Open Explorers Weltreise: Wohin der Wind weht

Lars und Daniel haben ein Projekt, das sie in drei Zahlen zusammenfassen: 210 – 2 men, 1 world, 0 money. Dazu: 2 Motorräder, kiloweise Ausrüstung und jede Menge Abenteuerlust. Gehen Sie mit, auf eine ganz besondere Reise um die Welt.

Interview Teil 1

Die beiden Mediendesigner aus Berlin sind gerade zu ihrem Trip rund um den Globus aufgebrochen. Wer will, kann das Duo auf dem MARCO POLO Portal begleiten. Hier notieren sie täglich ihre Erlebnisse, ihre Gefühle und Gedanken, laden Bilder und kleine Filme hoch. Die lückenlose Dokumentation einer Reise, die auf zwei Jahre angelegt ist – aber auch viel länger dauern kann. MARCO POLO hat mit den beiden Abenteurern gesprochen:


Wie geht’s Euch jetzt gerade, am 11. September 2008 und am Tag 12 Eurer Weltreise?

Interview Teil 2

Daniel: Der Abschied von meinen Eltern war natürlich nicht ganz leicht, aber jetzt, nachdem es endlich losgegangen ist: Ich fühle mich super, offen für alles. Allerdings fahren wir noch zu meiner Freundin nach München, von der habe ich mich noch nicht verabschiedet.

Wie lange wollt Ihr unterwegs sein?

Interview Teil 3

Lars: Wir haben jetzt mal für zwei Jahre geplant, das glauben auch unsere Freundinnen (grinst). Wir haben allerdings mit ihnen ausgemacht, dass wir uns auch mal irgendwo auf der Welt treffen, wenn wir wissen, dass wir irgendwo länger bleiben. Wir wollen uns jedenfalls zeitlich nicht festlegen, das alles kann natürlich auch viel länger dauern, je nachdem, was uns begegnet und wie schnell wir vorankommen.

Interview Teil 4

Will heißen: wie viel Geld Ihr zur Verfügung habt. Es ist ja tatsächlich so, dass Ihr praktisch ohne Kohle unterwegs seid?

Daniel: Ja, das ist der Extrakick: Wir wollen um die Welt aber ohne Geld. Die Kunst ist eben, aus der Not eine Tugend zu machen. Auf einer meiner früheren Reisen bin ich in Australien angekommen, hatte gerade mal 500 Euro in der Tasche und war trotzdem wochenlang im Land unterwegs. Deshalb haben wir auch keine festen Pläne. Wenn uns das Geld ausgeht, müssen wir eben arbeiten.

Lars:
Meine Eltern haben einen Kredit aufgenommen, damit ich meinen Plan umsetzen kann, diesen Kredit muss ich natürlich auch während der Reise zurückzahlen. Um ehrlich zu sein, befindet sich mein Konto gerade im Dispo. Arbeiten ist aber nicht nur deshalb unumgänglich, denn wir haben ja auch Fixkosten: Versicherungen, Krankenkasse und und und.

Daniel:
Die finanzielle Situation hat auch ihre positiven Seiten. Es sind die besten Voraussetzungen, um in eine Kultur und in ein Land einzutauchen. Es ist schon was anderes, wenn ich mich immer mit meiner Visa-Karte um alle Schwierigkeiten drumrum kaufen kann.


Wann kam Euch die Idee zu dieser Reise?


Lars: Das ist mittlerweile zwei Jahre her. Ich hatte noch nicht mal einen Motorradführerschein, als wir die Entscheidung getroffen hatten. Dann mussten wir auch noch das Studium beenden, bevor wir starten konnten. Seit April/Mai waren wir dann rund um die Uhr beschäftigt um alles auf die Reihe zu kriegen.

Daniel: Man braucht einfach jede Menge Zeit für die Vorbereitungen. Es ist nicht so, dass man sich heute entscheidet und morgen losfährt. Es müssen jede Menge Papiere besorgt werden, carnets de passage und Visa, Versicherungen müssen abgeschlossen, Vollmachten ausgefüllt, das Equipment muss besorgt und vervollständigt werden und in gutem Zustand sein, außerdem muss man natürlich auch zu Hause ein Netzwerk aufbauen.


Du spielst auf Euer Vorhaben an, Eure Reise sozusagen live im Internet zu dokumentieren?

Daniel: Genau. Wir wollen, dass unser Vorankommen kontinuierlich im Netz beobachtet werden kann. Deshalb laden wir jeden Abend eine kleine Nachricht hoch, in der wir die Ereignisse des Tages zusammenfassen. Dabei schreibt jeder von uns seinen eigenen Text, so bekommen die Leser ganz unterschiedliche Bilder von einem einzigen Tag.

Lars:
Um das technisch zu bewerkstelligen, brauchen wir das erwähnte Netzwerk. Das sind jetzt zunächst einmal drei Leute in Berlin und Umgebung, die sich um unsere Website kümmern. Die sorgen dafür, dass sie ständig in zwei Sprachen aktualisiert wird, nämlich in Deutsch und Englisch. Vorbereitet sind auch noch Französisch und Spanisch, da gibt’s aber noch keine Übersetzer – wer also Lust hat . . . Wir verpflichten natürlich niemanden, das machen die Leute alles auf freiwilliger Basis.


Muss man für ein solches Vorhaben nicht jede Menge Equipment dabei haben?


Daniel: Klar. Wir haben zwei Laptops im Gepäck, zwei Handkameras und zwei richtig gute Filmkameras. Wir wollen nicht nur Fotos und Videos auf unsere Seite hochladen, wir sammeln auch Material für eventuelle Filmprojekte. Wir wollen filmisch richtig viel mitnehmen und können die Filme auch unterwegs schneiden und bearbeiten, das ist schließlich unsere Ausbildung.

Lars:
Damit der täglich Nachrichtenstrom nicht abreißt haben wir sogar ein Satellitenmodem im Gepäck. So können wir Updates auch in den entlegensten Winkeln der Welt hochladen. Ach ja, und eine Kummerbox gibt’s auch. Die haben uns unsere Netzbegleiter eingerichtet, falls wir mal unseren Frust loswerden müssen.


War das von Anfang an der Plan, die Reise im Web öffentlich zu machen?


Lars: Wir hatten gerade an einem gemeinsamen Projekt für die Uni gearbeitet, und da habe ich Daniel nachts um 3 erzählt, dass ich nach dem Studium erst einmal reisen will. Und so kam eins zum andern: Warum nicht gleich um die Welt und warum nicht mit dem Motorrad? Und die Idee mit der Internet-Seite war eigentlich von Anfang an dabei, oder Daniel?

Daniel:
Ja, das stimmt. Ich hatte ja schon vorher auf meinen Reisen viel gesehen und coole Zeiten erlebt – diese Art von Erfahrungen wollte ich auf diesem Trip auf jeden Fall teilen.


Ihr habt also schon Reiseerfahrung?


Lars: Ich bin noch nie aus Europa rausgekommen. Am meisten freue ich mich auf Australien und auf Brasilien, weil ich Capoeira trainiere.

Daniel: Ich war schon öfter länger unterwegs, freue mich auf diesem Trip aber besonders auf den Himalaya, auf Indien und auf Südamerika. Dort war ich zum Beispiel schon mal unterwegs mit einem russischen Geländewagen. Der soll unverwüstlich sein – hat aber die Reise auch nicht heil überstanden. Deshalb haben wir uns auch für Motorräder als Fahrzeuge entschieden.


Wieso genau?


Daniel: Motorräder sind leicht zu transportieren, wenn man zum Beispiel mit dem Schiff weiter muss. Außerdem sind sie leichter auszubuddeln, wenn man sich mal im Schlamm eingegraben hat, sie sind einfacher zu reparieren und man kann sie leichter irgendwo stehen lassen, wenn man mal eine Extratour ohne Fahrzeug machen will. Man ist einfach unabhängiger. Außerdem ist Motorradfahren für mich wie meditieren: Ich muss nur dem Straßenverlauf folgen und kann meine Gedanken frei schweifen lassen.

Lars:
Wir haben jede Menge Ersatzteile dabei, und nachdem wir die Maschinen vor der Abreise komplett auseinander genommen haben, kennen wir sie jetzt auch in- und auswendig. Dafür dass ich vor ein paar Monaten gerade mal den Luftdruck prüfen konnte . . .

Daniel: Das Fahren ist allerdings nicht gerade ein Zuckerschlecken: Die Maschinen wiegen vollgetankt und mit Fahrer etwa 420 kg – da fährt sich’s doch etwas schwammig.


Wo soll’s denn jetzt von Stuttgart aus hingehen?


Lars: Ich fahre einfach hinter ihm her. (lacht)

Daniel:
Zunächst mal nach München, und dann was sich so anbietet. Die grobe Richtung sollte erst mal Süden sein, nach Italien, und dann Richtung Osten: Türkei, Iran, Pakistan, Indien, zwischendrin wollen wir für eine Arbeitspause in die Vereinigten Arabischen Emirate überwechseln. Wir wissen nicht, was kommt, aber wir wollen alles mitnehmen.

Lars:
Wir schauen einfach mal, wohin der Wind uns weht.

Tja, der Wind. Der wehte die beiden – entgegen aller Planungen – wieder zurück nach Norden. Seit dem 22. September sind Lars und Daniel unterwegs nach London, wo sie ein attraktives Job-Angebot bekommen haben, das sie im Hinblick auf ihre Finanzen nicht ausschlagen konnten. Wer die beiden bei diesem und den vielen anderen Abenteuern, die mit Sicherheit auf sie warten, begleiten will: Auf Marcopolo.de gibt’s jeden Tag aktuelle Updates, Fotos und Videos.

Text und Interview: Jens Bey

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