Machu Picchu: Frühstück bei den Inkas

Machu Picchu zählt zu den berühmtesten Stätten der Menschheit. Wer es geschickt anfängt, erlebt die Ruinen- stadt fast ohne Besucher. Hier erfahren Sie, wie.

„Ab wann gibt es Frühstück hier?“, fragt der Gast im Hotel Picoaga in Cuzco. „Ab 4.30 Uhr“, erklärt der freundliche Portier. Für ein Touristenhotel eigentlich deutlich zu früh. Doch das Angebot hat Gründe: Der Zug von Cuzco nach Aguas Calientes, mit dem die meisten Touristen nach Machu Picchu fahren, wenn sie nicht zu Fuß auf dem legendären Inka-Trail marschieren, fährt morgens kurz nach 6 Uhr – und eine halbe Stunde vor Abfahrt sollten die Passagiere am Bahnhof sein. Die knapp vierstündige Fahrt kostet selbst im einfachen, nicht sonderlich bequemen Backpackerzug rund 60 Dollar hin und zurück.

Wer zuerst kommt ...

Wer etwas Zeit mitbringt, für den lohnt es sich, bereits einen Tag vor dem Machu Picchu-Besuch mit dem Bus nach Ollantaytambo zu fahren, und von dort am Abend per Zug weiter nach Aguas Calientes, der reizvollen Kleinstadt im Urubambatal. Hier fällt eines sofort auf: Es ist deutlich wärmer, und zwar, weil sich die Stadt rund 1.300 m niedriger befindet als das auf 3.300 m Höhe liegende Cuzco. In Aguas Calientes können Sie vergleichsweise günstig übernachten, um dann am nächsten Morgen gleich um 6:30 Uhr mit dem ersten Bus nach Machu Picchu hinaufzufahren. So bekommen Sie eine einmalige Chance: die legendäre Ruinenstadt, die morgens häufig noch teilweise im Nebel liegt, zu bewundern, ohne dass schon ganze Heerscharen von Tagesbesuchern das Gelände bevölkern.

Riesige Anziehungskraft

Machu Picchu, die geheimnisvolle Stadt, in die sich die Inkas vermutlich in den Andenwintern zurückzogen, ist die Touristenattraktion Perus schlechthin. Deshalb ist sie auch entsprechend überlaufen. Früher aber hat sie großes Glück gehabt: Die Spanier hatten die Stadt nicht entdeckt und so blieb sie von Plünderungen verschont. Erst 1911, mit den Forschungen des Yale-Professors Hiram Binghams, begann die Erschließung der geheimnisvollen Ruinen, die von der beachtlichen Baukunst und den immensen astronomischen Kenntnissen der Inkas zeugen.

Atemberaubendes Panorama

Das Panorama der Ruinenanlage vor dem steil ansteigenden Wayna Picchu-Kegel ist mehr als beeindruckend. Doch die ungeheuere Anziehungskraft des Ortes, in dem zwischen 1.000 und 3.000 Menschen gelebt, gearbeitet, gebadet und die Sonne angebetet haben sollen, ist auch gleichzeitig sein größtes Problem: Jährlich kommen Hunderttausende – viel mehr Besucher, als die Ruinen, darunter auch gut erhaltene Reste von Wasserleitungen, Bädern und Tempeln, auf Dauer verkraften können.

Legendärer Inka-Trail

Die UNESCO hatte Machu Picchu deshalb vor einigen Jahren für eine Weile auf die Rote Liste des bedrohten Welterbes gesetzt. Ein Warnschuss für die peruanische Regierung, die geplant hatte, eine Seilbahn zu errichten, um den Zugang zur Ruinenstadt noch weiter zu vereinfachen. Im Fall des ebenso legendenumwobenen Inka-Trail, dem mehrtägigen Wanderweg nach Machu Picchu, hat die Regierung reagiert und die Wandermöglichkeiten streng kontingentiert. Mehr als 500 Trekker dürfen pro Tag nicht starten. In der Hauptsaison muss die Teilnahme an der 48 km langen 4-Tages-Tour oft Wochen vorher angemeldet werden.

Cuzco, der Puma unter den Städten

Die Hauptstadt des Inka-Reiches war allerdings nicht Machu Picchu, sondern das etwa 120 km entfernte Cuzco: Da die Inkas Tiere verehrten und als Gottheiten ansahen, legten sie die Stadt in Form eines gewaltigen Pumas an. Noch heute sind zahlreiche Inka-Mauern in Cuzco zu sehen – allerdings wurden meist Kolonialgebäude aufgesetzt. Dort, wo die Inkas ihre Sonnentempel hatten, bauten die Spanier katholische Kirchen. Ein Muss während des Cuzco-Besuchs ist der Ausflug zum Saqsaiwamán, der über der Stadt gelegenen ehemaligen Inka-Festung.

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