... Tongariro Alpine Crossing: Himmel und Hölle

 

Über die Teufelstreppe

Nach etwa anderthalb Stunden geht’s richtig los. Kein Frösteln mehr. Schwitzen. Die Zwiebelschichten der Kleidung ablegen. Die Sonne kriecht über den Horizont, beleuchtet das Tal und die Ebene im Rücken der Wanderer. Nach einer weiteren Stunde ist es geschafft: Die „Devil’s Staircase“, die „Treppe des Teufels“, wie die rund 200 Höhenmeter zum South Crater heißen, macht ihrem Namen alle Ehre – und belohnt mit den Blick in eine himmlische Hölle. Wie mit einem unsichtbaren Pinsel schafft die Sonne aus einer dunkelgrün-grauen Fläche eine bunte Vulkanlandschaft.

Mit Frodo bergauf

Ein überwältigendes Szenario, das nach 10 Minuten für einen zusätzlichen Energieschub sorgt – und für eine Extratour: 2,5 Stunden zusätzliche Wanderanstrengung zu den bereits veranschlagten 6–7 Stunden bringt der Abstecher auf den vollkommenen, kegelförmigen Mount Ngauruhoe. 120 anstrengende Minuten lang geht es – oft auf allen Vieren – entlang der zu Fels erstarrten Lavaströme in den Geröllfeldern hinauf. Die Sonne wird mit jedem Schritt nach oben heißer, der Rucksack immer schwerer. Ja, so ungefähr muss sich Hobbit Frodo gefühlt haben, als er sich den Schicksalsberg hinaufquälte.

Die Zeit drängt

Inzwischen sind seit dem Start über 4 Stunden vergangen, und die umwerfende Aussicht auf die blau leuchtenden Kraterseen dauert nur kurz. Weitere 4,5 Stunden Marsch sind nämlich noch zu bewältigen, und um 15 Uhr wartet der Shuttle-Bus für die Fahrt zurück in die Zivilisation. Schön, dass es bergab rasend schnell geht, in riesigen Schritten übers lose Geröll. Weniger schnell ist dann der Aufstieg zum Red Crater, was nicht nur an dem teils spiegelglatt polierten Trampelpfad liegt. Die Entschädigung wartet am Ende: Das blau grüne Leuchten der Emerald und Blue Lakes, als die Sonne die Wasseroberfläche trifft. Aber, ob man sich je an den Schwefelgeruch gewöhnt?

Muskelkater und geplagte Füße

Mit den Wolken kommt ein Wechsel der Landschaft: Der Zickzackkurs führt jetzt auf speziell angelegten Wegen über Paddoxgras-Landschaften zur Ketetahi-Hütte. Noch ist der Himmel nicht bedeckt, der fantastische Blick geht über den Mount Pihanga und den Rotoaira-See bis hin zum Lake Taupo. Und dann, hinein in den Regenwald und mit geplagten Füßen, konditionell am Ende die letzten Meter zum Ketetahi Parkplatz. Die Bilanz des Tages: 1700 m hinauf und wieder hinunter, 20 km Wegstrecke, 9 Stunden beinahe pausenloses Gehen und Klettern. Dazu: einen höllischen Muskelkater für die nächsten fünf Tage. Und: ein unvergessliches Erlebnis in einer Landschaft, die nur ein Prädikat verdient – atemberaubend.

Nach oben