Reise am Mississippi: Fluss voller Seele

Im berühmten Song "Ol’ Man River" wird der legendäre Fluss besungen, als wäre er ein weises Wesen mit Seele. Der Schauspieler Heath Ledger hatte sich den Songtitel sogar auf den Arm tätowieren lassen. Der Strom symbolisiert Abenteuer, Freiheit und Unabhängigkeit – in den USA kaum zu übertreffende Lebensgefühle.

Wer noch nicht da war, kennt ihn dennoch. Aus vielen Filmen oder dem Buch "Tom Sawyer und Huckleberry Finn", in dem Mark Twain den Mississippi verewigte. Fast 4000 km fließt der gewaltige Fluss quer durch das Land.

Der "große Fluss"

Der Mississippi ist der viertlängste Fluss der Welt (nach dem Nil, dem Amazonas und dem Jangtsekiang). Er entspringt dem See Itasca in Minnesota im Norden der USA und schlängelt sich südlich bis nach Louisiana, um in einem großen Delta bei New Orleans in den Golf von Mexiko zu münden. Indianerstämme wie die Cheyenne und die Sioux lebten an seinem Ufer lange bevor die Bleichgesichter kamen und gaben ihm seinen Namen Misi-ziibi (großer Fluss).

Amerikas heartland

Folgen Sie der Great River Road, beginnend in Galena in Illinois, einer charmanten, historischen Kleinstadt am Fluss, wo Sie auch Flusskreuzfahrten unternehmen können. Die Reise entlang der Great River Road Richtung Süden bietet unvergessliche Blicke auf den Mississippi, und die Kleinstädte erinnern an das Amerika des 18. und 19. Jhs. Am Wegrand finden sich Weingüter und Museen.

Mais und Baumwolle

Früher war der Fluss wichtig für die Schifffahrt - eine Hauptverkehrsstraße für Handel und Reise. Sein Umland ist noch heute sehr fruchtbar und wird landwirtschaftlich stark genutzt. Maisfelder soweit das Auge reicht, Baumwollfelder ziehen vorüber, im Winter weht es kalt, im Sommer wird es tropisch heiß.

 

Im Rhythmus der Schaufelräder

Im nördlichen Teil seines Laufs bestimmen Staudämme oft das Bild, bekannter ist der südliche Teil des Flusses. Hier befahren historische Raddampfer ganz in Weiß noch immer den mächtigen Strom wie zu Tom Sawyers Zeiten, heute allerdings nur noch für die Touristen. Diese unternehmen zum stampfenden Rhythmus der riesigen Schaufelräder auch eine Art Zeitreise - etwa auf der frisch überholten American Queen, dem größten Flussdampfer der USA, oder ihren Schwesterschiffen Natchez, Chautauqua Belle, Minne-Ha-Ha und Belle of Louisville - allein die Namen lassen Sehnsucht aufkommen.

Südstaaten-Träume

Herrschaftliche Plantagen in der Nähe des Ufers erinnern mit ihren imposanten Anlagen an das Südstaatendrama "Vom Winde verweht". Aus diesem sanften Südstaaten-Flair holt einen allerdings der Anblick einfacher Hütten und der verbreiteten Armut der Landbevölkerung wieder auf den Boden der Tatsachen und in das krisengebeutelte USA von heute zurück.

Abschied beim Jazz

In New Orleans beendet der Mississippi seine Reise zum Golf von Mexiko. Dort können Sie sich ausgiebig der Jazz-Musik und dem Crayfish-Essen widmen - die gewürzten Flusskrebse der Cajun-Küche sind ein Muss! Der mächtige Strom fließt direkt am French Quarter vorbei, dem Jazz-Mekka von New Orleans, fast so, als würde er sich auf dem Weg ins Meer noch verabschieden…

Von Alrun Steinrueck

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