Südtirol Biken + Wellness im Vinschgau

Ein Eldorado für Mountainbiker zu benennen, ist nicht so leicht: Entweder sind die Wege und Trails hoch frequentiert, zu restriktiv oder schlicht zu weit weg. Doch im Südtiroler Vinschgau wird man tatsächlich fündig – ein Gebiet, das sein Potenzial noch zu entdecken scheint und auch sehr früh bzw. spät im Jahr noch befahrbar ist. Das Extrabonbon: Wellness vom Feinsten nach einer ausgiebigen Trailerkundung.

Leuchtend gelbe Lärchen am Kuntrawant-Trail im herbstlichen Vinschgau | © Solveig Michelsen

Wo fängt man an, vom Mountainbiken im Vinschgau zu schwärmen, ist es doch so vielseitig? Gehen wir also geografisch vor, beginnend beim Reschenpass im Norden. Dort befindet sich der gleichnamige Stausee, aus dem ein Kirchturm ragt, seit das Dorf Graun 1950 überflutet worden ist. Während sich die Reisebusladungen für das ungewöhnliche Fotomotiv im Reschensee interessieren, hat der Downhill-orientierte Mountainbiker vor allem die Bergbahnen im Blick. Mit Hilfe von vier Seilbahnen lassen sich mehrere Tage am Stück mit immer neuen Enduro-Trails verbringen. Eine 3- oder 7-Tages-Liftkarte unterstützt dabei. Vom einfachen Flowtrail bis hin zum technisch anspruchsvollen S3-Downhill ist alles dabei.

Wer noch mehr Tiefenmeter machen möchte, verlängert seine Touren ins eigentliche Val Venosta hinunter – dorthin, wo die Apfelbäume blühen. Mit Blick auf die Eisriesen Ortler, Zebru und Königspitze radelt es sich auch schon im zeitigen Frühjahr schneefrei an den Südhängen der Talsohle. So führt der Sonnseiten-Trail an der Südseite des Vinschgauer Sonnenbergs entlang; die Sonnenberg-Trails darüber sind oft ab Februar schon schneefrei. Für heiße Sommer gibt es auf der Talseite gegenüber eine Entsprechung: den Schattseiten-Trail. Wer Forststraßen nicht scheut, kann auf eine schier endlose Fülle an möglichen Touren zugreifen (siehe hierzu: Siegi Weisenhorn: Mountainbiken im Vinschgau). Und selbst Genussradler kommen auf ihre Kosten, wenn sie Burgen und Schlossgasthöfe anvisieren, auf guten Radwegen durch die Apfelplantagen kurbeln und in die enggassigen Dörfer hinein. Zur Apfelernte im Herbst bekommt man schon einmal ein paar schmackige Kostproben am Wegesrand – Obst gegen Spende – und setzt fruchtzuckergestärkt seinen Weg fort.

Höher hinaus kommt man in den Seitentälern des Vinschgaus, wo es schnell alpin wird. Die Matscher Raubrittertour zum Beispiel, die durch Südtirols erstes Bergsteigerdorf führt, erreicht ihren höchsten Punkt zwar an den Glieshöfen, lässt sich jedoch noch bis zur Talstation der Materialseilbahn verlängern – um dann zu Fuß noch 550 Höhenmeter zur Oberetteshütte (2670 m) oben drauf zu setzen. Von dort starten Hochtouren-Aspiranten zur Weißkugel, mit 3738 Metern zweithöchster Gipfel der Ötztaler Alpen und Grenzgipfel zwischen Tirol und Südtirol Auch zur Sesvennahütte bietet sich eine Bike&Hike-Tour an – die berühmte Uina-Schlucht ist mit dem Rad nicht befahrbar.

Besonders bequem kommt man in den Haupt-Tourenmonaten Juni bis September an die beiden begehrten Ausgangspunkte Stilfser Joch (2757 m) und Ofenpass (2149 m). Letzterer liegt schon in Graubünden, wird aber dennoch vom Bikeshuttle Südtirol ebenso wie vom Schweizer Postbus (dieser fährt auch früher bzw. später im Jahr noch) regelmäßig angefahren. Von den Passhöhen aus winden sich eine Vielzahl unterschiedlicher Trails (S1 bis S3) ins Tal zurück. Bis zu 1800 Tiefenmeter lassen sich so auf spritzigen Pfaden erfahren. Einer der begehrtesten unter ihnen, der Goldseetrail vom Stilfserjoch, unterliegt dabei einer Zeitenregelung, um Mountainbiker und Wandervolk auseinanderzudividieren. Wer einsam unterwegs sein möchte, sollte sowieso vor oder nach der Wandersaison anrücken – auch bei verhangenem Himmel sind weniger Fußgänger auf den Wegen. Das zahlt sich genauso auf den Kuntrawant-Trails aus, die ausgehend vom Ofenpass durch beeindruckende Hochgebirgskulisse führen.

Insbesondere bei noch oder schon kühlem Wetter freut sich der Mountainbiker über das Après-Bike-Angebot, das da im Vinschgau heißt: Wellness. In der Sauna, im Pool oder im Hamam können frostige Glieder wieder aufgetaut werden und die Muskeln Entspannung finden. Die umso endorphingeschwängerter ausfällt, je größer die vorangegangene Anstrengung gewesen ist. Hervorragend kombinieren lassen sich Biken und Wellness zum Beispiel im Bike-Hotel Garberhof, das mit seinem Standort in Mals zentraler Ausgangspunkt für alle möglichen Touren ist. Und weitaus mehr. Eine hervorragende Trail-Beratung, eine Bike-Werkstatt sowie Ausleihmöglichkeiten (auch für E-Bikes) sorgen für optimale Grundlagen. Nach der Tour warten ein licht gestaltetes Schwimmbad mit viel Glas und Holz, zwei Saunen und der größte Hotel-Hamam Italiens auf müde Biker. Der Wellness-Bereich ist auch für externe Gäste als Day Spa nutzbar – den vollen Genuss inklusive einer hervorragenden Küche und dem zurückhaltend eleganten, angenehm schlichten Design der großzügigen Zimmer bekommt man nur als Übernachtungsgast. Und noch einen Grund gibt es, dem Hotel Garberhof bzw. der Bar 1981 einen Besuch abzustatten: Hausherr Klaus Pobitzers Faible für Gin spiegelt sich in einer Auswahl rund 60 verschiedener Sorten wider. Plus einem ganz besonderen Tropfen: Felix Luis. Der von ihm selbst kreierte Gin mit starker Wachholdernote mag für Gin-Kenner allein schon eine Reise wert sein. Nur nicht zu viel davon verkosten, sonst wird es mit dem Biken nichts mehr!

als Einführung zum Reschensee der preisgekrönte Film: Das versunkene Dorf (2018)

Bike- und Wellness-Hotel Garberhof: www.garberhof.com

Südtirol Bikeshuttle und weitere Infos zum Biken: www.suedtirolbike.info

Bike-Literatur: Siegi Weisenhorn: Mountainbiken im Vinschgau. Tappeiner, 2016.

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von Solveig Michelsen

 

Diese Recherchereise wurde zum Teil unterstützt durch das Hotel Garberhof.

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