Kulturschock 10 interessante Fakten über Schweden

Die Schweden sind uns Deutschen sehr ähnlich. Das täuscht darüber hinweg, dass es in ihrem Land doch einige Besonderheiten gibt, über die wir nur staunen können. Teste selbst: Wie viele davon kennst du?

Warum sind die typischen Schwedenhäuser rot? | © Martin Wahlborg, iStock

„Inkomstdeklaration“: die schwedische Steuererklärung

Viel hat die schwedische Einkommensteuererklärung nicht mit unserer gemein: Sie ist so simpel, dass ein Steuerberater völlig überflüssig ist. Und sie wird vom Finanzamt, das eine Menge Daten über jeden einzelnen Erwerbstätigen besitzt, vorausgefüllt. Bestätigen braucht man diese Informationen dann nur noch per SMS. Die für uns aber viel unglaublichere Tatsache: Sie wird alljährlich veröffentlicht in einer Art Kompendium – dem „Taxeringskalender“ – von jedem einzelnen Bürger einsehbar. Diese Regelung, die bereits seit 1766 besteht, sorgt für eine gerechtere Bezahlung und weniger Ungleichheiten zwischen Mann und Frau.

Das Jantelagen-Gesetz

Dazu passt das Jantelagen-Gesetz, das eher eine Art soziale Spielregel ist. In Schweden gilt Arroganz und Angeberei als völlig unschicklich, weshalb man zu Bescheidenheit und Understatement tendiert. Zurück geht dieser Verhaltenskodex auf Aksel Sandemoses, der 1933 ein paar Gebote dazu formulierte, die im Wesentlichen aussagen: „Du sollst nicht glauben, dass du etwas Besseres bist als die anderen.“ Natürlich haben nicht alle Schweden Lust, sich in kollektiver Bescheidenheit zu üben, aber die Mehrheit benimmt sich doch sehr rücksichtsvoll im Alltag und in Diskussionen. Man fällt einander seltener ins Wort, versucht nicht das Gespräch an sich zu reißen und spricht auch nicht sofort über seine beruflichen Leistungen oder Titel. Diese angestrebte Gleichheit spürt man auch an flachen Hierarchien in Unternehmen: Der Praktikant wird ebenso wertschätzend behandelt wie der CEO.

Medizinische Behandlung gratis

Auch wenn die steuerliche Belastung in Schweden prozentual gesehen recht hoch ist – darin enthalten sind Renten- und Krankenversicherung, für die der Arbeitnehmer keinen weiteren Cent bezahlen muss. Klingt erst einmal wunderbar und so nach „Jangtelag“, aber leider ist damit keine freie Arztwahl verbunden wie wir sie haben. Auch Überweisungen zum Facharzt liegen allein im Ermessen des Hausarztes, dem man sprichwörtlich auf Gedeih und Verderb „ausgeliefert“ ist. Einzige Alternative: selbst in die Tasche greifen und einen Privatarzt aufsuchen. Für den Zahnarzt gilt das von vornherein: Der ist nicht in der allgemeinen Versicherung enthalten.

Plastik statt Cash

Bargeld in Schweden ist fast schon exotisch und soll bis 2030 ganz aus dem Zahlungsverkehr verschwinden. Bereits jetzt haben Banken kein Bargeld mehr vorrätig. Kreditkarte statt Cash ist die Devise. Auch beim Kaugummi-Kaufen oder auf der Toilette. Unvorstellbar für uns: Auch auf dem Flohmarkt wird bargeldlos bezahlt (per Swish-App oder Paypal) und sogar die Kirchenkollekte kommt ohne Münzen und Scheine aus. Das heißt für Touristen: Bloß kein Geld mehr wechseln – man wird es sonst nicht mehr los! (Obwohl Schweden zur EU gehört, sind die Kronen als Zahlungsmittel beibehalten worden.

Fußgängerampeln

Fußgängerampeln sind so eine Sache. Sie sind in Städten in Unmengen vorhanden, werden aber überraschend oft ignoriert. Der Grund: Solange man sich nicht verkehrsgefährdend verhält, ist ein Überqueren bei Rot nicht strafbar. Heißt: Gestartet wird, wenn die Bahn frei ist. Wer sich trotzdem an die Regeln halten will, hat dennoch nicht das Nachsehen: Auf Knopfdruck reagieren die Ampeln meist innerhalb von wenigen Sekunden.

Das Geheimnis der roten Schwedenhäuschen

Warum gibt es in Schweden so viele rote Häuser? Die Markenzeichen des Landes rühren nicht etwa von einer Vorliebe für die Farbe Rot her. Vielmehr fand man früh heraus, dass mit einem Kupferzusatz in der Farbe das Holz witterungsbeständiger gemacht werden konnte und raues Holz diese besser annahm – wichtig für die langen Winter in Schweden. Die rote Farbe, auch Falun-Farbe genannt nach dem Ort mit der Kupfermine, hat sich seitdem auch ohne Metallbeimischung erhalten. Eine weitere Erklärung für die Beliebtheit des roten Anstrichs ist der angebliche Neid auf die roten Backsteinbauten der Holländer.

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Land der Freizügigkeit?

Schweden war lange als besonders freizügiges Land bekannt. Noch in den 1970er-Jahren waren nackte Familien in Bildbänden mehr die Regel als die Ausnahme – es gehört einfach dazu, wollte man das echte Lebensgefühl beschreiben. Doch das hat sich nun gründlich gewandelt. Als Deutscher ist man bass erstaunt, dass in der öffentlichen Sauna strikt getrennt wird nach Männlein und Weiblein. Oft sogar mit dem Hinweis, dass man doch bitte seinen Badeanzug anbehalten möge.

Süßes Brot und salzige Butter

Schweden hat auch in kulinarischer Hinsicht einige Besonderheiten zu bieten. Sehr berüchtigt ist zum Beispiel Surströmming, ein bereits fermentierter Hering, dessen Gestank beim Dosenöffnen so bestialisch ist, dass er in zahlreichen Hotels und sogar Mietshäusern verboten ist. Viel häufiger aber wird man mit zwei alltäglichen Spezialitäten in Kontakt kommen: gezuckertem Brot und gesalzener Butter. Und wer es nicht glaubt: Marmelade schmeckt auch mit gesalzener Butter (das akzentuiert den Geschmack und bringt neue Nuancen zutage!), Salami auch auf süßem Brot.

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Wasser und Kaffee

Solltest du zur „Fika“ eingeladen werden, nicht erschrecken: Dies ist der Ausdruck für die typisch schwedische Kaffeepause, die gerne mehrmals am Tag und zu jeder Uhrzeit gemacht wird. In der Regel gibt es sehr starken Kaffee, dazu ein süßes Teilchen, zum Beispiel die berühmten Zimtschnecken. Ein Leitungswasser gibt es kostenlos mit dazu – das ist sogar gesetzlich verankert: Für Trinkwasser darf kein Geld verlangt werden.

Fußballgolf und Frisbeegolf

Die Schweden spielen gerne Golf. Aber nicht nur mit kleinen Golfbällen, sondern auch mit regulären Fußbällen und Frisbee-Scheiben. Die Fairways sind dafür etwas größer, die Ziellöcher bzw. -körbe natürlich auch. Besonders Familien erfreuen sich an dieser Sportart, die seit ihrer Einführung in den 1980er-Jahren immer mehr Anhänger findet. Auch Weltmeisterschaften werden in den beiden exotischen Sportarten ausgetragen.

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von Solveig Michelsen

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