Japan Telefonzelle in Japan für Gespräche mit Toten

In Japan, genauer gesagt in Otsuchi, steht eine Telefonzelle ohne Anschluss. Trotzdem wird sie häufiger frequentiert als viele andere. Warum? Mit dem „Telefon des Windes“ sprechen Japaner mit ihren verstorbenen Angehörigen. Der Ort Otsuchi war 2011 besonders betroffen von der Tsunami-Katastrophe.

Auch internationale Besucher erhoffen sich Trauererleichterung durch „Gespräche“ mit ihren verstorbenen Angehörigen. | © Dragan Grkic, iStock

Rund 10% der Bevölkerung von Otsuchi wurde während der Tsunami-Katastrophe 2011 ausgelöscht. Nahezu jeder im Ort trauert seitdem um Angehörige oder Freunde. So ging es auch Itaru Sasaki, der bereits ein Jahr zuvor einen Cousin verloren hatte. Um seine Trauer auszudrücken, stellte er eine Telefonzelle im Garten auf, die seine Gespräche mithilfe des Windes zu den Verstorbenen tragen sollte. „Man denkt, es hört ja keiner zu, also kann man frei sprechen. Wenn man die Dinge, die sich aufgestaut haben, in Worte fassen und rauslassen kann, dann erleichtert das.“

Das Gleiche dachten sich bereits mehr als 10.000 weitere Menschen, die zum Teil von weit her angereist kommen, um in der gläsernen Telefonzelle in Japan ihre Trauer auszudrücken. Die Bedienungsanleitung der Drahtlos-Verbindung lautet: Schließen Sie die Augen und hören Sie zu. Wenn Sie den Klang des Windes, der Wellen und der Vögel hören, dann sagen Sie, woran Sie gerade denken. Das „Wind-Telefon“ steht auf einem Grashügel mit Blick auf den Pazifik.

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von Solveig Michelsen

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