Tschechische Republik Ein Wochenende in Prag

Welche Stadt besuchen Amerikaner auf jeden Fall, auch wenn sie nur zehn Tage für ihren Europa-Besuch Zeit haben? Nein, nicht Rom oder Venedig, auch Barcelona, Salzburg oder Wien können nicht mithalten – sie fahren bis nach Tschechien, um Prag einen Besuch abzustatten. Und man kann es nicht oft genug sagen: Prag sollte man sich auch als kulturverwöhnter Europäer nicht entgehen lassen. Denn der verzaubernde Charme dieser an Architektur so reichen Stadt, die sowohl ihre Vergangenheit lebendig hält als auch dem Neuen nicht wehrt, wirkt wie eine ästhetische Kur auf unser Gemüt: Sie verzückt, überrascht und beruhigt und gibt der Sehnsucht nach Harmonischem so viel Raum, dass man am Ende denkt: Ja, genau so hat eine Stadt zu sein.

So leer ist die Karlsbrücke nur in den frühen Morgenstunden. | © courtyardpix, iStock

Von vielen Ecken Deutschlands und Österreichs aus lässt sich Tschechiens Hauptstadt in einer kurzen Stippvisite erkunden. Doch das Angebot an Sehenswürdigkeiten reicht leicht für ein paar Wochen und es fällt schwer, die Spreu vom Weizen zu trennen. Wer also nur das „Gelbe vom Ei“ sehen möchte, dem seien folgende Unternehmungen ans Herz gelegt:

Übernachten im Strahov-Kloster

Der wohl schönste Ort, um in Prag zu übernachten, ist auf dem Burgberg mit Blick auf die Stadt. Im Areal um das Strahov-Kloster gibt es mehrere Hotels und Restaurants, die romantische Blicke auf das nächtlich funkelnde Prag ermöglichen. Auch die Morgenstimmungen – eine noch nebelverhangene Karlsbrücke, wenn die Stadt zum Leben erwacht – sind von hier oben unvergesslich. Wer außerdem noch im Klostergarten frühstücken möchte, ist mit dem Hotel Monastery gut beraten, ein freundliches und erschwingliches 4-Sterne-Haus.

Abgesehen von der traumhaften Lage ist das Kloster ein idealer Ausgangspunkt für Touren durch Prag, und Autofahrer finden hier oben noch verhältnismäßig gute Parkmöglichkeiten vor. Erste Einblicke in den Kulturreichtum der Stadt gibt die Bibliothek des Klosters, die rund 200.000 Bücher in ihrem Fundus hält, die bis zum Jahr 860 zurückdatieren. Die vertäfelten Räume mit prunkvollem Deckengemälde sind nur nach Voranmeldung begehbar; Spontanbesucher können nur einen Blick hineinwerfen. Was nicht weiter schlimm ist, denn vor dem Philosophischen Saal befindet sich das eigentlich noch sehenswertere Kuriositätenkabinett, eine wahrlich wundersame Sammlung des Barons Eben. Seltene Meeresbewohner und anderes exotisches Getier, eine Xylothek (Holzsammlungen in Form von Büchern), ein großes Kriegsschiff-Modell und vieles mehr zählen zu den Schätzen. Auch das Faksimile des Strahov-Evangeliariums aus dem 9. Jahrhundert ist mit seinen reichen Verzierungen eine Augenweide.

Spaziergang über den Dächern von Prag

Nach so viel Kultur heißt es erst einmal frische Luft schnappen. Dazu bietet sich ein Spaziergang durch das Burgviertel an, dessen südliches Ende das Strahov-Kloster bildet. Ein Stück weiter nordwestlich flaniert man am Loreto-Heiligtum vorbei zur Neuen Welt, ein pittoreskes Viertel aus dem 16. Jahrhundert, in dem heute vor allem Künstler angesiedelt sind. Danach kommt man um den Hradschin nicht herum: Das größte zusammenhängende Burgareal der Welt zählt ganze 60 Gebäude  – und mehrere Millionen Touristen im Jahr. Trotzdem ist der Komplex sehr beeindruckend, die Wachablösung ein interessantes Schauspiel und die Glasfenster des Veitsdoms brechen das Licht auf schönste Weise. Frühe Ankunft ist aufgrund der Besucherströme in jedem Fall empfehlenswert.

Als Flucht nach vorne bzw. ins Grüne dient nun der Petrín, des Pragers liebstes Naherholungsgebiet mit Miniatur-Eiffelturm. Bequeme Stadtgucker können sich für die weiten Wege in eine der vielen Segway-Touren einbuchen, Fußfestere genießen den Panoramaweg auf den Aussichtsberg, von dem dann die Standseilbahn hinunter in die Stadt führt. Das Spiegelkabinett am Gipfel ist sein Geld leider nicht wert, dafür bietet der kleine Eiffelturm-Nachbau gute Ausblicke.

Prags Kleinseite ganz groß

Unten angekommen, befinden wir uns in einem der romantischsten Viertel der Stadt: der Kleinseite. Mehrere Gärten und Parks bieten sich hier zur Erholung an; besonders beliebt ist die Kampa-Halbinsel, auf der sich auch das gleichnamige, sehr sehenswerte Museum befindet. Die Sammlung moderner Kunst ist in einer alten Mühle untergebracht und besteht zu einem großen Teil aus Werken der tschechischen Künstler František Kupka und Otto Gutfreund. Eine originelle gläserne Aussichtsplattform bietet diesmal Ausblicke über die vorbeifließende Moldau, an deren Ufer sich hier zahlreiche gute Restaurants angesiedelt haben.

Ebenfalls an der Moldau, an beiden Uferseiten, findet man Stationen zur Tretbootmiete – eine günstige und entspannende Alternative zur touristischen Schiffsfahrt auf dem Fluss. Der Perspektivenwechsel tut gut, man kann die Stadt ein Weilchen im Sitzen genießen und so zum Beispiel unter der bevölkerten Karlsbrücke hindurchfahren. Wer es noch relaxter angehen möchte, fährt einen der „Float ins“ an: Hier bekommt man Bier, ohne aus dem Boot aussteigen zu müssen.

Prager Altstadt

Das Kernstück Prags, seine Altstadt, haben wir bisher umgangen. Aus gutem Grund: Zu fast allen Tageszeiten schieben sich hier die Touristen durch die Gassen, was einem den Anblick der schönen (Jugendstil-)Häuser manchmal arg verleidet. Wer es schafft, sucht deshalb die Karlsbrücke im Morgengrauen auf – und wird mit einzigartigen Stimmungen und Menschenleere belohnt. Für Eintritte in Museen, das Einkaufen oder Restaurantbesuche müssen wir uns natürlich an die üblichen Geschäftszeiten halten. Nachdem die meisten Touren jedoch schon vormittags stattfinden, ist ein Besuch der Altstadt am späten Nachmittag noch erträglich.

Entweder lässt man sich hier einfach durch die Gassen treiben und saugt die Atmosphäre der Stadt auf, oder man steuert gezielt einige Sehenswürdigkeiten an – wie zum Beispiel den Alten Jüdischen Friedhof, wo die Toten in bis zu neun Schichten übereinander liegen und die Grabsteine ein wildes Durcheinander bilden. Ein grandioses Beispiel tschechischer Sezessionsarchitektur findet sich im Repräsentationshaus, in dem auch jugendstilig Kaffee getrunken werden kann. Wer es moderner liebt, begibt sich zum Abendessen zum Tanzenden Haus des amerikanischen Architekten Fran O. Gehry.

» Mehr spannende MARCO POLO Reise-Reportagen

» Mehr Infos im MARCO POLO Prag-Reiseführer

 

von Solveig Michelsen

 

Links:

Unterkunftstipp: www.hotelmonastery.cz

Passende Reiseangebote für Tschechien

MARCO POLO Topseller
MARCO POLO Länderkarte Tschechische Republik 1:300 000
MARCO POLO Länderkarte Tschechische Republik 1:300 000
11,99 €
Jetzt kaufen
MARCO POLO Reiseatlas Tschechische Republik 1:200 000
MARCO POLO Reiseatlas Tschechische Republik 1:200 000
12,99 €
Jetzt kaufen
MARCO POLO Reiseführer Tschechien
MARCO POLO Reiseführer Tschechien
12,99 €
Jetzt kaufen
MARCO POLO Karte Tschechien Blatt 1 Böhmen  1:200 000
MARCO POLO Karte Tschechien Blatt 1 Böhmen 1:200 000
9,99 €
Jetzt kaufen
MARCO POLO Reiseführer Prag
MARCO POLO Reiseführer Prag
12,99 €
Jetzt kaufen
MARCO POLO Karte Tschechien Blatt 2 Mähren 1:200 000
MARCO POLO Karte Tschechien Blatt 2 Mähren 1:200 000
9,99 €
Jetzt kaufen
Nach oben