Marco Polo Magazin
Südtirol · 06.05.2020

Italien

Corona-Alltag im Südtiroler Hotel

Viele Länder haben in Zeiten von Corona touristische Einbußen hinzunehmen – für Südtirol sind die Reiseeinschränkungen katastrophal. Auch weil ein Teil der landwirtschaftlichen Produkte über die Besucher vermarktet werden, etliche Branchen mit dem Tourismus eng verzahnt sind. Stephan Gander, Touristiker und Hotelier des Bella Vista in Trafoi, schildert seinen Alltag während des Corona-Lockdowns:

Das Bella Vista mit Blick auf den Ortler liegt im Nationalpark Stilfserjoch.Das Bella Vista mit Blick auf den Ortler liegt im Nationalpark Stilfserjoch. | © Bella Vista, Trafoi

„Die Notverordnung der italienischen Regierung kam über Nacht. Am nächsten Morgen musste der Alltag binnen Stunden auf „null" gefahren werden. Sämtliche Hotels, alle Skigebiete, Bars und Restaurants geschlossen, Gäste und Mitarbeiter verabschieden, Geschäfte zu, alle Kinder haben schulfrei bis Ostern. Ausgangssperre! Auch unser Hotel war von einem Moment auf den anderen leer. Plötzlich waren wir allein. Wir, das sind meine Frau Petra, die Hotelierin vom Hotel Bella Vista, und unsere vier Kinder, die Schwester meiner Frau mit Mann und ihren drei Kindern und ich. Spontan entschieden wir, wir bleiben jetzt für die nächsten fünf Wochen hier und machen das „Familienhotel“ kurzerhand zum Refugium für die eigene Familie.

 

Speisesaal als Klassenzimmer

 

Die Hotelzimmer haben wir zu Kinderzimmern umfunktioniert, der Panorama-Speisesaal dient als Großraum-Klassenzimmer. Jedes der schulpflichtigen Kinder hat seine eigene Schulbank zur Erledigung der Schulaufgaben. Plötzlich verstehen wir, wie es damals in der „Bergschule“ gewesen sein muss, als Kinder unterschiedlicher Altersstufen zusammen in einem Klassenzimmer Unterricht bekommen haben. Für die Erwachsenen ist „smart working“ angesagt: telefonieren, mailen und virtuelle Meetings, anfangs etwas ungewohnt, aber schließlich geht es dann doch ganz einfach. Hauptsache wir haben Strom und Internet, dann ist alles gut. Die Hotelküche wird zum familiären Mittelpunkt, dort wo normalerweise unser Küchen-Chef mit seinem Team zaubert, kocht jetzt die Familie. Auch die Kinder bringen sich voll ein, jeder will helfen – jeder will seinen Beitrag leisten, ob beim Decken, Kochen oder Spülen. Die Vorratskammer des Hotels ist noch gut gefüllt, denn schließlich hätte die laufende Wintersaison noch bis nach Ostern gehen sollen. Die kleinen Schätze aus dem Weinkeller begleiten uns Erwachsenen durch die Abende am Kaminfeuer, mit den Kindern spielen wir Brett- und Strategie-Spiele, für die wir sonst nie Zeit hatten. Fürs Wochenende planen wir einen gemeinsamen Kino-Abend auf der Großleinwand.

 

Gäste im eigenen Hotel

 

Durch den Stillstand haben wir die Chance bekommen, unser eigenes Hotel selbst zu genießen, und nehmen plötzlich alles anders wahr. Zum ersten Mal in unserem Leben haben auch wir hier in Trafoi Urlaubsgefühle, bekommen die Entschleunigung und Erdung zu spüren, von der unsere Gäste immer schwärmen. Wir freuen uns über die kleinen Dinge des Lebens, genießen die Lichtspiele der Bergkulisse und machen kleine Spaziergänge in die umliegende Natur. Trotz Abgeschiedenheit bekommen wir regelmäßig Besuch. Durch die neue Ruhe am Hotel wagen sich die Rehe und Hirsche bis auf die Hotelterrasse, sie kommen immer pünktlich gegen 17.00 Uhr. Trotz der bedrückenden Situation, sind die Kinder erfüllt vom neuen Lebensgefühl und fragen: Wie lange dürfen wir eigentlich hierbleiben? Aktuell gibt es keine neuen Urlaubs-Anfragen: Reisen ist verboten! Die größte Absagewelle ist vorüber. Jetzt gilt es, die Anzahlungen zurückzuzahlen oder Buchungen in Richtung Sommer zu verschieben. Zwischendurch melden sich Stammgäste mit Solidaritätsbekundungen: „Wenn diese Virus-Welle vorbei ist kommen wir bestimmt wieder!“ Darüber freuen wir uns sehr, dass das Leben hier oben auch wieder seinen normalen Lauf nehmen wird. Aber vorerst überbrücken wir die erzwungene Abgeschiedenheit am „Ende der Welt bzw. am Anfang vom Paradies“ … allein!“

 

weitere Informationen unter: www.bella-vista.it und www.familienhotels.com

 

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von Solveig Michelsen

 

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