Türkei Lykische Küste – zwischen Strand und alten Steinen

Am Türkeiurlaub scheiden sich derzeit die Geister. Nichtsdestotrotz bleibt Lykien ein sehenswerter Landstrich: Idyllische Buchten vor imposanter Berglandschaft, zusammen mit interessanten archäologischen Städten – das hat nicht jede Region zu bieten.

Schon beim Anflug auf Antalya sichtbar: die bis zu 2500 Meter hohen Berge direkt hinter der Küste | © HKGYTW, iStock

Die Frage ist eine rein moralische: ein Statement gegen den politischen Kurs setzen und woanders Urlaub machen – oder gerade jetzt die Bevölkerung unterstützen, denen es unabhängig von ihrer politischen Gesinnung touristisch an den Kragen geht? Der Tourismus aus westlichen Ländern sowie Russland ist im Vergleich zum Vorjahr um rund 40 Prozent eingebrochen – für viele Klein- und Kleinstbetriebe ein Todesurteil. Ganze Anlagen stehen leer, in Restaurants gibt es oft mehr Personal als Gäste. Wer sich keinen VIP-Urlaub auf den Malediven leisten kann, bekommt also nun in der Türkei eine Chance.

Doch nicht aus diesem Grund ist Lykien eine Reise wert. Schon beim Anflug auf Antalya erschließt sich einem eine Besonderheit der Region: Gleich hinter der Küste recken sich bis zu 2500 Meter hohe Berge in den meist stahlblauen Himmel. Dazwischen das üppige Grün der Pinienwälder – das alles hat vermutlich auch schon Alexander den Großen beeindruckt, der sich auf seinem Eroberungsfeldzug 333 v. Chr. in Phaselis niedergelassen und dort nachweislich weltlichen Genüssen gefrönt hat. Die antike Handelsstadt Phaselis besteht heute nur noch aus relativ gut erhaltenen Ruinen vorwiegend römischen Stils – diese hatten die Stadt nach einer wechselvollen Geschichte und einigen Erdbeben wieder aufgebaut, ehe sie nur noch Seeräubern als Zufluchtsort diente. Ausflugsfahrten auf imposanten Segelschiffen im Piratenstil erinnern daran und bieten eine schöne, nicht allzu kostspielige Gelegenheit, ein Stück der Küste samt den schönsten Badebuchten, Höhlen usw. kennen zu lernen. Auch Phaselis wird von vielen Touren angefahren. Highlights der archäologischen Stätte sind ein Amphitheater sowie Bruchstücke eines der längsten Aquädukte der damaligen Römischen Reichs. Trotzdem kommen die meisten Einheimischen zum Baden hierher. Denn obwohl in etlichen Reiseführern der Strand von Cirali als einer der schönsten gepriesen wird, findet man hier noch idyllischere Buchten und weit mehr Schatten zwischen den Pinien.

Das ein Stück weiter südlich gelegene Cirali ist von Hochhaus-Bauten verschont geblieben und versprüht mit seinen zahlreichen Pensionen und Straßencafés thailändischen Charme. Sein viel gerühmter Strand – Brutstätte der Unechten Karettschildkröte – ist etwas für Liebhaber bunter Steine und verspricht glasklares Wasser zum Baden. Zu Fuß lassen sich von hier auch die Ruinen von Olympos erreichen, eine weitere antike Stadt. Auch der inzwischen ganz gut markierte Lykische Weg, ein über 500 Kilometer langer Weitwanderweg, führt hier vorbei, ist aber aufgrund der sommerlichen Hitze eher für die Herbst- und Wintermonate zu empfehlen.

Zu den weiteren Sehenswürdigkeiten der Region gehören die sagenumwobene „Chimaira“, die „ewigen Flammen“. Aus Felsspalten züngeln hier erdgasgespeiste Feuerchen, und das bereits seit dem Altertum. Zu dieser Zeit müssen sie noch so groß gewesen sein, dass sie von den Seefahrern von Weitem gesehen und als Orientierungspunkt verwendet werden konnten. Kein Wunder, dass sich um dieses seltene Phänomen schnell eine Legende rankte: Die Chimäre, ein Ungeheuer mit Löwenkopf, Ziegenkörper und Schlangenschwanz, hauchte dort oben ihren feurigen Atem aus. Heute reichen die Flammen immer noch dazu aus, um darauf ein paar Köfte (türkische Fleischbällchen) oder Marshmellows zu grillen. Besonders eindrucksvoll ist ein Besuch der Chimaira nach Einbruch der Dunkelheit – dann aber unbedingt eine Stirnlampe für den rund 20-minütigen Fußmarsch mitnehmen!

Auf dem Weg nach Westen trifft man auf die antike Stadt Myra, die durch ihre Felsengräber berühmt geworden ist – und ihren berühmtesten Abkömmling: den Heiligen Nikolaus. Rund 300 Jahre n. Chr. lebte hier ein wohltätiger Bischof, der einem armen Vater die Mitgift für seine drei Töchter schenken wollte, ohne ihn zu beschämen. Da er nachts alle Fenster und Türen des Hauses verschlossen fand, soll er ein Säckchen mit Gold den Kamin hineingeworfen haben. Das Geld landete angeblich in den Socken der Töchter, die diese zum Trockenen aufgehängt hatten.

Nur ein Stück weiter an der Küste entlang gibt es noch mehr alte Steine zu bestaunen, diesmal aber unter Wasser: In Kekova kann mit Ausflugsbooten über die Reste einer versunkenen Stadt geschippert werden. Grund dafür ist die sich absenkende Küste (rund 15 cm in 100 Jahren), die uns daran erinnert, dass im Zuge der globalen Erwärmung noch einige Städte dieses Schicksal ereilen wird.

Ein Abstecher ins Landesinnere führt zu der imposanten Saklikent-Schlucht, ein Canyon mit bis zu 300 Meter hohen Felswänden. Nach einer Engstelle kann das Wasser des Flusses durchwatet werden (Badeschuhe mitnehmen!) – ein herrliches Vergnügen an einem heißen Sommertag. Flussabwärts werden auch Raftingtouren angeboten.

Weitere Tipps und Informationen:

  • Die Say Autovermietung (deutschsprachig) hat sich als zuverlässig erwiesen, bietet günstige Preise und ist vielen lokalen Anbietern vorzuziehen (www.say-autovermietung.de).
  • Als Ausgangspunkt für etliche Ausflüge kann in Cirali übernachtet werden. Die Auswahl an Pensionen und Hotels ist riesig, eine besonders schöne Anlage ist zum Beispiel das Nerissa Hotel. Nur für's Essen sollte man sich eine Alternative suchen.
  • In Lokalen, die keine Preise auf der Speisekarte anführen, sollte man vor der Bestellung nach dem Preis fragen – um „Touristenpreisen“ und unliebsamen Überraschungen zu entgehen.
  • Die Eintrittspreise sind gegenüber den letzten Jahren stark gestiegen. Selbst die Eintritte aus dem Jahr 2015 wurden zum Teil noch um bis zu 300% erhöht. Wer also preisbewusst reist, sollte die jeweils aktuellen Preise vor Ort erfragen.

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von Solveig Michelsen

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