Marokko Marokkos Süden – von Kasbahs, Souks und Palmenoasen

Marokko ist kein Urlaubsziel, sondern eine Kuranwendung fürs deutsche Gemüt: Von der ersten Tagesdosis an ist nämlich eine wundersame Vermehrung der eigenen Gelassenheit festzustellen. Woran liegt's? An der freundlichen Unaufgeregtheit der Marokkaner? An der überwältigenden Landschaft, die selbst in ihrer Kargheit majestätisch und erhaben wirkt? Oder am geheimnisvollen Licht, das auch Filmemacher aus aller Welt in dieses Land zieht?

Die Kasbah Ait Benhaddou in der Nähe von Ouarzazate | © JayKay57, iStock

Wer schon einmal in der rosa bis immer violetter werdenden Dämmerung den Mond über Marokkos Bergen hat aufsteigen sehen, wird dieses Bild nicht mehr aus dem Gedächtnis streichen wollen. Aber auch das gold-gelb-rote Abendlicht hat das Zeug zum Verzaubern und lässt die Rot- und Ockertöne der Lehmbauten noch intensiver erscheinen. Mittendrin in klarer Ruhe – man selbst. Vielleicht animieren die vielen am Straßenrand hockenden Männer zum wahren Müßiggang, vielleicht ist es auch der stark gezuckerte Minztee, der zusammen mit dem Rosengebäck unsere Sinne so verzückt? Gewiss ist jedenfalls eines: So anstrengend Marokko auf den ersten Blick erscheint, so entspannt gibt es sich auf den zweiten. Probleme werden umgehend gelöst – und zwar mit einer so umwerfenden Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, dass man hinterher jedes Mal dankbar dafür ist, in die Klemme geraten zu sein.

Aber natürlich hat Marokko noch weit mehr zu bieten als pures Lebensgefühl. Die Landschaft südlich des Atlas-Gebirges changiert von vielfarbigen Berghängen, bizarren Felsformationen bis hin zu Stein- und Sandwüsten, die von palmenbestandenen Oasen unterbrochen werden. Für Leute, die sich gerne draußen in der Natur bewegen, ist Tafraoute das Zentrum des Outdoorsports. In malerischer Umgebung lässt es sich hier hervorragend wandern, klettern, mountainbiken oder Gleitschirm fliegen. Auch Fotografen und „Nur-Spaziergänger“ kommen voll auf ihre Kosten: Unweit des Ortes hat ein belgischer Künstler einige der wie vom Himmel gefallenen Steine mit blauer, roter und schwarzer Naturfarbe bemalt (Les Pierres Bleues) – inmitten der ockerfarbenen Steinwüste ein völlig unwirklicher Anblick. Mit dem Rad oder zu Fuß streunt man stundenlang durch die bizarre Landschaft; auch mit dem Auto ist sie auf fester Piste erreichbar.

Eine weitere Überraschung tut sich bei der Fahrt nach Süden auf: die Ait-Mansour-Schlucht. Links und rechts ragen steile Felswände himmelhoch auf, während sich am Schluchtengrund eine Fahrstraße eng durch die Palmen windet. Mit dem Geländewagen lässt sich die Tour zu einer Rundfahrt über die Timguilcht-Schlucht ausbauen; normale Pkws drehen um, sobald ihnen die Piste zu abenteuerlich wird.
Schöne Strecken fürs Radfahren finden sich im Tal der Ammeln, ein fruchtbares Tal am Fuße der höheren Berggipfel. In Oumensnate lohnt ein Besuch im Maison Traditionelle, wo das traditionelle Berberleben anhand einer originalen Wohnstatt anschaulich erklärt wird.

Die Weiterfahrt Richtung Nordosten führt durch einsame Berg- und Hügellandschaft bis auf 1800 Meter Höhe. Die dortigen Bewohner leben in erschreckend einfachen Verhältnissen. Da man vor allem die Kinder nicht zum Betteln animieren sollte, empfiehlt es sich, Dinge zum Tauschen (z.B. gegen ein kleines Souvenir) mitzunehmen; vor allem über Kinderkleidung sind die Menschen sehr dankbar.
Taliouline, das Zentrum des Safrananbaus, bietet sich für einen Einkaufs- und Essensstopp an, bevor Ouarzazate angesteuert wird. Mit den oft schneebedeckten Bergen des Hohen Atlas im Hintergrund bietet die Stadt eine so herrliche Kulisse, dass sie schon Schauplatz etlicher Filme geworden ist  (u.a. Game of Thrones, Gladiator, Die Päpstin und Der Medicus). Der Besuch eines der beiden Filmstudios gehört also zum Pflichtprogramm. Die unweit gelegene Kasbah Ait Benhaddou gilt als Musterbeispiel einer marokkanischen Festung und ist trotz ihrer ausgiebigen touristischen Vermarktung sehenswert. Die zusehends verfallenden Lehmburgen lohnen allerdings hauptsächlich ihrer äußerlichen Optik und des labyrinthartigen Gassengewirrs wegen – in ihrem Inneren ist nur selten etwas Sehenswertes erhalten geblieben.

Auch bei der Weiterreise nach Taroudant sollte man daran denken: Je nach momentanem Straßenzustand ist oft nur ein Schnitt von rund 50 km/h zu schaffen. Auch hier heißt es also: die Sache gemütlich angehen. Taroudant, das für seine 7,5 Kilometer lange, vollständig erhaltene Stadtmauer bekannt ist, ist ein quirliges und authentisches Städtchen. Die beiden Souks, der arabische und der Berber-Markt, geben einen guten Einblick in die marokkanische Lebenskultur: Kaufen und verkaufen, darum dreht sich hier viel. Auch wer ohne Teppich nach Hause kommen möchte: Frisches Obst und Gemüse oder Mandeln und Arganöl gehören hier zum Besten, was das Land zu bieten hat, und sind in jedem Fall einen Versuch wert. Für die völlig unübersichtliche Innenstadt empfiehlt es sich übrigens, ein GPS dabeizuhaben, wenn man wieder auf direktem Weg zum Hotel oder Auto zurückfinden möchte.

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von Solveig Michelsen

 

Links:

schöne Adressen zum Übernachten sind zum Beispiel

in Tafraoute: www.palaissalam-taroudant.com

in Ouarzazate: www.darchamaa.com

in Taroudant: www.palaisoumensour.com

 

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