Feine Weine, ausgefallene Küche: Kulinarisch on Tour 

Geschichten aus der Weltenküche oder: Wer sagt, dass Gott nur in Frankreich isst?

Kulinarisch: British Columbia

Innerhalb der letzten fünf, sechs Jahre ist die Gastroszene in British Columbias Metropolen Vancouver, Whistler und Victoria geradezu explodiert. Die Kreativität kennt keine Grenzen, und kulinarische schon gar nicht. Wer die Küchen der Welt kennen lernen will bleibt am besten gleich in Vancouver – Tor zu Asien und Schmelztiegel der unterschiedlichsten Kulturen. Die Speisekarten sind voller indischer, japanischer, chinesischer, französischer, italienischer oder griechischer Menüs; die kanadischen Gerichte – aus Ost und West – fehlen genauso wenig wie jene aus der Fusion-Küche, also abgewandelte und neu zusammengesetzte Rezepte. Neben gehobenen Restaurants findet man hier selbstverständlich auch Gaststätten mit eigener Brauerei (sog. Microbreweries), das viel zitierte Ecklokal und familienfreundliche Bistros oder Kettenrestaurants wie die Spaghetti Factory. Nachhaltigkeit ist ein großes Thema und wenn ein Gastronom die „100 Mile Diet“ anbietet will er nicht etwa eine kalorienbewusste Klientel anziehen sondern bezieht Produkte, die aus einem Umkreis unter 100 Meilen Entfernung stammen; bei uns würde man dazu sagen „Produkte aus der Region“ oder „regional und saisonal“.

Es muss nicht immer Kaviar sein

Nicht jedes Lokal in Vancouver ist ein Edelrestaurant und es gibt vielfältige Möglichkeiten sich als Tourist oder nicht kochende Spezies gut und günstig zu versorgen. Beispielsweise auf dem Public Market von Granville Island oder in der Gegend des Punjabi Market, wo es die unterschiedlichsten Currygerichte „all you can eat“ zum Preis von 10,- Kanadischen Dollar gibt. Ein wenig gesetzter geht es beim Mittagessen im Pacific Institute of Culinary Arts zu (» picachef.com). Hier bieten ehrgeizige Kochlehrlinge Gourmetmenüs zu Schnäppchenpreisen an.

 

Probieren geht über Studieren: Gastro-Wochen in Vancouver und Victoria

Das jedes Jahr im Januar/Februar stattfindende Festival „Dine Out Vancouver“ eignet sich hervorragend um die unterschiedlichsten Lokalitäten und Küchenchefs kennen zu lernen.  Dann bieten mehr als 150 Restaurants knapp zwei Wochen lang dreigängige Probiermenüs zum Preis von 18,-, 28,- und 38,- Kanadische Dollar. Eine Liste aller teilnehmenden Restaurants ist ca. drei Wochen vor Beginn der Aktion auf der Internetseite von » Tourism Vancouver abrufbar.

Auch die Provinzhauptstadt Victoria lässt in kulinarischen Dingen nichts anbrennen, was als Stadt Nordamerikas mit der zweithöchsten Restaurantanzahl pro Kopf nicht weiter verwundert. Die Auswahl reicht von Sterne-Restaurants, Bistros für Vegetarier über Mikrobrauereien bis hin zu einem Festival für Teeliebhaber. Während der Veranstaltung „Dine Around, Stay in Town“, die für gute zwei Wochen im Jahr im Februar/März stattfindet bieten mehr als 50 Restaurants in Victoria Dreigang-Menüs zum Preis von 20,-, 30,- und 40,- Kanadischen Dollar inklusive harmonisierender Weine. Teilnehmende Hotels haben zu diesem Anlass spezielle Angebote auf Lager: Die „Pillow & Plates“-Preise (auf Deutsch: Kopfkissen & Teller) liegen zwischen 79,- und 129,- Kanadischen Dollar pro Zimmer und Nacht. Weitere Informationen unter » tourismvictoria.com/dinearound

Das Geheimnis der Bäcker: Edible British Columbia

Ein Abendessen mit Weinen aus dem Similkameen Valley? Extremkochen gefällig? Oder doch lieber zum Wochenend-Schlemmen mit Freundinnen? Die Firma Edible British Columbia macht's möglich. Gründer Eric Pateman ist 2005 mit dem Ziel angetreten, der breiten Öffentlichkeit und Besuchern zu zeigen, warum British Columbia auf der Weltspeisenkarte ganz nach oben gehört. Eine schmackhafte und abwechslungsreiche Aufgabe. Zu den Angeboten zählen delikate Kajakwochenenden, kulinarische Expeditionen auf Vancouver Island oder in den Obst- und Weingarten British Columbias, ins Okanagan Valley. Auch begleitete Touren zu den unterschiedlichen Märkten in Vancouver stehen auf dem Programm. Für das Jahr 2009 lässt Eric seine Gäste hinter die Kulissen blicken. Besuche bei Bäckern oder Chocolatiers werden ebenso angeboten wie die Möglichkeit selbst einmal Kaffee zu rösten oder Bier zu brauen. Bei maximal zwei Personen pro Gruppe bleibt genügend Zeit um den Profis ihre Tipps und Tricks zu entlocken. Mehr dazu unter » edible-britishcolumbia.com.

Wer steckt hinter den Kochtöpfen: Deutsche am Herd

Zu den namhaften Küchenchefs in Vancouver zählen auch Menschen deutscher Herkunft wie Frank Pabst, der nach seiner Ausbildung in Aachen und etlichen Stationen in Frankreich 1993 nach Vancouver kam. Seit 2003 ist er Executive Chef im Bluewater Café das zu den besten Fischrestaurants Kanadas zählt und auch 2009 wieder zu den drei besten der Stadt gewählt wurde. In den Händern von Oliver Beckert liegen alle kulinarischen Belange des Four Seasons Hotel in Vancouver. Beckert, der in Nürnberg aufgewachsen ist, fand seine Berufung bereits mit vier Jahren in Großmutters Küche. Begeisterung und Berufung sind geblieben. „Ich liebe es einfach zu kochen“, sagt er. „Ich freue mich ein wichtiger Bestandteil der kulinarischen Erfahrung einer Person zu sein. Das fängt beim Schmecken an, führt über Aromen und Konsistenz hin zur Präsentation des Gerichts und hört auch beim Ambiente nicht auf. Wenn meine Kreativität gefordert ist, geht’s mir richtig gut.“ Weitere Informationen zu Frank Pabst und Oliver Beckert: » bluewatercafe.net und » press.fourseasons.com

Auch in Whistler oder in Tofino setzen Menschen aus dem deutschsprachigen Raum Zeichen: Angela Ruffer, geboren im bayerischen Waldstadt und als Kind mit ihrer Familie nach Kanada ausgewandert, leitet seit 2000 das » Bavaria Restaurant im Bergresort Whistler. Der Münchener und Weltenbürger Matthias Conradi hat seinen Lebensmittelpunkt seit 1997 in Tofino (an der Westküste Vancouver Islands gelegen) und betreibt seit 2005 die Pasticceria Conradi.

Das Streben nach Reben: Die Weinregionen British Columbias

Zahlreiche Obst- und üppige Weingärten sowie eine erstaunliche Seenlandschaft erwarten den Reisenden in der Region Thompson Okanagan (südliche Mitte der Provinz). Nebenbei stößt man auf interessante Geschichten deutschsprachiger oder -stämmiger Winzer die ihren Weinstock mit nach British Columbia brachten, oder über Kanadier die in Deutschland die Kunst des Weinbaus erlernten. Die jährlich stattfindenden Weinfeste erfreuen sich einer großen Fangemeinde.  

Seit 2004 ist die Zahl der registrierten Weingüter um 54 auf mittlerweile 144 gewachsen. Knapp 100 liegen in der Region Thompson Okanagan rund um die Seen Okanagan, Skaha, Vaseux und Osoyoos. Der Rest verteilt sich auf Vancouver Island und die Gulf Islands sowie das Fraser Valley (Region Coast & Mountains). Weiterhin hält die British Columbia Grapegrowers Association in ihrem Jahresbericht 2008 fest, dass die Rebsorte Grauburgunder ihre Kollegin Chardonnay als meist angebaute Weißweinrebe abgelöst hat und dass Merlot nach wie vor Spitzenreiter unter den „Roten“ ist.

Im Zyklus der Jahreszeiten: Zu Gast bei den First Nations

Seit Jahrtausenden hat das Land die First Nations in British Columbia ernährt. Die Stämme der Ureinwohner wussten, welche Pflanzen im Winter das Überleben sicherten, welche Pinien essbare Nüsse trugen, wo man nach den besten Wurzeln suchte und es die leckersten Beeren zu pflücken gab. Dieses Wissen wird bis zum heutigen Tag von Stammesältesten an die Jüngeren weitergegeben und beinhaltet auch die Zubereitung der Speisen auf traditionelle Weise. Denn was in unseren modernen Zeiten gerade wieder entdeckt wird, nämlich auf frische, saisonale Produkte zurückzugreifen und diese schonend zuzubereiten, haben die indigenen Völker seit jeher verinnerlicht. Genau dies spiegelt sich auch in der Nouvelle Cuisine der First Nations wider.

Typische First Nations-Gerichte, die heute in ausgewählten Restaurants angeboten werden sind u.a. knuspriger Seetang auf gedämpften Reis mit Oolican-Öl (Heringsöl), luftgetrockneter Lachs, über Erlenholz gegrilltes Büffelfleisch sowie Wapiti-Hirsch mit Süßkartoffelpastete. Traditionelle Longhouses, die für Zeremonien und Feierlichkeiten der Gemeinden genutzt werden, stehen in manchen Orten auch Besuchern im Rahmen einer geführten „Dinner Feast Tour“ offen.  Diese Festmahle (feasts) erinnern an die Tradition des Potlatch der Küstenindianer, bei dem Gäste mit Tanz-, Gesangs- und Trommeldarbietungen willkommen geheißen werden; Gerichte aus Lachs oder Eintopf mit Bannock, einem speziellen Fladenbrot, sowie andere indianische Speisen werden ebenfalls gereicht.

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