Bei den Wolkenmenschen: Nebelschätze

Noch vor den Inkas baute das Volk der Chachapoya riesige Festungen. Nur wenige Touristen besuchen die Ruinen in den Nebelwäldern der Anden. Eine unvergessliche Reise durch die Zeit.

So fühlt es sich also an, wenn man in den Wolken lebt. Ein bisschen feucht, ein bisschen klamm, aber vor allem völlig weltentrückt. Weiße Schleier vor üppigem Urwald, riesige Bäume, Bromelien, Orchideen, alle Schattierungen von Grün, nur unterbrochen von uralten Gebäuden, die sich die üppige Vegetation langsam zurückholt. Chachapoya, Wolkenmenschen, wurden die Erbauer der riesigen Festung Kuelap in Nordperu von den Inka treffend genannt: Hier, am östlichen Andenhang, hoch über der brodelnden Hitze des Amazonasbeckens, herrscht ewiger, geheimnisvoller Nebel. Im Nebel liegt auch das Wissen um das Woher des großgewachsenen, kriegerischen Volkes und das Warum ihres Siedelns in völliger Abgeschiedenheit in 3.000 m Höhe. Das Wohin ist bekannt: Die Inka unterwarfen die Chachapoya und versklavten sie. Kuelap geriet in Vergessenheit, selbst die spanischen Eroberer fanden die mystische Wolkenfestung nicht.

Zweites Machu Picchu

Spurensucher in der altamerikanischen Geschichte wissen es schon lange: Perus archäologische Schatzkammer ist gefüllt mit Funden zahlreicher hochinteressanter Kulturen. Die faszinierendsten weil rätselhaftesten unter ihnen sind zweifellos die vorinkaischen wie eben die Chachapoya. Und da die Ausgrabungsarbeiten vielfach noch in vollem Gang sind, darf stets mit neuen sensationellen Funden gerechnet werden. Im Bergregenwald rund um Chachapoya – die Stadt trägt denselben Namen – werden die Siedlungsreste und Zeremonienstätten erst seit kurzem von Archäologen erforscht. Kuelap, im 12. Jh. erbaut und erst 1843 wiederentdeckt, wird gern als zweites Machu Picchu Perus bezeichnet – allein der mühselige Weg dorthin ersparte der bedeutenden Sehenswürdigkeit eine ähnlich steile touristische Karriere und einen vergleichbaren Besucherandrang.

Ins Land der Wolkenmenschen

Die Reise ins Land der Wolkenmenschen ist unvergesslich: Von Cayamarca aus, rund 340 km südwestlich auf der anderen Seite der Berge, geht es auf schmaler Schotterpiste über den atemberaubenden Andenhauptkamm und entlang der Schlucht des tosenden Río Marañón – ein Trip, der zwei Monate gedauert hätte, hätte man ihn noch vor wenigen Jahrzehnten angetreten. Heute ist es eine stundenlange Rütteltour, an deren Ende dann ein architektonisches Highlight im Kolonialstil an der Plaza de Armas von Chachapoya wartet. Das kleine Städtchen, Hauptort in dieser von Armut gezeichneten Region, ist idealer Ausgangspunkt für Expeditionen in die Welt der alten Indianer, die auch heute noch abseits der großen Touristenströme liegt. Reizvoll ist die Region übrigens auch für Naturfreunde, besonders für Hobby-Ornithologen. Auf geführten Bird-Watcher-Trips können sie eine Reihe höchst seltener einheimischer Vögel beobachtet.

Nach oben