Thalassokuren: Poseidons große Badewanne

Für den französischen Biologen René Quinton muss es ein aufregender Moment gewesen sein: 1904 entdeckte er, dass die Zusammensetzung des Meerwassers hinsichtlich seiner Mineralstoffe und Spurenelemente mit der des menschlichen Blutplasmas praktisch identisch ist. Damit war ihm der entscheidende Beweis für die Wirksamkeit der neuartigen, vom französischen Arzt Bonnardière entwickelten Meerwasserkur gelungen. „Thalasso“ hieß die neue Gesundheitsmode, die schnell zum Gesprächsstoff in der französischen Gesellschaft der Jahrhundertwende wurde. Scharenweise schritt man zur Behandlung mit Meerwassermassagen, vertraute auf die heilende und vorsorgende Wirkung von Algen, Schlamm und Sand in einem milden Klima. Heute boomt die Wellnessanwendung auch auf der anderen Seite des Mittelmeers: Nach Frankreich, der Thalassodestination Nummer 1, ist Tunesien mit mehr als 25 Therapiezentren der weltweit zweitgrößte Anbieter von Gesundheit, die aus dem Meer kommt.

Hydropool im Palmenhain

Eindrucksvoll ist das Thalgo Vital Center des Odyssee Resort im südtunesischen Zarzis. Inmitten eines 6 ha großen Palmenhains liegen Grotten, Indoorgärten, Wasserfälle und überdachte Meerwasserbecken in einer der schönsten Thalassotherapiestätten der Welt. Hier vollzieht sich in paradiesischer Umgebung, was Kern der Therapie ist: die Aufnahme der wirksamen Meeresmineralien über die Haut, das Entkrampfen der Muskulatur und die Entgiftung der Körperzellen. Meerwasserbäder in geheizten Becken und Jetdüsen-Massage, superfeine Sprühduschen, stetes Inhalieren von salzigen Aerosolen und natürlich Algenpackungen sind das Basisprogramm der Thalassokuren, die in der Regel zwischen vier und zwölf Tagen dauern.

Jungbrunnen der Superlative

Überraschen würde die Thalassopioniere Bonnardière und Quinton die Vielfalt der Anwendungsformen, sowohl in Zarzis als auch in zahlreichen weiteren tunesischen Spa-Hotels. Massagen, Lymphdrainagen und Pressotherapie – eine Venenbehandlung, bei der die Gäste überdimensionale, aufblasbare Stiefel tragen – ergänzen das tunesische Jungbrunnenprogramm. Aber auch das ist noch nicht alles: Spezielle Brillen wirken dank angenehmer Lichtreflexe beruhigend, Aromatherapien und Kräuterteestuben verwöhnen Geruchs- und Geschmackssinn. Wer will, kann zwischendurch im Hamam schwitzen oder in orientalischen Dampfbädern entspannen. Oder sich dank Unterwassermusiktherapie ein bisschen treiben lassen und der Musik des Meeres lauschen.

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