Weihnachtsparty in Goa: Rauschende Nacht

Früher Morgen im Szeneort Vagator: Völlig unerwartet haben die ziemlich verschlafen wirkenden Strandläufer eine Madonnen-Erscheinung. Am Bug eines archaischen Fischerbootes strahlt ihnen die Jungfrau Maria im butterweichen Licht entgegen, Salzwassertränen rinnen der aufs Boot gepinselten Gottesmuter übers Gesicht – und schon verwandelt sich der Spuk in eine ganz normale Frühschicht. Goanische Fischer in hoch gerollten Lendentüchern ziehen an knallroten Netzen, treffsicher picken sich Seeadler, Falken und Krähen die roten Leberstückchen neben den Brustflossen des Fangs heraus. Goa kann auf schräge Art sinnlich sein. Eine Tatsache, die das ein wenig abseits der großen Touristenstrände gelegene Fischer- und Badeörtchen Vagator auf Schritt und Tritt beweist.

Das Badeparadies der Blumenkinder

Hier konnte sich Goa viel von jener Idylle erhalten, die den kleinen indischen Bundesstaat südlich von Mumbai einst zum legendären Badeparadies der Hippies  machte. Wasserbüffel und malerische Gärten prägen die unberührte, ländliche Szenerie des Hinterlandes noch immer. In den verschlafenen Dörfern des angrenzenden Distrikts Pernem klicken die lokalen Fingerakrobaten des indischen Brettbillards Carrom ihre Spielsteine relaxt Richtung Bande. Wer für seinen Meditationskurs noch immer Anfängerruhe braucht, liegt unter den Palmen von Vagator und des benachbarten, noch verschlafeneren Örtchens Arambol richtig – und sehnt sich nach einiger Zeit vielleicht sogar ein wenig nach dem Rummel der goanischen Party-Strände weiter im Süden.

Generation Goa

„Goa ist wie eine Mango“, sagt Tattoo-Artist Govinda Tage am Strand von Arambol und zeichnet mit dem Finger einen scharfen Shiva-Dreizack in den Sand. „An manchen Stellen noch grün, an anderen frisch und saftig, an dritten schon wieder leicht faulig und überreif.“ Da ist etwas Wahres dran. Denn Goa ist eine Adresse für die Träume von mehreren Generationen. „Go north, young Hippie“ hieß es bereits vor Jahrzehnten, als die zentraler gelegenen Strände wie Anjuna, Calangute & Baga zunehmend überlaufen waren. Das war in den 80ern, als Love & Peace schon einige Sonnenbrände auf dem Buckel hatte, und Goa gerade die letzte Unschuld verlor. Einsame Strände wie Arambol Beach wurden damals zum letzten Außenposten der Hippie-Kolonialiserung, aber auch das ist heute längst Geschichte. Konstanter blieb hingegen eine zeitliche Fixkoordinate der berühmten Region: nämlich Weihnachten.

Nach oben