Liparische Inseln: Zyklopen, Lavastrand und Feuerspeier

Fischkutter schaukeln friedlich in Liparis kleinem Hafenbecken, und das Einzige, was im Moment drängt, ist die Frage: Was tun nach Cappuccino und Cornetto? Etwa mit dem Inselbus zum Aussichtspunkt Belvedere hinauf gondeln, und dann die malerisch steile Küste hinunter klettern, auf dem schmalen Maultierpfad, der an einer einsamen, kleinen Lavasandbucht endet? Oder doch lieber die Fähre nehmen und vom beschaulichen Lipari Stadt zur benachbarten Insel Vulcano hinüberschippern? Reizvoll ist an den nördlich von Sizilien gelegenen Liparischen – oder Äolischen – Inseln ja vieles. Das beginnt bereits bei den Mythen, die die Geschichte der sieben verschwisterten Inseln überlagern: Den olympischen Windbeutel Äolus soll es auf die nach ihm benannten – und tatsächlich erstaunlich windigen – Eilande verblasen haben. Und auf der Insel Vulcano spielte angeblich bereits die griechische Gottheit ebendiesen Namens mit dem Feuer. Der römische Dichter Vergil berichtet gar, hier die einäugigen Zyklopen gesichtet zu haben.

Schlammbad auf der Zyklopeninsel

Dass Vulcano zu den meistbesuchten Destinationen des Archipels zählt – Lipari, Stromboli, Salina, Panarea, Alicudi, Filicudi heißen die anderen Eilande – ergibt sich nicht nur aus der geografischen Nähe zu Sizilien. Denn besonders eindrucksvoll prägt das vulkanische Erbe hier den touristischen Alltag. Eine Reihe von Thermalquellen, natürlichen Schwitzhöhlen und Schlammbädern bescheren Vulcano einen natürlichen Wellnessvorteil, wobei heiße und direkt an der Küste austretende Quellen das Meer mitunter bei Badewannentemperatur sprudeln lassen. Anstrengender als solche Bäder ist da schon die Besteigung des Vulkankegels des Gran Cratere, der mit den elementaren Zutaten der Liparischen Inseln aufwartet: schwarzem Gestein, Lavabrocken, Scherben aus glänzendem Obsidian. Immer wieder zischen unterwegs Schwefelfumarolen aus den Öffnungen der steilen Geröllhalden und färben die direkte Umgebung in ein kräftiges, sulfurisches Gelb. Nur gut also, dass Äolus hie und da kräftig auf seinen Blasebalg drückt und den beißenden Geruch mit frischen Böen wegpustet.

Der Star faucht

Atemberaubend ist aber auch der Blick, der sich vom Kraterrand aus über das blitzblaue Meer und die felsigen, von spektakulären Steilküsten gesäumten Nachbarinseln auftut: Links außen geben sich die etwas entrückten und farblosen Inseln Alicudi und Filicudi eher bescheiden. Daran schließen das überraschend grüne, für seine Malvasia-Weine berühmte Salina, sowie die Hauptinsel Lipari und die Jetset-Insel Panarea an. Weit draußen aber, solitär und einsam den Hintergrund dominierend, faucht schließlich der Star der gesamten Inselgruppe: die unnahbare Diva namens Stromboli, Europas einziger permanent tätiger Vulkan.

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