Trekking im Hohen Atlas: Auf Berberpfaden

Als erstes gibt es immer ein Glas Tee. Ob bei einer Rast im Schatten knorriger Wacholderbäume oder im gerade errichteten Gemeinschaftszelt – als erstes wird der chinesische Grüntee mit einem Büschel frischer Minze und mal weniger, meist aber mehr Zucker aufgebrüht. Denn ohne Tee läuft in Marokko gar nichts, auch nicht, wenn man zu Fuß im Hohen Atlas unterwegs ist. Dann wird das Nationalgetränk eben nicht aus fein ziseliertem Silber, sondern aus verbeultem Aluminium ausgeschenkt. Eine Woche lang geht es durch die Bergwelt der Berber, von Imilchil nach Zawyat Ahançal, auf der Nordseite des Atlasgebirges, weit im Osten von Marrakesch. Wer das ursprüngliche Marokko finden möchte, das verborgene Geheimnis dieses Landes, der kann es vielleicht hier entdecken.

Auf steinigen Pfaden von Berberdorf zu Berberdorf

Neun Wanderer, Bergführer Mohammed, ein Koch und sechs Maultiertreiber mit ihren geduldigen Lastenträgern: Das ist die Gruppe, die in dem Marktort Imilchil aufbricht. Etwas Kondition ist dabei schon gefragt, schließlich können die Tagesetappen auch mal acht Stunden dauern, durch grüne Täler und über staubige Pässe führen sie, mit 1000 m Höhenunterschied und mehr. Das meiste Gewicht wird den Maultieren aufgeladen – nicht nur die großen Rucksäcke aller Mitreisenden, sondern auch die Zelte, die Kochausrüstung, die Verpflegung für die gesamte Strecke. Und trotzdem: Mit ihrem Tempo kann kein Europäer mithalten. Ganz anders die Maultiertreiber, die ihren Tieren im Laufschritt über die steinigen Pfade folgen. Oft nehmen sie den direkten, dafür steileren Weg. Und so ist das Lager meist schon aufgeschlagen, wenn die müden Wanderer endlich ihr Tagesziel erreichen.

Leben und Überleben im Hohen Atlas

Anders als die Alpen ist der Hohe Atlas auch in hohen Lagen besiedelt. Wo immer sich ein Fleckchen fruchtbarer Erde findet, wird Ackerbau betrieben. Getreide, Kartoffeln, Zwiebeln: Viel wächst nicht auf dem kargen Boden. Doch es reicht für den eigenen Bedarf, manchmal auch zum Verkauf im nächsten Marktort. Auf den Feldern arbeiten vor allem die Frauen. Ihr wichtigstes Werkzeug ist die Handsichel. Wie wandelnde Büsche sieht man sie abends nach Hause laufen; die Ernte auf dem tief gebeugten Rücken, darunter zwei Beine in wollenen Strumpfhosen. Den Männern begegnet man eher abseits der Orte. Sie treiben ihre Ziegen auf die Weiden, gehen – mit hoch bepackten Maultieren – den oft weiten Weg zum Markt. Oder führen Touristen durch die Bergwelt ihrer Heimat.

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