Nightlife in Wien: Bässe unter Bögen

Es gibt Stadtpläne, die erinnern an Kreuzworträtsel: schnurgerade Straßen, Häuserblöcke, Avenuen. Andere gleichen dem Prinzip Labyrinth. In der Walzerstadt Wien geben Kreise den Ton an: Die Ringstraße mit ihren berühmten Bauten, die die mittelalterliche Innenstadt von den Innenbezirken trennt. Und ein zweiter kreisrunder Reifen: der Gürtel, der einst diese bürgerlichen Innenbezirke von der proletarischen Vorstadt trennte. Eine einfache Straße wollte man damals, um 1900, nicht. Das politische Klima war aufgeheizt, Revolutionen standen vor der Tür. Also errichtete man für den Ernstfall eine Barrikade zwischen den „roten“ Vorstädten und den Innenstadtoasen – und tarnte sie als Stadtbahn.

Abfahren mit Otto Wagner

Am 9. Mai 1898 ratterte die erste elektrische Bahn mal unter, aber meist hoch über der Erde den Wiener Gürtel entlang. Der Architekt, der den Masterplan dazu abgeliefert hatte, ist längst ein Klassiker der Architekturgeschichte: Otto Wagner (1841 – 1919), der wichtigste Begründer des Wiener Jugendstils. Dass es sich bei der Bahn um ein Gesamtkunstwerk handelt, kann man seit der jüngsten Renovierung erkennen: Viadukte, Brücken, Stationen, Möblierung, Beleuchtung – alles trägt bereits die wesentlichen Kriterien des frühen Jugendstils.

Adressen für Afterwork

Beispiel „Ride Club“ an der U6-Station Nussdorferstraße, dort wo die Stadtbahnbögen am höchsten sind – der Club ist nur eines der coolen Lokale, die sich in den Bögen unter der Bahn zu Fixpunkten für den Afterwork-Chill entwickelt haben. Ideal zum Feiern und Flirten ist er, dafür sorgen die hohen Räume und versteckten Nischen. Lärmprobleme mit den Anrainern gibt es keine – schließlich rauscht ja zu beiden Seiten der Gürtelverkehr. Kein Wunder, dass längst auch Probelokale für Nachwuchsgruppen den kreativen Mix verstärken.

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