Boomtown Bangalore: Technologie-Tempel

„Lletzte Lladung, Mister Friend?“ lallt Rotnase an der Reling. „Pllus a schtory if you lllike.“ Schwere See in der „Brigade Bar“: Der Boden wellt sich, und der Whiskey spült in schweren Brechern über den Tresen. Ventilatoren surren wie Kamikazepropeller über erhitzten Köpfen, zersäbeln gnadenlos den dicken Zigarettenrauch. Aber die Story, die mir Rotnase zum nächsten Drink serviert, ist trotzdem eine von Aufstieg und Erfolg. Es ist die Geschichte von, hicks, „Pängalore“ und einer Wanze. Die Wanze hieß Y2K-Bug und war am Ende des letzten Jahrtausends der Horror aller Informatiker. „Du erinnerst dich, Mister Friend?“, brüllt mich Rotnase mit forsch flatternder Whiskey-Fahne von der Seite an. „Alle hatten sie Bammel Ende 1999 vor der Y2K-Bug, alle! Außer in, hicks, Pängalore! Für uns begann die goldene Zeit!“

Ein Kickstart zum Millenium

Arbeiten mussten die IT-Spezialisten, die Bangalore bereits damals zur aufstrebendsten High-Tech-City des Erdballs machten, dafür schon. Software, die weltweit nur bis zum Jahr 2000 ausgelegt war und zur Milleniumsparty ein Versagen der Computersysteme befürchten ließ, galt es flott zu machen – ein aufwendiger Job. Einfach zwar, aber zeitraubend. Für Bangalore, dessen 150 000 IT-Experten damals rund um die Uhr alle Hände voll zu tun hatten, war es der Kickstart in eine neue Ära.

Silicon Plateau

Acht Jahre später ist sich die Stadt für Programmierakkordarbeit fast schon zu schade. Statt Massenware liefern Bangalores Firmen lieber maßgeschneiderte IT-Software. Ähnlich mauserte sich zuletzt die Biotech-Szene, deren Firmen hier Generika entwickeln oder im Auftrag der westlichen Pharma-Industrie forschen. Keine Frage: Bangalore boomt! Das wissen wohl auch die Manager von Airbus und Siemens und Intel, die hier eine Art Welthauptstadt des intellektuellen Kapitals vorfinden. Längst hat sich die City am Dekkan-Plateau, Indiens „Silicon Plateau”, zu einem weltweit begehrten Hub des IT-Business entwickelt.

Traffic Jam an der Solar Avenue

So viel Technik und Marketing prägt natürlich die ganze Stadt. Längst schon haben Großkonzerne die Patronage für einzelne Verkehrsampeln und Teile der Straßenbeleuchtung übernommen. Schicke Shopping Malls wie das „Bangalore Central“ an der MG Road wurden auf Anhieb zu beliebten Treffpunkten einer hybriden City. Supermoderne Solarlampen erhellen die breiten Avenuen, die zugleich zu schmal sind für die zahllosen Vespas und Maruti-Kleinwagen. Bangalores schnurgerade Einfallsstraßen enden nämlich fast immer gleich: im heillosen Traffic Jam. Gemeinsam mit Shopping Malls, trendigen Internet-Cafés und den blitzsauberen Filialen von Burger-Ketten und Cafeterias gehört der Stau zur Rush Hour zum westlichsten Flecken des Subkontinents dazu.

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