Gute Idee oder Kapitulation? New Yorker U-Bahn ersetzt Sitze durch Stehplätze

Auch für deutsche Besucher heißt es in der New Yorker U-Bahn zunehmend: Stehen statt Platz nehmen. Im Kampf gegen verspätete und überfüllte Züge setzen die Verantwortlichen auf mehr Stehplätze und lassen dafür Sitze ausbauen.

Sitzen ist in der New Yorker U-Bahn keine Selbstverständlichkeit mehr.| © Thinkstock

Ein sitzender Fahrgast braucht sehr viel mehr Platz als ein stehender Passagier. Die Betreiberin der New Yorker U-Bahnen hat aus dieser Erkenntnis einen naheliegenden, aber auch kontroversen Schluss gezogen. Die Metropolitan Transportation Authority (MTA) lässt aus mehr als 100 Waggons Sitzplätze ausbauen, um mehr Raum für stehende Fahrgäste zu schaffen. Das beschleunigt das Ein- und Aussteigen und soll helfen, die massiven Verspätungen in der New Yorker U-Bahn einzudämmen.

Der Schritt stößt bei den Betroffenen teils auf heftige Kritik. Die U-Bahn ähnele jetzt einem Viehtransport, zitierte die „New York Times“ eine Pendlerin. Sie fügte hinzu: „Damit wird das Problem nicht gelöst. Das Problem besteht darin, dass es zu wenige Sitze gibt.“ Andere Passagiere begrüßten hingegen die Änderung. „Gott sei Dank“, sagte ein Mann der Zeitung. „Niemand will sich wirklich hinsetzen. Alle wollen nur an ihr Ziel gelangen.“

New York zieht die Notbremse

Die Maßnahmen sind Teil eines Notfallprogramms für die New Yorker U-Bahn. In der maroden Lebensader der US-Metropole haben Verspätungen zuletzt überhandgenommen. Laut einer Analyse der Stadt verursachen sie wirtschaftliche Schäden von jährlich bis zu 389 Millionen US-Dollar (331 Millionen Euro). Neben veralteten Signalanlagen wurden vor allem überfüllte Züge als Ursache ausgemacht. Allerdings lassen sich in den Waggons nicht einfach mehr Sitzplätze einbauen. Und die meisten Bahnsteige sind zu kurz, um durch zusätzliche Abteile mehr Kapazitäten zu schaffen.

Die größten Veränderungen gibt es bislang auf der U-Bahn-Linie E, die Manhattan mit Queens verbindet und die täglich von über einer halben Million Menschen genutzt wird. Hier wurden dem Bericht zufolge Sitzplätze aus rund 100 Waggons entfernt – nicht aus dem gesamten Abteil, sondern jeweils an dessen Ende. Die betroffenen Waggons sind außen an einem blauen Streifen zu erkennen. Jeder modifizierte Zug soll bis zu 100 zusätzliche Passagiere befördern können. Auch in der Linie L von Manhattan nach Brooklyn und im 42nd-Street-Shuttle (landläufig Times Square Shuttle genannt) werden Sitze ausgebaut.

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Von Jonathan Berg

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