Transsibirische Eisenbahn: Morgenkaffee vor Ulan-Bator

Worin liegt der Reiz einer Eisenbahnreise, in Deinem Fall mit der Transsibirischen Eisenbahn?

China stand als Reiseziel von Anfang an fest. Aber warum immer nur fliegen? Der Weg sollte das Ziel werden: von Moskau durch die Weiten Sibiriens und durch die Mongolei bis nach China und Hongkong. Spannend war für mich vor allem: Wie erkennt man unterwegs den Wandel der europäischen Kultur hin zur asiatischen? Finden die Veränderungen langsam statt oder geschieht es sprunghaft, z.B. direkt an den Landesgrenzen? Genau dies machte den Reiz der Reise aus: viele Kulturen und die Übergänge zwischen ihnen kennen zu lernen.

Hat die Reise Deine Erwartungen erfüllt? Und was kam völlig unerwartet?

Auf meinen Reisen lasse ich mich lieber überraschen und plane ungern allzu viele Details. So wurde jeder Tag zur neuen, spannenden Erfahrung. Vorher fragte ich mich, wie man die lange Zeit im Zug von Moskau nach Irkutsk am Baikalsee, dem ersten Ziel, wohl überstehen würde? Würde es nicht nach zwei Tagen langweilig im Zug werden? Ich hatte Bedenken – und alles kam ganz anders. Man passt den eigenen Rhythmus dem des Zuges an, liest viel, hört Musik, liegt auf dem Bett und sieht hinaus in die Weite Sibiriens. Hunderttausende Birken rauschen vorbei, ab und zu ein einsames sibirisches Dorf,  in dem die Zeit stehen geblieben zu sein scheint. Man kommt zur Ruhe, zum Nachdenken. Die Erkenntnis kommt ganz plötzlich: Morgen kommen wir an! Und man wünscht sich insgeheim, weiterzufahren.

Gibt es einen ganz besonderen Höhepunkt auf der Reise, der Dir in Erinnerung geblieben ist?

Solche Höhepunkte gibt es viele. Ein ganz besonderer Moment war die Ankunft frühmorgens in Ulan-Bator, der Hauptstadt der Mongolei. Ich war bereits sehr früh aufgestanden, es war erst kurz nach vier und draußen noch absolute Dunkelheit. So saß ich also da, hatte mir mit dem heißen Wasser aus dem Samowar frischen Cappuccino zubereitet und schaute nach draußen. Bald konnte ich vor dem Zugfenster einige Details ausmachen. Die Landschaft war karg, keine Berge, keine Hügel, keine Bäume oder Pflanzen. Ein erster Eindruck der Wüste Gobi, die der Zug später noch durchquert. Die Kargheit und Weite, die Stille um mich herum, das alles war eine ganz besondere Situation. Dann rührten sich im Zug die ersten Mitreisenden, und ganz weit in der Ferne, deutlich gegen die weite Landschaft und erleuchtet von den ersten Sonnenstrahlen, tauchte Ulan-Bator auf.

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