Kasachstan: Zukunft findet Stadt

Das höchste Zelt der Erde? Die größte Glaskugel der Welt? Die jüngste und modernste Hauptstadt überhaupt? Das finden Sie in Kasachstan. Ganz nebenbei dem neuntgrößten Land der Erde und zugleich größten Binnenstaat der Welt.

Ein erstaunliches Land mit erstaunlicher Dynamik und einem erstaunlichen Staatschef: Wo man Steppe, Nomaden und Kamele, ein vom Gestern geprägtes entschleunigtes Leben vermuten würde, überrascht den Besucher ein materialisiertes Szenario des Morgen.

Es ist Anfang Juli, Feiertage zum Geburtstag der Stadt. Ganz Astana ist auf den Beinen, Kinder, Eltern und Großeltern bevölkern die weiten, blumengesäumten Plätze. Bei fast 40 °C und gleißendem Sonnenschein genießen sie die Erfrischung in den zahllosen öffentlichen Brunnen und Wasserspielen.

Die Zukunft ist mit Händen greifbar

Astana, auf Kasachisch schlicht "Hauptstadt", wirkt wie ein futuristisches Ausrufezeichen, das per Dekret in die Monotonie der unendlich weiten Steppenlandschaft gesetzt wurde. Das "Dubai Zentralasiens" ist die materialisierte Vision von Präsident Nursultan Nasarbajew. Eine schnurgerade Achse – entworfen vom japanischen Architekten Kisho Kurokawa – bildet das Rückgrat des neuen Regierungssitzes. An ihr entlang wachsen kühn skulpturierte Hochhäuser fast im Wochentakt aus dem Boden. Ministerien, Verwaltungsgebäude, Niederlassungen internationaler Unternehmen und Wohnkomplexe für die Menschen in dieser boomenden Stadt, deren junge Bevölkerung in den nächsten 20 Jahren von momentan bereits gut 700 000 Einwohnern auf knapp das Doppelte anwachsen soll. Die Menschen sind stolz auf das, was hier geschaffen wird. Die Zukunft ist mit Händen greifbar, es gibt Arbeit, Bildung, Konsum und Wohlstand.

Kleine Kinder sind allgegenwärtig und überall dabei: sie springen durch die schneeweiße Nur-Astana-Moschee während der Imam eine Hochzeitszeremonie abhält, erleben auf dem Arm der Mutter den russisch-orthodoxen Gottesdienst oder staunen über die blitzenden Instrumente der unbeholfen marschierenden uniformierten Blaskapellen.

Baum des Lebens

Nirgends sonst findet man eine solche Anhäufung von international Aufsehen erregenden Gebäuden. Der Präsident "himself" skizzierte den Bajterek-Tower, die architektonische Interpretation der kasachischen Legende eines mythologischen Vogels, welcher in die Krone des Baums des Lebens sein goldenes Ei gelegt hat. Die riesige Glaskugel in luftiger Höhe von über 100 m erinnert von innen an die Berliner Reichstagskuppel und ist eines der beliebtesten Sightseeingziele kasachischer Familien.

Vielfältige Kulturen

Über 50 verschiedene Volksgruppen vereint der Staat. Entsprechend bunt und vielfältig sind ihre Kulturen. Zu Ehren des Jubiläums pulsiert die Stadt: Konzerte und Darbietungen an allen Ecken, Höhepunkte sind traditionelle Musikwettbewerbe, deren Sieger vom Applaus eines enthusiastischen und kenntnisreichen Publikums gekürt werden.

Beeindruckende Architektur

Das Ende der Achse beschreibt die galaktisch anmutende Zeltkonstruktion des vom britischen Erfolgsarchitekt Norman Foster 2010 errichteten Khan Shatyr Entertainment Center. Unter dem auf 150 m Höhe aufgehängten lichtdurchlässigen Foliendach findet sich ein ultramodernes Konsum- und Freizeitparadies. Das Erlebnisbad mit Tropenstrand im obersten Stock ist genau das Richtige, um den Kasachischen Wintertemperaturen von gerne mal -40 °C zu entfliehen.

Gegen Osten ist die Stadt in rasantem Wachstum begriffen. Den zukünftigen Mittelpunkt bildet ein wahrhaft erstaunliches Bauwerk: eine gigantische Pyramide aus Glas. Architekt ist wiederum Norman Foster. Noch erstaunlicher ist ihr Verwendungszweck: Sie wurde als "globales Zentrum für interreligiöses Verständnis, Gewaltverzicht und die Förderung von Glauben und menschlicher Gleichberechtigung" errichtet, um den periodisch von Nasarbajew dort einberufenen internationalen Kongress der Weltreligionen zu beherbergen. Und ganz im Sinne dieses Strebens ist das mehrheitlich muslimische Kasachstan ein anschauliches Beispiel dafür, wie Anhänger von mehr als 40 Konfessionen in Frieden und Eintracht leben können.

Text: Silwen Randebrock, MARCO-POLO-Autorin

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