Marco Polo Magazin
USA · 15.12.2015

USA

Mit dem Wohnmobil durch die Rocky Mountains

Oder: Die Angst in den Augen des Bären. Oder: Warum Wohnmobil und Berge in den USA zusammenpassen. Oder: Warum es sich überhaupt lohnt, den Rocky-Mountain-Nationalpark zu besuchen. Lesen Sie selbst!

Unterwegs im nördlichen Teil der Rocky MountainsUnterwegs im nördlichen Teil der Rocky Mountains | © Vladone, iStock

Hoch, immer höher schraubt sich die Trail Ridge Road durch den Rocky-Mountain-Nationalpark – auf dem höchstgelegenen durchgehenden Highway der USA. Rund ein Viertel der 77 Kilometer langen Strecke zwischen Estes Park und Grand Lake verläuft oberhalb der Baumgrenze – die hier statt auf heimischen 2200 Metern rund 1500 Meter höher zu finden ist. Für die kurzen Spaziergänge braucht man also eine Menge Luft, und jeder einzelne Schritt macht einem zu schaffen. Trotzdem kommen nicht wenige Sportler mit dem Rennrad hier herauf in die karge Tundra, die mit ihrer spärlichen Vegetation und ihren riesigen Ausmaßen ein unglaubliches Gefühl von Weite vermittelt. Auch der Wind kommt von weit her, rast ohne Hindernis auf die Berge zu und peitscht ungebremst an die höchsten Punkte der National Divide, der kontinentalen Wasserscheide der USA. Der Wind-Chill-Faktor korrigiert jede noch so laue Sommertemperatur unbarmherzig nach unten und lässt deutlich spüren, was man unter dem Begriff „raues Bergklima“ zu verstehen hat. Da ist man froh, in einem fahrbaren Untersatz Schutz suchen zu können. Wer es noch bequemer haben möchte, reist am besten mit dem eigenen „Zuhause“, dem Wohnmobil.

Wohnmobil und Berge – das wäre hierzulande ein Widerspruch. Nicht in den USA. Selbst die Bergstraßen in den Rocky Mountains, die angeblich sehr „windy“ und „curvy“ sind – zumindest behaupten das die eindringlichen Warnschilder an den Straßenrändern –, entlocken dem alpengewohnten Autofahrer nur ein müdes Lächeln: Breit sind sie, bequem und für unsere Verhältnisse sanft ansteigend. Das schafft man auch mit einem zehn Meter langen „Schiff“. Keine Angst also vor ungewohnten Fahrbedingungen!

Mit einem Wohnmobil in den USA unterwegs zu sein, hat noch etliche weitere Vorteile. Einer der wichtigsten: Man kann damit auf fast allen Campgrounds der Nationalparks übernachten. Dort, wo man als Hotelübernachter nachts wieder abreisen müsste und die einzige Alternative ein Zelt wäre, freut sich der Wohnmobilist über die gut ausgestatteten Zeltplätze: Ein Picknicktisch, eine Feuerstelle und ein Grillrost gehören zum Standard. Und man schläft trotzdem mitten in der Natur. Die man ruhig ernst nehmen darf: Fast überall im Nationalpark wird vor der Begegnung mit Bären gewarnt, stellenweise sind auch Pumas unterwegs. Zum Glück handelt es sich hier nicht um aggressive Grizzlys, sondern um tendenziell scheue Schwarzbären. Wider Erwarten bekommen wir einen vor die Linse – aus nächster Nähe und eine halbe Stunde lang: Ein junger Bär hatte sich auf einen Baum geflüchtet und nach Sichtung der Menschen, die herbeigelaufen waren, nicht mehr hinuntergetraut … Das war für uns etwas Neues: Die Angst in den Augen des Bären zu sehen!

Tierliebhaber dürfen sich aber noch über viele andere Begegnungen freuen: Abends grasen die Elche in der Dämmerung, ab und an verirrt sich ein Reh auf die Straße. Und die Streifenhörnchen sind durch die hohen Besucherzahlen schon sehr zutraulich geworden und knabbern erwartungsvoll an den Fingern. Füttern ist natürlich strengstens verboten, um die Tiere nicht von Fremdnahrung abhängig zu machen. In den höheren Regionen weiden Mufflons, nur den Berglöwen bekommt man selten zu Gesicht – gut so.

Damit nicht genug der optischen Reize: So ein 4000 Meter hoher Berg macht schließlich auch was her. Allein im Bundesstaat Colorado warten die Rocky Mountains mit 54 „Fourteeners“ auf – Berge über 14.000 Fuß (4267 Meter). Dazwischen finden sich mäandernde Gebirgsbäche, schroffe Felsen, liebliche Seen, wilde Steinwüsten und tausende von Espen-Bäumen. Diese geben den Rocky Mountains im September noch einmal ein ganz besonderes Gesicht: Ihr Laub verfärbt sich leuchtend gold und sorgt alle zehn Schritte für ein neues Postkartenmotiv. Zahlreiche erschlossene Wanderwege führen einen zu den schönsten Plätzen. Für Mehrtageswanderer gibt es so genannte „Back Country Permits“, mit denen man sich in die freie Wildbahn begeben kann.

Am Südende der Rocky Mountains türmt sich die Bergkette noch einmal gewaltig auf. Der 4301 Meter hohe Pikes Peak thront über dem lebendigen und outdoorbegeisterten Colorado Springs und lockt zahlreiche Besucher auf seinen Gipfel. Denn der Weg nach oben ist nicht sonderlich mühsam: Die welthöchste Zahnradbahn transportiert einen schnurstracks nach oben. Alternativ kann auch hier mit dem Auto gefahren werden, auf einer Bergstraße, die diesmal ihren Namen verdient. 156 Kurven zählt sie auf knapp 20 Kilometern, und Leitplanken sucht man meist vergeblich. Seit dem Jahr 1916 wird auf dieser Strecke alljährlich ein halsbrecherisches Autorennen veranstaltet; der Rekord liegt bei etwas über acht Minuten. (Planen Sie trotzdem mehrere Stunden für die zahlreichen Aussichts-Stopps ein ...) Auch hier japst man am Gipfel nach Luft, die man meist mit vielen anderen Touristen zu teilen hat. Aber eines lässt sich nicht leugnen: Die Aussicht ist selbst für Bergverwöhnte phänomenal!

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von Solveig Michelsen

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