Marco Polo Magazin
Österreich · 15.10.2019

UNESCO City of Media Arts

Kreativ und unverschmockt: Design-Hauptstadt Linz

Wer auf der Suche nach einer schönen Stadt ist, die einen beim Besuch angenehm einlullt, ist in Linz völlig verkehrt. Die oberösterreichische Hauptstadt, die sich mit mehreren kreativen Titeln schmücken darf, ist alles andere als das: authentisch und ungeschminkt. Und nicht für Touristen gemacht, sondern für ihre Einwohner. Genau das macht sie so interessant.

Interaktives Fassadenspiel: Die Beleuchtung des Ars Electronica Center kann von jedem individuell bespielt werden. | © linztourismus_ES_2017Interaktives Fassadenspiel: Die Beleuchtung des Ars Electronica Center kann von jedem individuell bespielt werden. | © linztourismus_ES_2017

Wäre Linz eine Person, könnte man behaupten: Sie steht selbstbewusst auf ihren zwei Beinen, schert sich nicht um die aktuelle Mode, aber überzeugt durch einen wachen und intelligenten Blick. Dass sich dahinter ein starker Charakter verbirgt, eröffnet sich dem, der ihr tief in die Augen schaut. Die Augen von Linz sind in erster Linie kreativer Natur: eines mit einem technischen Schwerpunkt und einem weiten Blick in die Zukunft, das andere ist künstlerischer Natur mit den bunten Facetten eines Libellenauges. Konkret lässt sich das übersetzen in viele kreative Einzelprojekte, die ihr alle zusammen den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2009 eingebracht haben, der UNESCO City of Media Arts im Jahr 2014 und 2019 schließlich den City of Smart Tourism Award in der Kategorie „kulturelles Erbe und Kreativität“.

Bereits seit 1979 sucht das jährlich stattfindende Festival „Ars Electronica“ nach Berührungspunkten und Überschneidungen zwischen digitaler Technologie und Kunst. Langfristige Entwicklungen und mediale Trends werden seit 1996 im Museum der Zukunft, dem Ars Electronica Center, dauerhaft präsentiert und für den Laien verständlich und äußerst interaktiv aufbereitet. Es soll nicht nur geschaut und kapiert, sondern auch experimentiert und mitgemacht werden. So lässt sich im Rahmen des Schwerpunkts „Understanding AI“ („künstliche Intelligenz verstehen“) eine simple KI kreieren. Der Raum „Augmented Reality“ überschreitet die Grenze zwischen leblos und bewegt, indem er Bilder zum Leben erweckt, und Technologien wie Deep Fake, Gesichtsanalyse oder Textergänzungs-KIs werfen moralisch-ethische Fragen auf. Ein Beispiel gelungener Interaktivität ist auch das Fassadenspiel: Passanten mit Bluetooth-fähigen Geräten können abends die farbige Beleuchtung auf ihre eigene Musik abstimmen. 38.500 LED-Lampen tanzen dann im gewünschten Rhythmus.

Kunst und Bewegung hat sich der seit 2009 jährlich stattfindende „Sinnesrausch“ auf die Fahnen geschrieben. Der Kunst-Erlebnisparcours führt schrittweise in die Höhe und endet am 60 Meter hohen Aussichtsturm im Zentrum von Linz. Dazwischen: etliche Stationen, die den Besucher einladen, tätig zu werden – als Teil oder (Mit-)Erbauer eines Kunstwerks. Ein 40 Meter langes dickes Seil kann gemeinsam herumgetragen und für unterschiedliche Zwecke eingesetzt werden; eine Wasserrohr-Installation dient gleichzeitig als Wasserspielplatz; als Begeher von aufgehängten Netz-Röhren verschwimmt die Grenze zwischen sinnlicher Kunst-Erfahrung und spaßiger Action. 2020 wird das Thema „künstliche Paradiese“ heißen. Paradiese für alle und jedermann. Ein großer Teil der Kunstwerke ist kostenfrei erlebbar; der Unterhaltungswert verführt auch Kunstverächter. Ebenfalls kostenlos ist die Wunderkammer im oberösterreichischen Kulturquartier, kurz OK – eine Art Kuriositätenkabinett, das dem Betrachter Merkwürdigkeiten in und um das Bundesland nahe bringt.

Ebenso wie das Kulturquartier seine Ausstellungen wechselt, dynamisch erweitert und anpasst, bekommen die Murals im Hafenviertel ständigen Zuwachs. Dort, wo der Charakter der Industriestadt am stärksten zu spüren ist, haben sich einige Graffiti-Größen auf Lagerhallen und Firmengebäuden verewigt. Aus anfänglichen Test Pieces entstanden großflächige Auftragsarbeiten, die sich in ihrer künstlerischen Qualität nicht zu verstecken brauchen. Die Mural Harbor Tours schippern interessierte Besucher an den interessantesten Street-Art-Kunstwerken vorbei – samt fachkundiger Erläuterung, versteht sich. Seit 2012 sind hier mehrere hundert Graffiti und Murals entstanden, von Künstlerinnen und Künstlern aus über 30 Nationen. Im Anschluss an die Tour darf man sogar selbst zur Spraydose greifen und sich als Sprayer versuchen. Schon wieder: Mitmach-Kunst, die den Respekt vor den gelungenen Werken nur noch steigert.

Nun könnte man noch das Lentos Kunstmuseum, das Musiktheater oder das Brucknerhaus in Sachen Kunst und Kultur aufzählen, auch die voestalpine Stahl GmbH samt dem Forum Metall gehört als Institution dazu, doch will Linz keine Aufzählung, sondern Erzählung sein, keine Aneinanderreihung erwähnenswerter Highlights und historischer Daten, sondern modernes und lebendiges Narrativ, das den Menschen in den Mittelpunkt stellt.

„Linz verändert“, heißt der Slogan der Stadt. Aber es verändert nicht nur eigene Perspektiven und Standpunkte, es beruhigt auch. Denn so wenig wie es selbst touristische Masken aufsetzt, so sehr kann der Besucher seine fallen – und sich überraschen lassen.

 

Allgemeine Informationen:www.linztourismus.at und in der Visit-Linz-App mit Wissensquiz und Schnitzeljagd durch Linz (im Google Play und Apple Store)

Mural Harbor Tours: www.muralharbor.at

Ars Electronica Center:www.ars.electronica.art

Oberösterreichisches Kulturquartier:www.ooekultuquartier.at

 

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von Solveig Michelsen

 

Die Recherchereise wurde unterstützt durch Linz Tourismus.

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