Kultur soll helfenKulturhauptstadt Paphos will Teilung Zyperns überwinden

Die Sonne versinkt mit einem warmen Farbenspiel in Paphos, einem Ort auf der Insel Zypern, im Meer.

Am 28. Januar war es so weit: An diesem Tag fand in Paphos, einem Ort mit 33.000 Einwohnern auf der Insel Zypern, die große Eröffnungsfeier zum Kulturhauptstadtjahr 2017 statt. Paphos teilt sich den Titel in diesem Jahr mit der dänischen Universitäts- und Hafenstadt Aarhus. Was hat der kleine Ort an der Südwestküste zu bieten? Welche Programm-Highlights warten auf die Besucher?

Römische Mosaiken, antike Ruinen – das ist noch lange nicht alles, was Paphos zu bieten hat. Als Kulturhauptstadt Europas wollen die Gastgeber beweisen, dass Antike und Moderne ganz nah beisammen liegen können. Über 300 Veranstaltungen und kulturelle Events der Extraklasse warten auf zahlreiche Besucher. 

Die Geschichte Zyperns

Zypern ist die drittgrößte Mittelmeerinsel nach Sizilien und Sardinien. Geografisch gehört Zypern zu Asien, wird politisch und kulturell aber zu Europa gezählt. Seit den 70er-Jahren ist die Insel geteilt: Der Süden wird von der Republik Zypern regiert, der Norden steht unter Kontrolle der türkischen Republik Nordzypern. Dazwischen liegt die sogenannte „Grüne Linie“, eine Pufferzone, welche die Insel teilt und von Friedenstruppen der Vereinten Nationen überwacht wird.

Wegen der steuerlichen Vorteile boomte ab den 80er-Jahren der Banksektor auf Zypern. Die Insel galt zudem als Zufluchtsort für Steuerflüchtlinge aus Europa und Russland, was ihr in kürzester Zeit einen schlechten Ruf in der Finanzwelt einbrachte. Viele Broker, die in Zypern angesiedelt sind, begannen jedoch aufgrund der zunehmenden Turbulenzen im zypriotischen Finanzsektor damit, ihre Kundengelder verstärkt im europäischen Ausland zu lagern, auch in Deutschland.

Seit 2013 ist es nunmehr endgültig vorbei mit dem Banken-Boom. Mehrere Banken meldeten wegen großer Kursverluste auf Staatspapiere und wegen des Schuldenschnitts Griechenlands Konkurs an. Die EU eilte zwar mit einem Rettungspaket zur Hilfe, dennoch soll der Bankensektor herunter gefahren werden. Heute ist es der Tourismus, der Zyperns wichtigste Geldeinnahme darstellt.

Sehenswürdigkeiten in Paphos

  • Die Königsgräber
    Sie stammen aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. und wurden bis ins 3. Jahrhundert n. Chr. für Bestattungen genutzt. Anders als der Name es vermuten lässt, wurden dort aber keine Könige begraben. Es waren vielmehr Angehörige der zypriotischen Oberschicht. Seit 1980 zählen die Ruinen von Paphos zum Weltkulturerbe.
  • Der archäologische Park
    In diesen Villen aus römischer Zeit sind wertvolle Bodenmosaike zu bewundern.
  • Das Kastell
    Es ist das wichtigste Wahrzeichen der Stadt. Das mittelalterliche Kastell liegt direkt am Hafen.
  • Ruinengelände mit Paulussäule
    Hier soll der Legende nach der Apostel Paulus gefesselt und gegeißelt worden sein. Ein Säulenstumpf erinnert daran. Außerdem gibt es Reste einer Franziskanerkirche aus dem Spätmittelalter und eine Basilika aus frühchristlicher Zeit. Beide sind erhalten.
  • Der Hafen
    Er wird heute hauptsächlich nur noch touristisch genutzt. Der Flughafen Paphos hat im Laufe der Zeit immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Freunde von Museen werden im byzantinischen Museum und im Folklore-Museum auf ihre Kosten kommen.

Volles Programm – trotz kleiner Kasse

Paphos hat in der Geschichte der Kulturhauptstädte die kleinste Kasse. Geplant war es eigentlich anders, denn ursprünglich sollten die Veranstalter aus dem Vollen schöpfen, als vor Jahren der Zuschlag für 2017 an Paphos ging.

Doch dann kam die Finanzkrise. Geldgeber zogen sich zurück, aus Brüssel musste neues Geld her. 8,5 Millionen Euro waren es, die der Küstenstadt am Mittelmeer zur Verfügung gestellt wurden.

Eigentlich ist selbst dies aber noch ein sehr geringer Betrag, vergleicht man das Budget mit anderen Kulturhauptstädten miteinander. Aber die EU rechnet wohl damit, dass Paphos mit seiner Bescheidenheit eine Punktlandung im Kulturbereich erzielt.

Viele fleißige Helfer

Trotz des knappen Budgets wird Paphos als Kulturhauptstadt glänzen, davon ist man überzeugt. Viele Freiwillige sorgen dafür, dass alles blitzt, blinkt und reibungslos funktioniert. Nach dem touristischen Aufschwung soll nun also der kulturelle Hype kommen. Es gleicht einer Maschine, die reibungslos funktionieren soll und muss.

Bisher war Paphos für Künstler nämlich kein lohnendes Pflaster. Das soll sich nun ändern. Fünf Bühnen soll es auch nach dem Kulturjahr für die Kulturschaffenden geben. Man möchte nicht, dass der wichtige Kulturzweig plötzlich abbricht, nur weil das Kulturjahr irgendwann zu Ende sein wird.

Die Veranstaltungskalender jedenfalls sind voll. So kommen unter anderem die Berliner Philharmoniker ins Kastell von Paphos (1. Mai, 12 Uhr). Auch Sängerin und Musicaldarstellerin Ute Lemper hat sich angekündigt.

Überhaupt gibt es viel zu sehen in der Kulturhauptstadt, gewaltige Bodenmosaike im archäologischen Park von Paphos zum Beispiel, die noch aus römischer Zeit stammen. Diese wurden erst sehr spät entdeckt. In den 1960er-Jahren stieß der Besitzer des Grundstücks beim Pflügen auf diese Mosaiksteine. Sein Haus gibt es heute noch. Darin findet sich jetzt das Labor, in dem die Mosaiksteine konserviert werden.

Hoffen auf Wiedervereinigung

Die Bewohner des südlichen Teils Zyperns hoffen unterdessen auf eine Wiedervereinigung mit dem zyprisch-türkischen Teil der Insel. Auch politisch ist das Kulturjahr also von Bedeutung. Denn die Besucher der Kulturhauptstadt werden ganz sicher auch die Hauptstadt Nikosia, die jenseits der grünen Linie liegt, besuchen. Die Kultur soll der Wiedervereinigung eine größere Chance geben als die Politik, hoffen die Menschen.

Paphos in Zahlen

Staat:Zypern
Region:Paphos
Höhe über dem Meeresspiegel:72 Meter
Einwohner:Etwas mehr als 32.000
Internet:www.pafos.org.cy

Obendrein beschert der Tourismus den Inselbewohnern auch lukrative Einnahmen. Allerdings hat auch dies seine Kehrseiten. Denn wo viele Touristen sind, da leidet mitunter das alltägliche Leben der Einheimischen.

Dass Paphos jetzt Kulturhauptstadt Europas ist, sehen die meisten Beweohner aber positiv. Die Stadt wird herausgeputzt, Missstände werden behoben. Und tatsächlich: Straßen und Plätze wurden umgestaltet, die rund 300 Veranstaltungen sollen beeindruckend in Szene gesetzt werden.

So besuchen Sie Paphos

  • • Die Gesellschaft „Germania“ fliegt Paphos von mehreren deutschen Städten aus an. „Condor“ bietet Direktflüge von Frankfurt.
  • Den gesamten Veranstaltungskalender und weitere Informationen zur Kulturhauptstadt Europas 2017 finden Sie auf pafos2017.eu.
  • Es reicht, wenn Sie luftige Kleidung mitnehmen. In Paphos herrscht mediterranes Klima. Am besten Sie reisen im Frühjahr oder im Herbst. Im Sommer werden auch schon mal deutlich über 30 Grad Celsius erreicht. Angenehm: Auch die Wassertemperatur liegt dann nur unwesentlich darunter. Im Winter kann es dagegen knackig kalt werden.
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