Im Hinterland: Himmelwärts

Wechsel ins bergige Hinterland der Algarve. Und Zeitsprung, ganze 300 Jahre weit zurück. So alt, meint die Dame des Hauses im Hotel „Quinta de São Bente“, sei das Rezept ihres mit viel Liebe und Knoblauch zubereiteten Fasans. Wer will, bekommt zum nachfolgenden Honigpudding-Dessert auch noch ein Gläschen Medronho kredenzt: Baumerdbeer-Branntwein von den hauseigenen Erdbeerbäumen.

Herrschaftlicher Ausblick

Tradition wird hier, auf dem ehemaligen Landsitz der portugiesischen Herrscherfamilie der Braganzas, der heute als kleine, feine Pension dient, großgeschrieben. Von der guten Lage gar nicht erst zu reden: An klaren Abenden sehen die Gäste zwischen Kastanienbäumen und Eichen bis ans Meer, und die terrassierten Hänge der Serra de Monchique streben wie eine lange, elegante Treppe auf den Atlantik zu.

Vom Glühen zum Kühlen

Gerade einmal 25 km sind die nächsten Algarvestrände von Monchique, dem größten Bergort der Algarve, entfernt. Doch schon nach wenigen Höhenmetern wirken die heiß glühenden Sandsteinszenerien der Südküste wie das Flirren von einem fremden Stern. Unerwartet frisch schieben sich bei der Anfahrt von Portimão die zunehmend dichter werdenden Wälder vor die Sonnenbrille.

El Dorado für Botaniker

Die kühlere, niederschlagsreiche Witterung beschert dem grünen Bergland eine reichhaltige Vegetation – wobei die ausgedehnten Eukalyptus- und Korkeichenwälder heute mehr als zwei Drittel des Hinterlandes bedecken. Sogar Exoten wie die afrikanische Yams-Wurzel gedeihen hier. Sie ist eine von rund tausend Pflanzenarten, die das Ausflugsziel im Nordwesten der Algarve auch zu einem Geheimtipp für Botanikfreaks, Wanderer und Mountainbiker macht.

Barfuß im Biopark

Dicht geknüpft ist auch das historische Erbe der Region. Von Brombeerstauden überwucherte Gehöfte erinnern an den unfreiwilligen Dornröschenschlaf einer einst prosperierenden Region. Im 18. Jh. machten sich die Woll- und Leinenwebereien von Monchique einen überregionalen Namen, jetzt profitieren Luchs und Adler von der Abwanderung ganzer Familien in die boomenden Küstenorte. Die Monchique, im Gegenzug, bekam das weltweit erste Biopark-Netzwerk. Rund 1000 km Wanderwege wurden angelegt, und verbinden nun Wälder, Süßwasserseen, botanische Gärten, innovative Energieprojekte und historische Sehenswürdigkeiten. Wahre Romantiker können diese Attraktionen sogar im Rahmen von geführten Vollmondwanderungen entdecken, oder mieten sich in die Steinhäuser eines dicht geknüpften Ferienhausnetzwerks ein – idealerweise mit meditativer Ostlage und Tai Chi-Seminar.

Gipfeltreffen mit Panoramablick

Reizvoll ist auch Monchique selbst, der verschlafene Hauptort. Steile Gässchen und Stufen machen Lust auf ausgedehnte Spaziergänge, während das kunstvolle Hauptportal der Matriz-Kirche sogar Monchiques „Defizit“ an Fischerbooten ausgleicht. Seemännisch geschlungene Steinknoten umrahmen das Eingangstor, ein katholischer Hafen im manuelitischen Stil. Einige Straßenkilometer weiter oberhalb schält sich das Dach der Algarve aus dem Morgennebel. Mit 902 m Seehöhe zählt der Mt. Fóia zu den wahren Höhepunkten jeder Algarve-Hinterhoftour – auch wenn die Sichtweite oft nicht ganz mithalten kann. Lichtet sich der morgendliche Dunst, so tauchen zwischen den rundlichen Felsblöcken grasende Schafe und ein Hauch von Almenromantik auf, dazu gibt’s hübsch verstreute Steinhäuser mit Logenplätzen beim Gemüsebeet.

Informationen

Übernachten:

Quinta de São Bento
5 Zi., Estrada da Fóia, Monchique, Tel. 00351/282/91 21 43, Fax 91 27 00
Der ehemalige Feriensitz des portugiesischen Königshauses Braganzas in 800 m Höhenlage bietet 5 individuelle Zimmer. Viele Antiquitäten, ausgezeichnetes Restaurant.


Wandern:

Touren-Infos im bergigen Hinterland der Algarve bieten folgende Websites:

asi.at Die Wanderspezialisten der Alpinschule Innsbruck.
algarvewindow.net
wandern-algarve.de
wandern.de

Informationen zu Monchique und dem Biopark-Network:
monchique.com

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