... Bay of Islands: Sehnsuchtsbuchten

 

Den Rückflug stornieren?

Um dieses gesegnete Gegend noch besser kennen zu lernen, muss man – sie verlassen. Erst vom Wasser aus wird deutlich, wie viele Stückchen Land Mutter Natur ins Meer gesprenkelt hat. 144 Eilande sollen es sein, mal große, mal kleine, mal bewohnte, mal einsame, und an mindestens zwei Drittel, so scheint’s zumindest, zieht die „R.Tucker Thompson“ vorbei. Knarzend und knarrend sucht sich der zweimastige Gaffelschoner unter Segeln den Weg durchs Insellabyrinth, und wenn dann noch eine Schule Delphine immer wieder den Bug kreuzt, dann schießt einem schon mal der Gedanke durch den Kopf: Eigentlich könnte man den Rückflug auch verfallen lassen. . .

Zeit in Hülle und Fülle

Aber noch schmeckt der Wind nach Salz, hebt und senkt sich der Segler in der leichten Dünung, die vom Meer in die Bucht rollt. Zurücklehnen, Wolken zählen, zeitlos werden. Und den motorisierten Ausflugsschiffen dabei zuschauen, wie sie durch den Hole in the Rock, den Loch im Felsen der Insel Piercy Island steuern. Ein Abenteuer, das nur bei ruhigem Seegang zu empfehlen ist, sonst stößt man sich den Kopf an der Höhlendecke. Wem das noch zu wenig Nervenkitzel ist: Der 1500-PS-Katamaran „Mack Attack“ zischt mit 100 Stundenkilometern zum Felsenloch – ein roter Strich zwischen meterhoher weißer Gischt und türkisgrünem Meer.

Trödeln ohne Reue

Mit dem Hochgeschwindigkeitsboot ist der Trip durch die Bay of Islands in gerade mal 90 Minuten vorbei. Die „R.Tucker Thompson“ dagegen lässt sich Zeit, spielt mit dem Wind und bummelt zurück in Richtung Russell. Langsam ziehen die Inseln vorbei, eine schöner als die andere. Ewig könnte das so weitergehen, und wenn man nicht aufpasst, hat man in Russell tatsächlich mal schnell ein paar langsam-enspannte Urlaubstage vertrödelt, die man doch eigentlich ganz anders nutzen wollte. Zum Beispiel, um das trubelige Paihia auf der anderen Seite der Bucht zu besuchen. Oder Neuseelands bedeutendste historische Sehenswürdigkeit, das Waitangi National Reserve, wo 1840 der Vertrag zwischen den britischen Kolonisten und den einheimischen Maoris unterschrieben wurde. Oder den hohen Norden, der „Far North“, mit dem unendlich scheinenden Ninety-Mile-Beach und dem vielfotografierten Leuchtturm von Cape Reinga.

Das Pub am Meer

Doch dann steigt man am Nachmittag hinauf auf den Flagstaff Hill nördlich von Russell, lässt den Blick schweifen über die Bucht der 140 und mehr Inseln bis hinüber nach Paihia. Die Sonne sinkt, und dann ruft das Pub im Duke of Marlborough, vor dessen Tür das Meer leise an den Strand plätschert. Und es ist gut, dass man dem „Höllenloch im Pazifik“ so viel Zeit geschenkt hat.

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