Marco Polo Magazin
Aktiv-Urlaub · 08.09.2020

Bike & Swim

Biken am Wasser in Kärntens Karibik

Kärnten rühmt sich über 1200 stehender Gewässer; darunter finden sich 400 Badeseen, die meisten davon angenehm warm. Eine Handvoll davon bietet obendrein noch beste Möglichkeiten zum sportlichen Radeln und Mountainbiken – querfeldein oder downhill. Und dann gibt es da noch einen Hauch von Karibik. Wir verraten euch wo.

Zurück geht’s per Schiff über den Weissensee.Zurück geht’s per Schiff über den Weissensee. | © Weissensee Tourismus

Weissensee und seine MTB-Trails

Der Weissensee ist ein Meister der Tarnung, trägt er doch die Farbe „weiß“ im Namen. So sieht er allenfalls im Winter aus, wenn auf der geschlossenen Eisdecke Schlittschuh gelaufen und Eisstock geschossen werden kann. In den anderen Jahreszeiten dominieren die Blautöne, die bei entsprechender Sonneneinstrahlung in ein massives Türkis kippen. Das so intensiv ist, dass man fast an eine Fata Morgana glauben mag, wenn man sein naturbelassenes Nordufer über den kieferbestandenen und mediterran anmutenden Wanderweg erforscht. Was ohnehin die schönste Annäherung an dieses Kärntner Kleinod ist und deshalb wärmstens empfohlen wird. Obwohl sich die Superlative am Weissensee sowieso überschlagen: höchstgelegener Badesee Österreichs (930 m), sauberster Badesee Österreichs, unter den Top Ten der wärmsten Badeseen Österreichs (und das trotz der Höhenlage und der beachtlichen Tiefe von 99 Metern), außerdem zwei Drittel unverbaute Ufer und keine direkte Straßenverbindung zwischen West- und Ostufer. Ans langgezogene andere Ende kommt man deshalb nur per Pedes, MTB oder mit dem Schiff.

Dank der Aufheizung im Sommer hat das Wasser auch im Herbst noch angenehme Temperaturen, und man kann sich die Folgen der im Wasser gelösten Kalksedimente genauer ansehen: An den Ufern sorgen Schwemmzonen für seichtes Waten im grundlosen weißen Sand – daher der Name Weissensee –, bevor der See steil abfällt und beachtliche Tiefen erreicht. Hier changiert das Weiß ins Türkis, das auch ohne Filter für einen Karibik-Gruß nach Hause herhalten kann. Besonders wenn die Sonne aufs Wasser fällt, funkeln und reflektieren die gelösten Kalkteilchen um die Wette. Die Hände tauchen ein in glasklares Trinkwasser; die Sichttiefe beträgt bis zu 20 Meter. Wer zu Fuß, dem Bike oder mit einem Boot unterwegs ist, findet ganz sicher ein ungestörtes Uferplätzchen, um den See ein Weilchen für sich allein zu genießen.

Fehlt nur noch der Blick von oben. Dafür gibt es zum Glück die Seilbahn Weissensee, die einen geschwind auf 1340 Meter Höhe bringt. Am besten mit dem Mountainbike. Denn drei Downhill-Trails (alle S1-S2) haben eine Menge Action zu bieten: naturnah mit vielen Steinen und Wurzeln winden sich die trotzdem sehr flowigen Kurven hinunter zur Talstation. Ganz vergessen, nach dem Panorama zu schauen? Dann nichts wie nochmal hinauf! Der Naggl-Trail startet bei der entzückenden gleichnamigen Alm (Waldbeeren-Radler und Heidelbeer-Kaiserschmarren probieren!) und gibt ein paar beeindruckende Tiefblicke preis, die im etwas schwereren Panorama-Trail nochmal ausgebaut werden. Als Abschluss eignet sich ein sanftes Ausrollen über Forststraßen nach Naggl – dem Örtchen mit der schönsten Aussicht am Südufer. Unverwüstliche toben sich noch im Übungsparcour an der Talstation aus oder lassen sich wieder magisch anziehen vom Wasser: Das Strandbad befindet sich nur ein paar Meter weiter unten.

Auch ohne Lifthilfe hat die Region rund um den See panoramareiche Strecken zu bieten. Auf meist autofreien Routen kurbelt man auf Forststraßen im leichten Auf und Ab um den Weissensee. Wobei sich hier schnell mal die Höhenmeter summieren: Die komplette Seerunde kommt auf gut 30 Kilometer und 950 Höhenmeter. Dafür lässt sie sich gut mit dem Schiff abkürzen, das müde Radler vom Gasthof Dolomitenblick (damit sind die Lienzer Dolomiten gemeint) die gesamte Seelänge wieder zurückbringt.

Nassfeld-Trails und Pressegger See

Spätestens am Nassfeldpass keimt das Gefühl auf, dass Biken und Baden in Kärnten irgendwie zusammengehören, Trails und Wasser ja schließlich eine ganz gute Kombi abgeben. Wobei die Bike World am Nassfeldpass ein völliges Kontrastprogramm zu den beschaulichen Weissensee-Trails bietet: Der Millenium Express bringt Radler erst mal in drei Sektoren 1300 Höhenmeter nach oben, bevor sie sich entscheiden müssen, welche der Singletrails sie unter die Räder nehmen. Der einzige leichte Trail führt lediglich eine Piste hinunter und ist allenfalls zum Einfahren zu empfehlen; für die Trails der Kategorie rot (= mittel, was hier bereits S2-3 entspricht) ist schon einige Mountainbike-Erfahrung nötig. Doch wer ruppige und feuchte Abfahrten nicht scheut und viel Federweg hat, wird mit einem grandiosen Panorama belohnt, das die Gebirgsgruppen bis nach Slowenien und Italien hinein in vielen Schichten auffächert. Selten ist die Weitsicht mit so vielen Berggipfeln besetzt und die Umgebung so lieblich bis alpin. Die meiste Aufmerksamkeit aber bekommt ein relativ neuer Flow-Trail, der sich die letzten 400 Hm hinunter zur Talstation schlängelt: Der Mex-Line-1-Trail stiehlt in Sachen Kurven allen anderen die Show und lässt wie versprochen endorphinfreisetzendes Flow-Feeling aufkommen.

Zum anschließenden Sprung ins kühle Nass bietet sich der nahe gelegene Pressegger See an – um ein Vielfaches kleiner, aber ebenso warm wie der Weissensee. Einsame Plätzchen sind aufgrund der geringen Größe keine zu finden hier, dafür alle nötige Infrastruktur (Restaurant, Strandbad). Ein echter Geheimtipp dagegen ist eine Paddeltour auf der Gail – Ein- oder Ausstieg direkt in Tröpolach, unweit der Talstation des Millenium Express, möglich. Nicht allzu tief, aber mit rascher Strömung sprudelt der spritzige Gebirgsfluss das Gailtal hinab. Zahlreiche Sandbänke erfordern volle Aufmerksamkeit, um ausreichend Fließwasser unter den Kiel zu bekommen. Wer Wildwasser I gewachsen ist, kann zum Beispiel in Dellach starten; wer einen ruhigeren Wanderfluss bevorzugt, zieht die Strecke ab Tröpolach in Betracht. Wenn dann die Kraft in den Waden zurückkehrt, sollte man unbedingt noch einen Blick auf die MTB-Strecken abseits der Lifte werfen: Insgesamt 950 Kilometer an ausgeschilderten Radstrecken warten in der Region darauf, entdeckt zu werden. Unter www.nassfeld.at lassen sich diese nach den eigenen Bedürfnissen bestens herausfiltern (Länge, Höhenmeter, Schwierigkeit).

Infos zum Weissensee unter www.weissensee.com

» Öffentlich in die Berge – wie praktikabel ist das?

» Stoneman Miriquidi: MTB-Runde für Anfänger und Könner

» Wandern am Wasser

» Mehr spannende MARCO POLO Reise-Reportagen

 

von Solveig Michelsen


Diese Recherche wurde unterstützt von der Gemeinde Weissensee und dem Tourismusverband Nassfeld-Pressegger See.

 

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