Sri Lankas KönigsstädteTempel im Dschungel

Sri Lankas Königsstädte | © Keith Molloy, iStock

Sri Lanka spielte schon in der Antike eine wichtige Rolle im Fernhandel zwischen China, Indien und Europa. Griechen und Römer kannten die Insel unter dem Namen Taprobane. Mächtige Königreiche erblühten und zerfielen wieder. Ihre steinernen Zeugen wurden vom Dschungel überwuchert und gerieten in Vergessenheit, bis Archäologen sie wiederentdeckten und ausgruben. Man muss nicht Geschichte studiert haben, um in den Bann jener Ruinen zu geraten, deren Namen wahre Zungenbrecher sind.

Anuradhapura

Die heilige Stadt wurde laut der Legende im vierten Jahrhundert vor Christus gegründet. Sanghamitta, die Tochter des indischen Kaisers Ashoka, brachte einen Zweig jener Pappelfeige hierher, unter dem Buddha die Erleuchtung fand. Daraus wuchs ein mächtiger Baum, der Sri Mahabodhi. Er steht noch heute hier und empfängt stoisch die Verehrung der vielen Pilger. Um den Baum bauten die Könige in den folgenden Jahrhunderten ihre Hauptstadt. Mehr als 100.000 Menschen sollen hier im Jahr 100 nach Christus gelebt haben – eine der zehn größten Siedlungen der damaligen Welt. Die Könige errichteten Monumente wie die 110 Meter hohe Ruwanwli-Dagoba oder den Bronzepalast. Die 1600 Säulen, auf denen der Palast ruhte, haben dem Zahn der Zeit getrotzt. Selbst eine schwere Invasion aus Indien im Jahr 993 überstand der Bau weitestgehend unbeschadet. Im zweiten Jahrtausend nach Christus wurde das alte Anuradhapura von seinen Bewohnern verlassen. Erst 1820 stieß eine englische Expedition auf die Ruinen im Dschungel. Die heutige Stadt Anuradhapura liegt einige Kilometer von der antiken Königsstadt entfernt.

Polonnaruwa

Nach dem Fall Anuradhapuras stieg Polonnaruwa zum neuen Machtzentrum in Sri Lanka auf. König Vijayabāhu I. hatte die Eroberer aus Indien im Jahr 1070 von der Insel vertreiben. Ihre neue Hauptstadt behielt er aber bei. Sein Enkel Parākrama Bāhu I. brachte Polonnaruwa zu seiner größten Blüte. Er ließ ein riesiges Wasserreservoir bauen, das auch heute noch zu besichtigen ist. Die Erträge der bewässerten Reisfelder konnten eine wachsende Stadtbevölkerung ernähren. Der Reichtum der damaligen Zeit spiegelt sich in vielen erhaltenen Prunkbauten. Der Palast und die dreieinhalb Meter hohe Statue von Parākrama Bāhu gehören zusammen mit den Ruinen von Anuradhapura zum Unesco-Weltkulturerbe. Auf dessen Gebiet liegen auch die beiden Tempel Hatadage und Atadage. Hier soll einst ein Eckzahn Buddhas aufbewahrt worden sein. Heute liegt die berühmte Reliquie im Zahntempel in der Stadt Kandy. Lohnenswert ist auch ein Besuch des archäologischen Museums von Polonnaruwa.

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