Amazonien: Im Dschungelcamp

In Peru liegt die Quelle des Amazonas. Das Reich der Jaguare und Tapire lockt mit Urwaldabenteuern, mit Bootsfahrten und komfortablen Lodges inmitten der Grünen Hölle.

Wo Flüsse Straßen sind und der Dschungel sich scheinbar ins Unendliche dehnt, da liegt die Kinderstube des mächtigen Amazonas. Sie umfasst das größte Flusssystem der Erde: Unendlich viele Tropfen, Rinnsale, Bäche, Flüsschen sorgen dafür, dass im Nordosten Perus ein Strom seinen Anfang nimmt, der einem ganzen Kontinent seinen Stempel aufdrückt.

Erste Stadt am Fluss

Wer den jungen Amazonas besucht, sollte sich Iquitos, mit rund 450.000 Ew. die erste Stadt am Fluss, nicht entgehen lassen. Sie hat es sich gemütlich gemacht zwischen dem Río Nanay und der linken Uferseite des Amazonas, ist Grande Dame mit Vergangenheit und Betriebsnudel in der Gegenwart – und das, obwohl der Hafen längst versandet ist und für den Handelsverkehr praktisch nicht mehr genutzt werden kann.

Flanieren, feiern, shoppen

Es sind die Touristen aus aller Welt, aber auch vor allem aus den USA, die Iquitos vor drögem Dämmerschlaf in tropischer Dauerhitze bewahren. Von hier aus geht es hinein in die Grüne Hölle, ins Dschungelabenteuerland ringsum, in erster Linie pauschal und, wer mag, auch individuell. Klar, dass wer in den Urwald aufbricht, vorher noch ein bisschen flanieren, feiern, shoppen möchte – auch wenn die Flusskreuzfahrten und die Ausflüge in die Lodges der Umgebung mittlerweile vergleichsweise luxuriös sind.

Für Amazonas-Romantiker

Einer wie der steinreiche Kautschukbaron Carlos Fermín Fitzcarraldo, der sicher nur halb so exzentrisch war, wie ihn Klaus Kinski in Werner Herzogs Filmklassiker darstellte, hätte sich dennoch köstlich amüsiert in der trubeligen Urwaldmetropole. Heute steht sein Grab im Reiseführer und ein beliebtes Restaurant trägt seinen Namen: Im Fitzcarraldo am Malecón, der Uferpromenade, die von allen nur Boulevard genannt wird, lässt die Speisekarte keine Wünsche offen. Die richtige Adresse für Amazonas-Romantiker – zumal in der Nachbarschaft viele Villen der reichen Kautschukbarone liegen. Mehr oder weniger erfolgreich widersetzen sich die typischen Kolonialhäuser mit ihren verschnörkelten Eisenbalkonen dem Zahn der Zeit, der Hitze und der Feuchtigkeit.

Launischer Fluss

Nicht so sehr der Zeit- sondern der Flusslauf macht Iquitos zu schaffen. Zwar flaniert es sich am Malecón noch immer mit Blick auf Wasser und Sandbänke, treten die Straßenkünstler am Ufer auf und verkaufen die Indianer ihren Federschmuck vor Amazonaskulisse, aber der unberechenbare junge Strom hat sich vor rund einem Jahrzehnt ein neues Bett geschaffen. Flusslaunen, die nicht gut für Iquitos sind: Noch immer wird in der Disko Noa-Noa zu Latin- und Rockmusik getanzt und im Teatro Café Amauta die tropische Nacht durchgemacht, aber die Besucherzahlen sind zurückgegangen. Viele Touristen lassen die Stadt links liegen, brechen vom Flughafen direkt in eine der Lodges im Regenwald auf – und verpassen echtes südamerikanisches Städtefeeling mit allem Schönen und Nervtötenden, das dazugehört.

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