „Göttin der Barmherzigkeit“ besonders von Frauen verehrt wird.

Die wichtigste Institution des Buddhismus ist das Tempelkloster. Alle Tempelklöster unterstehen dem Staat, der die Religion dadurch kontrolliert. Mönche und Nonnen sind (auch in Tibet) dessen Angestellte. Ein typisches Tempelkloster hat mindestens drei Hallen, die entlang einer Symmetrieachse aufeinanderfolgen. Hinter einem äußeren Tor folgt der Vorhof mit Glocken- und Trommelturm.

Die erste Halle ist die der Himmelskönige. In ihrer Mitte sitzt der lachende Dickbauchbuddha, Sinnbild von Lebensenergie und Weisheit. An den Seiten zürnen die vier gewaltigen Himmelskönige, mit Panzern bewehrt, allem Bösen, das sich in Gestalt von Dämonen meist schon unter ihren Füßen windet. Auf der Rückseite wacht Weituo, des Glaubens General, über das Tempelinnere.

Im nächsten Hof steht das Hauptweihrauchgefäß, dahinter folgt die Haupthalle, in der auf stilisierten Lotosblüten meist drei Buddhas thronen. In ihren schlichten Mönchsgewändern verkörpern sie die höchste und reinste Form der Existenz, die ein Mensch erreichen kann. Die häufigsten Altarfiguren sind die Buddhas der drei Zeitalter: in der Mitte Shakyamuni, der historische Buddha Gautama, der für die Gegenwart steht, links Dipamkara, der Buddha der Vergangenheit, und rechts Maitreya, der Buddha der Zukunft. Die dritte Halle ist die Lehrhalle, in der sich die Mönche versammeln. Zuweilen bergen auch die Seitenhallen bedeutende Bildwerke.

Große Mauer

Was verkörpert „China“ besser als dieser Grenzwall? Aber so berühmt er ist, so irrige Vorstellungen herrschen über ihn. Ähnliche Grenzbefestigungen bauten Chinesen zwar schon vor über 2300 Jahren, aber die bestanden nicht aus gebrannten Ziegeln, sondern aus Stampflehm, und wo es praktischer war, aus Naturstein. Ihre Funktion war mehr die eines stabilen Grenzzauns als eines Bollwerks. Hauptsache, sie hielten berittene Nomaden und ihr Vieh vom Ackerland fern. Die heutige Große Mauer entstand erst im 16./17. Jh. Es gibt auch nicht nur eine Große Mauer. Jede Dynastie, die überhaupt eine baute, musste sich nach dem jeweiligen Grenzverlauf richten. Die meisten älteren Mauern sind bis auf grasüberwachsene oder von Sandstürmen zernagte Reste verschwunden.

Konfuzianismus und Staatskult

Von der Staats- und Gesellschaftslehre des alten China hat das 20. Jh. wenig Relevantes übrig gelassen. Die Opferstätten des Staatskults – die Pekinger Altäre, die Konfuziustempel und andere – sind Zeugen einer Tradition, die bis in vorkonfuzianische Zeit zurückreicht. Sie diente dazu, Mensch und „Himmel“ (Natur und Kosmos) in ein harmonisches Verhältnis zu setzen sowie die Verehrung des Menschen für Höheres – darunter für den Lehrer Konfuzius – auszudrücken. Diese Riten werden seit etwa 100 Jahren nicht mehr praktiziert. Zwei Elemente der konfuzianischen Philosophie, zu der nach Konfuzius (bis 479 v. Chr.) auch andere Philosophen maßgeblich beitrugen, prägen China jedoch bis heute: die Wertschätzung des Lernens und der Bildung – ein Schlüssel zu Chinas atemberaubendem Wandlungstempo – sowie eine starke Diesseitsorientierung. Konfuzius soll dazu gesagt haben: „Wenn du noch nicht den Lebenden dienen kannst, wie dann den Geistern?“

Malerei und Kalligrafie

Kalligrafie ist in China nicht nur Schönschreibkunst, sondern eine eigenständige Kunstform. Die Namen der berühmtesten Meister zählen bis heute zum allgemeinen Bildungsgut. Ihren persönlichen Stil versuchte man nachzuahmen. Professionelle Kalligrafen beherrschen verschiedene Schriftstile von der altertümlichen Kanzleischrift (oder gar der archaischen Siegelschrift) bis zur sehr persönlichen „Grasschrift“, bei der die Zeichen ineinanderfließen und nicht mehr je ein imaginäres Quadrat ausfüllen. Chinesische Kalligrafie erfordert jahrelange Übung, wobei die Kenntnis der Schriftzeichen vorausgesetzt wird.

Wie die Kalligrafie wurde auch die Tuschmalerei einst weniger von professionellen Künstlern als vielmehr von den Literaten praktiziert, die ihr Einkommen als Beamte oder Rentiers bezogen und ihre Werke nicht verkauften, sondern verschenkten. Aus westlicher Sicht sind schon die Formate ungewöhnlich: Querrollen, Hängerollen, Albumblätter, Fächer. Vielfach wurde nur mit schwarzer Tusche, also monochrom, gemalt. Ölfarben und Grundierungen waren unbekannt. Weißes – Wolken, Wasser – ergibt sich durch Freilassen des Untergrunds aus Papier oder Seide.

In der Landschaftsmalerei verkörpert sich eine daoistisch inspirierte Weltsicht: winzig der Mensch, überwältigend groß die Natur, in der sich Gegensätze harmonisch miteinander verbinden. Beim Ab- und Aufwickeln meterlanger Querrollen vollzieht der Betrachter virtuelle Reisen. Andere Motive zeigen Pflanzen und Blumen, Vögel, Fische, Insekten und Steine. Kalligrafierte Widmungen, Verse und Reminiszenzen sind oft integraler Bestandteil. Stets tragen die Bilder einen roten Künstlerstempel und oft auch Sammlerstempel. Der professionelle Porträt- und Genremaler dagegen galt als Handwerker. Die besten Stücke dieser Richtung sind manchmal im Palastmuseum ausgestellt.

Sehr aufregend ist die moderne Kunstszene, die sich teils mit der Tradition auseinandersetzt, teils sich schroff von ihr abwendet und die individuelle Kreativität betont.

Plastik und Skulptur

Chinas frühe Bildhauerkunst steht in enger Verbindung zum Jenseitsglauben. Schon in der Jungsteinzeit wurden den Toten stilisierte Tierfiguren mit ins Grab gegeben. Von der Zhou- bis zur Tang-Zeit begleiten Keramikfiguren von Dienern, Wagenlenkern und anderem Personal hochrangige Verstorbene ins Totenreich. Die meisten dieser Figuren sind lebensecht gestaltet, jedoch kaum einen Meter hoch; als bedeutendste Ausnahme, was die Dimensionen angeht, wurde die unterirdische Streitmacht des „Ersten Kaisers“ Qin Shi Huangdi bekannt. Nur wenig jünger ist die Tradition der „Geisteralleen“, an denen überlebensgroße Steinfiguren dem Toten die letzte Ehre auf dem Weg ins Grab erweisen.

Schon im 2. Jahrtausend v. Chr. tritt die Bronzeplastik mit außerordentlich kunstreichen Ritualgefäßen hervor. Oft sind sie mit stilisierten Tierfiguren verziert und zuweilen als Ganzes in Tierform gestaltet.

Von besonderer Bedeutung ist die Jadeschnitzerei. Das Material – zunächst nur Nephrit, später auch Jadeit – übte von Anbeginn der chinesischen Kultur an eine große Faszination aus. Daraus gefertigt wurden anfangs vorwiegend Herrschaftsinsignien, später allerlei Schmuck und dekorative Figürchen.

Die plastische Darstellung des Menschen erreichte ihre Blütezeit etwa ab dem 5. Jh. durch den Buddhismus. Er brachte über die Seidenstraße nicht nur die Monumentalskulptur und den Grottentempelbau, sondern auch klassisch-griechische Einflüsse ins Land. Auch später blieb der Buddhismus ein Quell künstlerischer Inspiration, wie die Bildwerke in vielen Tempeln bezeugen.

Trotz aller Meisterschaft errangen Plastik und Skulptur in China nie das Ansehen von Malerei, Kalligrafie und Dichtkunst. Gründe waren die religiöse Bindung der Bildhauerei sowie der Umstand, dass künstlerisches Schaffen auf diesem Sektor schweißtreibende Arbeit bedeutete.

Sprache und Schrift

Die chinesische Sprache hat den Vorteil einer simplen Grammatik ohne Konjugation und Deklination. Vergangenheit oder Zukunft, Singular oder Plural, Wirklichkeit oder Möglichkeit ergeben sich teils aus dem Kontext oder werden durch angehängte Partikeln ausgedrückt. Satzbau und Wortbildung ähneln dem Deutschen. So ergibt sich aus huo, „Feuer“, und che, „Wagen“, der Feuerwagen, nämlich die Eisenbahn.

Als sehr exotisch gelten die Tonakzente, von denen es im Hochchinesischen vier gibt: gleichbleibend, steigend, fallend-steigend, fallend. Doch nicht immer sind sie für das rechte Verständnis von Belang. Was dem Chinesischen aber seine eigentliche Faszination verleiht, ist die Schrift. Etwa 2500 Zeichen sollte man lernen, um beispielsweise eine Zeitung zu lesen. Jedes Zeichen ist eine Silbe, meist bilden zwei oder mehr Zeichen (bzw. Silben) ein Wort. Die meisten Zeichen setzen sich aus zwei Elementen zusammen, von denen eins den Sinn klassifiziert (z. B. Hand für Handlungen, Holz für Geräte und Bäume), während das zweite die ungefähre Aussprache andeutet. Eine Bilderschrift ist das Chinesische schon seit 3000 Jahren nicht mehr.

Theater

Chinas Bühnenkunst ist das Singspiel, sei es mit lebendigen Darstellern wie bei der Pekingoper, sei es beim Puppen- oder beim Schattenspiel. Sprechtheater war im alten China unbekannt und kam erst im 20. Jh. auf.

Die Pekingoper – die Theaterform, die Ausländer am ehesten zu Gesicht bekommen – entstand erst um 1800. Die Mitwirkenden sind oftmals Sänger, Sprecher, Tänzer, Pantomimen und Akrobaten in einer Person. Das fehlende Bühnenbild fordert die Phantasie der Zuschauer heraus, auch werden nur wenige Requisiten verwendet. Und tastet sich jemand zum Beispiel bei hell erleuchteter Bühne mit ausgestreckten Armen voran, so weiß man: In Wahrheit herrscht gerade finstere Nacht. Arien, reich an Koloraturen, wechseln mit gesprochenen Dialogen und Monologen ab. Beachten Sie die Rollentypen: positive männliche Helden mit leichter Schminke (sheng), Frauenrollen (dan, zuweilen mit prunkvollem Kopfputz), Clowns und Narren (chou), die schon durch die weiße Nase lustig wirken, und die prachtvollen Schminkmaskenrollen (jing) für starke, aktive Temperamente (stets Männer, z. B. Generäle), die auch negativ sein können. Während das Optische jedem Theaterliebhaber spontan gefällt, haben westliche Zuhörer oftmals wenig Zugang zur Bühnenmusik. Doch das ist eine Frage der Hörgewohnheiten.

In der Provinz Guangdong wird nach wie vor die Kantonoper gepflegt. Puppentheater, einst die Bühnenkunst für die Dörfer, ist heute akut vom Aussterben bedroht. Jedoch haben alle traditionellen Theaterformen heute einen schweren Stand. Die Jugend geht nicht mehr hin, die Theater müssen ohne staatliche Subventionen auskommen. Oft wird das Programm auf ausländische Touristen zugeschnitten – mit viel Akrobatik und wenigen Dialogen, sodass ein recht einseitiges Bild der Bühnenkunst entsteht.

Bloss nicht

An Feiertagen verreisen

Zum Chinesischen Neujahr sowie in der ersten Mai- und Oktoberwoche machen ein paar Hundert Millionen Chinesen Urlaub. Dann sind alle Transportmittel hoffnungslos überfüllt, Tickets kaum zu bekommen, und die Touristenorte bersten vor Reisenden – besonders prekär bei geringer Bettenzahl. Auch eine Tour auf einen der heiligen Berge sollte man dann lieber nicht unternehmen.

Beim Essen die Hygieneregeln missachten

Essen Sie am Straßenrand keine Speisen, die lange warm gehalten werden, der Krankheitserreger wegen. Eine Hepatitisimpfung, Magen-Darm-Tabletten und Einweg-Essstäbchen an den Imbissbuden sollten Sie vor dem Gröbsten bewahren. Und: Hände weg von lebendem oder frisch geschlachtetem Federvieh!

Tiger, Panda und Co. gefährden

Geschützte Tiere sollen auch geschützt bleiben. Tragen Sie bitte dazu bei, indem Sie auf Elfenbeinsouvenirs, Felle und Leder geschützter Tierarten sowie auf dubiose Stärkungsmittel aus Tigerknochen verzichten.

Reisen im Eiltempo

Wir lächeln gern über asiatische Touristen, die in wenigen Tagen quer durch ganz Europa jetten, aber wie sieht es umgekehrt aus? China hat die Ausmaße Europas, da ist Reisestress vorprogrammiert. Beschränken Sie sich auf eine bestimmte Region – oder wählen Sie moderne Verkehrsmittel wie die Hochgeschwindigkeitszüge.

Zu viel fürs Taxi zahlen

Sollte ein Taxifahrer „vergessen“, das Taxameter einzuschalten, sollten Sie nach dem Fahrpreis fragen. Der korrekte Preis wird nicht mehr als die Hälfte betragen – der Rest ist Verhandlungssache. Wenn Sie eine Landpartie machen und nicht im Reisfeld übernachten wollen, vereinbaren Sie eine Tagespauschale.

Sich einen Schnupfen holen

Gerade im Sommer kommt mancher Chinareisende mit einer üblen Erkältung nach Hause. Kein Wunder: Wenn unter freiem Himmel der Schweiß in Strömen fließt, wird in chinesischen Hotels, Restaurants und Zugabteilen die Klimaanlage bis zum Anschlag aufgedreht. Ein leichter Pullover gehört deshalb unbedingt ins Handgepäck.

Zwei und acht verwechseln

Wenn Sie von irgendetwas zwei Exemplare möchten, halten Sie niemals Daumen und Zeigefinger hoch – denn das bedeutet acht, da es der chinesischen Ziffer 8 ähnelt! Richtig ist: Zeigefinger und Mittelfinger.

News & Reportagen
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