City mit Vergangenheit: KL kolonial

Rosenäpfel wachsen hier. Saftig, hellrosa und mit wachsiger Haut, so wie Rubens seine Frauen malte. Ein kleiner Brunnen plätschert in ein sternförmiges Marmorbecken, und sitzt man am Rand, so übertönt er sogar die halbstarken Motorradraser am nahen Merdeka Square. Der Palmenhain neben dem Becken erinnert ans Tuscheln an den vanillezuckerweißen Stränden, die Malaysias Küsten säumen. Und eine Insel im anbrandenden Hochhäusermeer ist der kleine Garten der Moschee Masjid Jamek seit fast hundert Jahren ja auch geblieben – und zugleich der Anfang einer Erfolgsgeschichte namens KL.

Zuerst der Zinn, dann die Ziegel

Selbst die meistgefürchteten Immobilienhaie der Stadt bissen sich hier, am Zusammenfluss der Flüsse Klang und Gombak, die Zähne aus und ließen lieber die Finger von diesem historischen Nabel der jungen Stadt. 1907, als der britische Architekt A.B. Hubbock der Moschee die rosarotcremefarbenen Zwiebeldächlein aufsetzte, feierte KL gerade mal den Fünfzigsten. Begonnen hatte alles im Jahre 1857: Kuala Lumpur, der – wörtlich – „schlammige Zusammenfluss“ taugte damals gerade mal als morastiger, von Malaria verseuchter Handelsplatz, vom dem aus die Zinngruben des nahen Ampang versorgt wurden. Der schnelle Reichtum der Zinnbarone aber auch flächendeckende Brände und 1886 der Bau einer Eisenbahnlinie ins Klang Valley, der KL neben einigen feinen Villen auch tausende Ziegelhäuser bescherte, prägten die folgenden Jahrzehnte.

Zwiebeltürmchen, Rattanstühle und ein Staatspalast mit Lichterketten

Anno 1896, als Kuala Lumpur erstmals Hauptstadt der kolonialen „Föderation Malaysischer Staaten“ wurde, war die Stadt noch längst nicht so, wie sich die Briten einen Regierungssitz vorstellten. Der phantastische Bahnhof mit Zwiebeltürmchen (er dient heute auch als Heritage Hotel), das viktorianische Alte Rathaus und das imposante Sultan Abdul Samad Building, der heutige Oberste Gerichtshof, entwuchsen erst allmählich dem pittoresken Chaos des Handelspostens – und bilden heute das historische Rückgrat der Stadt. Beispiel Merdeka Square, einer jener Orte, an denen man das nostalgische Flair der Tropenhelm-Ära fast mit Fingern greifen kann. Cricket spielen die Kids hier auf dem gepflegten Rasen, und im Rattansesselbiotop des benachbarten „Royal Selangor Club“ surren Deckenventilatoren und Moskitos wie gehabt. Am schönsten ist die Gegend aber am Abend: Dann geben die mit Lichterketten nachgezeichneten Konturen des verspielten Sultan Abdul Samad Building eine traumhafte Kulisse der vergangenen Ära ab – ideales Setting für große Paraden und kleine Romanzen im Herzen der Stadt.

Informationen

Übernachten:

Carcosa Seri Negara
Taman Tasik Perdana, 50480 KL, Tel. 0060/3/22 82 18 88, ghmhotels.com
Ein historischer Ort inmitten der grünen Oase des Lake Garden – kein Wunder, dass die britische Kolonialregierung 1904 diesen Platz wählte und das stilvolle Haus als Malaysias teuerstes Hotel gilt. Gepflegter tropischer Garten, Rattanstühle, Diener in weißer Livree – alles da.

The Station Hotel
KL Train Station, Jalan Sultan Hishamuddin, Tel. 0060/3/22 72 16 88,
kl-hotels.com 
Ein Tipp für Eisenbahnfans und Nostalgiefreunde: Das riesige Bahnhofs-Restaurant atmet noch immer die Atmosphäre des britischen Empires.

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