Südliche Metropole: Madrid-Marathon

Flucht in die Sonne: Madrid-Marathon

Der Mann mit dem Hut hat gut lachen. Er lehnt in der Sonne, stemmt die Arme in die Hüfte, lässt die Gitarre lässig baumeln – und ist mit bestem andalusischem Sherry randvoll abgefüllt. Tio Pepe heißt er, und seine luftige Adresse lautet: Puerta del Sol, Ostecke, Dachfirst. Doch auch wer von der Plaza auf das beliebte Orientierungszeichen der Madrilenen, nämlich das flaschenförmige Sherry-Werbemännchen „Tio Pepe“ hochblickt, hat in der Regel gut lachen. Denn man könnte schlechter gelandet sein als an der Puerta del Sol, dem pulsierenden Herzen der spanischen Hauptstadt. Musikfetzen und hupende Autos, bunte Grüppchen von Straßen-Jazzern und -Jongleuren lassen kaum einen Zweifel aufkommen, dass man hier, an der wahren Drehscheibe der Madrider Innenstadt gelandet ist, und zugleich am Kilometer Null des spanischen Straßennetzes. Viele Fäden der Stadt führen an der Puerta del Sol zusammen, ganz nach Belieben kann man sich daraus seine Lieblingsroute stricken.

Arkaden mit Logenplatz

Wer etwa üppige Fresken und melancholischen Marmor liebt, der schlendert hinüber ins Madrid der Habsburger, und betritt so eine in ochsenblutrote Gemäuer und Blattgold gefasste Freilichtbühne der großen und kleinen Geschichte(n). Plaza Mayor heißt der rechteckige Platz, an dem man seinen Café con leche in die Sonne stellt und vielleicht ein Gefühl für die historische Bedeutung des Karrees mit den imposanten Arkaden gewinnt. Hinrichtungen, Stierkämpfe, ja sogar die Seligsprechung des Madrider Stadtheiligen San Isidor bot der Plaza Mayor dem Volk – und zwar live und in bestem Breitwand-Format. Straßenmusik, Freiluft-Cafés und originelle Lokale wie die „Taberna del Foro“ mit ihrer Stierkopfbar sorgen auch heute für einen kurzweiligen Aufenthalt.

Königliche Botanik

Lauschige Ecken zählen zu den Stärken dieser Stadt. Das beweisen die angesagten Tapas-Bars der wenige Schritte vom Plaza Mayor gelegenen Straße Calla de Cava. Aber auch die vis-a-vis vom Kunsttempel Prado gelegene königliche Pflanzensammlung des Botanischen Gartens wäre ein geruhsamer Tipp. 30 000 Bäume und Pflanzen aus dem spanischen Kolonialreich schlagen hier eine echte Oase in die Madrider Innenstadt und erlauben eine Reise in achtzig Minuten um die Pflanzenwelt – Verschnaufpause inklusive. Wer die nächste Etappe seiner Stadtrunde per Ruderboot zurücklegen möchte, sollte das nur wenige Schritte entfernte Estanque-Gewässer im Retiro Park ansteuern. Aber Vorsicht: Schon König Philipp IV. ließ hier einst die Schlachten der Armada nachstellen, und mitunter crashen einem die Ruderboote halbstarker Sonntagskapitäne in die Backbord-Backe. Kein Wunder, dass der Retiro bis 1869 als Privatpark der königlichen Familie diente. Heute finden sich hier Straßenmusiker, Porträtmaler und Wahrsagerinnen, sowie als glitzerndes Kleinod der 1887 entworfene Palacio de Cristal, ein Meilenstein auf dem Wege der modernen Baugeschichte, in dem nun Kunstausstellungen gezeigt werden.

Nach oben