Zugreisen weltweit: Gleisschau

Oft bedeutet sie nur den Einstieg in die große Reise, das notwendige Übel, das man in Kauf nehmen muss, um dorthin zu kommen, von wo aus der Flieger endlich in den Urlaub startet. Was aber, wenn die Zugreise an sich der Urlaub wäre? Das Rattern der Schwellen der Soundtrack zum großen Trip? Die am Horizont schimmernden Schienen der Highway ins Abenteuer? Für Reisende, die Lokomotive und Waggons zu ihrem Domizil auf Zeit machen, gilt eine der fundamentalsten Wahrheiten des Unterwegsseins: Der Weg ist das Ziel. Zurücklehnen, aus dem Fenster sehen, stauen – großes Urlaubskino. Das Ticket zur Cinemascope-Erfahrung können Sie überall auf der Welt lösen, ob Sie nun durch Nordspanien fahren, durch die Weiten Australiens, entlang der südafrikanischen Küste oder sogar aufs Dach der Welt. Dabei ist alles drin: Luxus pur, Panorama satt oder Abenteuer vom Feinsten.

Zugreise gleich Zeitreise

Wer in einem der großen Reisezüge in Europa ein Abteil besteigt, der erlebt in vielen Fällen auch gleiche einen Trip in die Vergangenheit. Nicht nur im Venice Simplon-Orient-Express, der mit seinem Interieur in die Welt von Agatha Christie entführt, auch in anderen Luxuszügen. Dem Al Andalus Expreso etwa, dessen 14 Waggons im Stil der „Belle Epoque”, durchs südliche Spanien rollen, vorbei an Cordoba, an der Alhambra und der Sherrymetropole Jerez. Ein besonderes Vergnügen, das seinen Preis hat: 2700 Euro sind für sieben Tage in der Doppelkabine zu bezahlen. Hoch oben im Norden sind auch die Preise ein bisschen höher. Vier Nächte im Royal Scotsman, dem Zug der Züge voll aristokratischem Luxus und edwardianischer Atmosphäre, schlagen mit rund 4500 Euro zu Buche, ein Siebentagestrip liegt bei 7300 Euro. Gediegener können Sie die herbe Schönheit der schottischen Highlands nicht kennen lernen.

Schienentrip mit Pub-Wagen

Zwischen der Brandung der Biskaya und den Weiten Kastiliens ist El Transcantábrico unterwegs, eine komplett restaurierte Schmalspurbahn mit verschiedenen Schlaf-, Salon- und Pub-Wagen. Nachts steht der Zug im Bahnhof, so dass Sie auf eigene Faust ins spanische Leben eintauchen können, tagsüber gibt’s Ausflüge im Luxusbus. Der Zug braucht acht Tage für die 1000 km lange Strecke zwischen León und Santiago de Compostela, Kosten: rund 2200 Euro. Wenn Sie sich zusammen mit ein paar Freunden einen ganzen Zug mieten wollen, dam empfiehlt sich der Majestic Imperator: sechs luxuriöse Waggons, die dem österreichisch-ungarischen Kaiserzug nachempfunden sind und für Fahrten zwischen Wien, Salzburg, München, Budapest, Prag und Venedig gechartert werden können.

Ans Ende und aufs Dach der Welt

Die ganze Welt, so scheint’s, ist ein Bahnhof und was sie zusammenhält, das sind die Schienen. Asien, zum Beispiel, mit der Transsibirischen Eisenbahn, der Traumstrecke aller Zugabenteurer: 9289 km führt sie von Moskau nach Wladiwostok – und ist ein Erlebnis mit Verlängerungsgarantie. Ob transmongolisch, transmandschurisch oder entlang der Seidenstraße, am Ende der Strecke (Baikalsee! Wüste Gobi! Chinesische Mauer!) wartet China voll geheimnisvoller Exotik. Das Reich der Mitte lässt sich ebenfalls prima per Bahn erkunden. Jadekaiser heißt voll typischer Poesie der Zug, der entlang der Chinesischen Seidenstraße unterwegs ist (Shanghai – Hongkong), der Shangri-la-Express befährt ebenfalls die Seidenstraße (21 Tage Peking – Moskau). Die Bahn mit dem Namen des mythischen Himalaya-Reichs verkehrt seit 2007 auch auf der höchstgelegenen Strecke der Welt, der Tibetbahn von Peking nach Lhasa. Es ist eine Reise, die man mit diesem Zug wohl, wenn überhaupt, nur einmal im Leben macht: Das Billet kostet schlappe 18 400 Euro.

Nach oben