Wracktauchen: Zauber des Verfalls

Der Schiffsrumpf steht aufrecht auf dem Meeresgrund. Am Bug des Schleppers „Rozi“ hängen dicke Lasterreifen, die früher als Puffer für die Bordwände dienten. Unterhalb des Ruderhauses schwimmt ein Taucher in eine Öffnung und findet das frühere Badezimmer der Besatzung. Mit seiner Taschenlampe leuchtet er den Raum aus, der völlig mit Algen bewachsen ist. Früher bot die „Rozi“ Menschen Quartier, heute ist sie ein Unterschlupf für Mönchsfische und Drachenköpfe. Ein gespenstischer Ort, 30 m unterhalb des Meeresspiegels, aber nicht der Ort einer Tragödie: 1991 wurde das Wrack vor der Küste Maltas bewusst versenkt, in perfekter Tiefe für Sporttaucher. Abenteuerfeeling leicht gemacht.

Nichts für Warmtaucher

Etwa drei Millionen Wracks liegen auf dem Meeresgrund der Weltmeere. Viele sind für Sporttaucher nicht zugänglich, Tiefen unterhalb von 40 m sind tabu. Aber es gibt noch genug ausgemusterte Flugzeuge und Schiffe, die extra für Unterwassersportler versenkt wurden – und „echte“ Wracks in akzeptablen Tiefen. Einer der größten Schiffsfriedhöfe der Welt etwa liegt nördlich von Schottland, inmitten der Orkney-Inseln. Die Wracks von Scapa Flow sind spektakulär, bei durchschnittlichen Wassertemperaturen von 8 bis 18 Grad aber nichts für Warmtaucher: Im Jahr 1919 versenkte die deutsche Marine in einem geschützten Naturhafen ihre Hochseeflotte, um sie nicht in die Hände des Feindes fallen zu lassen. Aufbauten und Kanonen der Schlachtschiffe sind von Seeigeln und Seeanemonen bedeckt. Auf dem Schiffsfriedhof von Scapa Flow können Geschichtsinteressierte und Hobbybiologen mit Maske und Tarierweste Anschauungsunterricht nehmen.

Wracks perfekt in Szene gesetzt

Ein Stück Filmgeschichte schrieben die „James Bond Wrecks“ vor den Bahamas. Auf der Hauptinsel New Providence befindet sich die berühmte Tauchbasis Stuart Cove's, spezialisiert auf Unterwasserstunts für Hollywoodfilme. Am Clifton Point, im Westen von New Providence, liegen die Wracks mit dem Namen des wohl berühmtesten Geheimagenten der Welt: Sie dienten als Unterwasserkulisse für mehrere 007-Filme, sogar ein Flugzeug wurde hier versenkt. Heute sind die Tauchplätze gut besuchte Ausflugsziele für Unterwasserfans. Beliebt sind sie auch deshalb, weil die Taucher auf Wunsch von einer Filmcrew begleitet werden, die sich mit effektvoll in Szene gesetzten Aufnahmen von der Unterwasserkulisse ein Zubrot verdient: Otto-Normal-Taucher auf den Spuren des Agenten mit der Doppelnull. Hier können Sie das Wracktauchen selbst ausprobieren:

Text: Claudia Piuntek

Informationen

Malta:

Moby Dives
Xlendi Bay, Gozo, Tel. 00356/21/56 44 29 od. 55 16 16, Fax 55 46 06
mobydivesgozo.com
Auf Maltas Schwesterinsel Gozo gelegen, organisiert die Tauchbasis Boottrips zum Wrack der „Rozi“.


Schottland:

The Diving Cellar
4 Victoria Street, Stromness, Orkney, Tel. 0044/1856/85 00 55, Fax 85 03 95
divescapaflow.co.uk
Das Charter-Tauchboot, ein ehemaliger Schlepper aus Stahl, ist 20 m lang, bietet eine große Kajüte mit Kochgelegenheit, verfügt über ein medizinisches Sauerstoffgerät und wird von erfahrenen Kapitänen gesteuert. Die Tauchbasis verfügt außerdem über zwei gemütliche Wohnungen im Zentrum von Stromness (Selbstverpflegung).


Bahamas:

Stuart Cove's
New Providence, Tel: 00242/362/41 71, Fax 52 27
stuartcove.com

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