Sandalgarve: Ode an den Osten

Flach zieht sich die Praia Manta Rota, mit 18 km der längste Strand der Algarve, dahin. Pinienhaine setzen hier, wenige Kilometer neben der spanischen Grenze, grüne Tupfer in die Dünenlandschaft, am schönsten an der Praia Verde, dem „grünen Strand“. Von zackigen Klippen und Steilküste keine Spur, hier im Osten der Algarve, im Sotavento. Sie verdient die Bezeichnung Sandalgarve zu Recht.

Ritterromantik und Vogelparadies

Anstelle markanter Felsnadeln prägen wehrhafte Bauwerke die Ufer des Grenzflusses Rio Guadiana. Gleich zwei Burgen überragen wenige Kilometer oberhalb der Mündung, beim verschlafenen Örtchen Castro Marim, seit einem halben Jahrtausend die Marschen der umliegenden Guadiana-Niederung. In der gleißenden Mittagshitze flimmert Andalusien jenseits der Grenze wie eine Fata Morgana am östlichen Horizont.

Ein Fluss wie ein Spuk

Wie ein Spuk verflüchtigt hat sich vor allem aber der Grenzfluss selbst. Einst schipperten Lastkähne bis in die nördliche Nachbarprovinz Alentejo, und Castro Marims Kastell glich einer Insel im Fluss. Heute ist der Guadiana  zu einem dünnen Rinnsal verkommen, und den hier lebenden Reihern reicht das Wasser gerade bis an die Knie. Immerhin: Mit etwas Geduld (und einem guten Feldstecher) kann man in den sumpfigen Niederungen und Salzwiesen des umliegenden Naturparks Sapal do Castro Marim den zahlreichen Stelz- und Seevögel beim Knacken der Muscheln und Krustentiere zusehen. Eine leise Attraktion für sich.

Sandbank in Sicht

Wer von Faro, der lebhaften Hauptstadt des Sotavento, an Bord einer urigen Schmalspurbahn Richtung Osten zuckelt, darf sich über weite Strecken an einer ähnlichen Optik erfreuen. Wie zerbrochene Scherben glitzern die stillen Wasserflächen und Sandbänke des Naturparks Ria Formosa im flirrenden Licht. Das 18 000 ha große, von mächtigen Sandbänken geschützte Gewirr aus Marschen und Watt zieht sich bis zur spanischen Grenze und überrascht Besucher mit einer ganz „anderen“ Algarve: weitläufige Lagunen, Schilfgräser und Muschelfelder. Fähren mit bunten Wimpeln schippern die Badegäste zu den weitläufigen Stränden vorgelagerter Sandbänke. Andere durchkreuzen die Wasserstraßen des Haffs lieber an Bord des nostalgischen Gaffelseglers „Gageiro“, eines musealen Ausflugsboots.

Pudel mit Schwimmhäuten

Der Alltag der Algarve erinnert in mancherlei Hinsicht noch an die Jahre vor Touristi Geburt. In vergessenen Fischerdörfern wie Culatra auf der gleichnamigen Insel leben die Einheimischen bis heute von Muschelfeldern im Wattenmeer, und in den umliegenden Salzbecken wird weiterhin die Hälfte der portugiesischen Salzproduktion abgewickelt. Alte Gezeitenmühlen erinnern an eine vorindustrielle Müllerromantik – und Riesenpudel mit Schwimmhäuten an die Algarve-Fischer. Kein Scherz: Cão del Agua heißen sie – „Wasserhunde“ – und  die Geschichten über sie sind legendär. Manche der Wasserhunde waren auf Thunfischjagd abgerichtet und apportierten entkommende Fische wie Jaghunde einen angeschossenen Fasan.

Informationen- Flitterwochen:

Portugal ist auch ein ideales Ziel für eine Hochzeitsreise: Klares Atlantikwasser, frische Luft zum Durchatmen und herrliche Strände. Das Land ist aber auch durch die vielfache Besiedelung unterschiedlicher Kulturen geprägt.

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