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Fischland-Darß-Zingst: Jetzt wird’s Wild

„Deutschlands schönste Halbinsel“ – mit diesem Slogan wirbt der Tourismusverband Fischland-Darß-Zingst seit Jahren. Zumindest unter den größten europäischen Zugvögeln, den Kranichen, scheint sich das herumgesprochen zu haben: Von September bis November rasten mehr als 40 000 der imposanten Ruderflieger, die aus Schweden und Norwegen, aus den baltischen Staaten und Russland kommen und auf dem Weg sind in den sonnigen Süden, in den vorpommerschen Boddengewässern – und brechen von dort aus zur Nahrungssuche auf.

Bootstrip zu den Zugvögeln

Bootstrip zu den Zugvögeln

Während die Zugvögel morgens ihre Schlafplätze verlassen, um übrig gebliebene Körner auf abgeernteten Getreidefeldern oder ausgelegtes Futter zu finden, starten an Kranichen interessierten Besucher meist erst am Nachmittag. Dann legt Kapitän Jörg Boßmann mit seinem Kutter „Admiral Raule“ von Zingst aus zur Beobachtungsfahrt ab. Sein Ziel: eine Sandbank, wenige Kilometer vor dem Übergang des Boddens in die offene Ostsee, in etwa 800 m Entfernung zum größten Kranichrastplatz in Deutschland. Es ist früher Abend und windstill. Nun heißt es, laute Gespräche einzustellen und zu warten. Nach etwa 15 Minuten ist es so weit, eine kleine Gruppe Kraniche fliegt ein, nicht neben-, sondern hintereinander. Es ist die Vorhut, bald ist immer häufiger das Tompeten der Tiere zu hören, und immer größere Trupps fliegen, meist keilartig formiert, zurück zu ihrem abendlichen Rastplatz.

Wildromantische Wälder

Wildromantische Wälder

Der größte Nationalpark der neuen Bundesländer, der Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft, lohnt nicht nur der Kraniche wegen einen Besuch, sondern auch wegen seiner beeindruckenden, von Wind, Wetter und Frost geformten Dünen und Waldlandschaften. Das Gebiet des Darßwaldes und der Darßer Ort mit seinem über 150 Jahre alten Leuchtturm sind für Autos gesperrt. Das wildromantische, von Sanddünen und windschief gewachsenen Bäumen geprägte Schutzgebiet erkundet man am besten mit der Pferdekutsche. „Nu mal n lütten Draft“, einen leichten Trab, spornt Kutscher Alfred Kayserling seine beiden Tiere an, doch so richtig eilig hat es Kayserling mit seinem Gespann nicht, schließlich gibt es unterwegs viel zu erklären.

Hier jagte Honecker

Hier jagte Honecker

Zum Beispiel den Unterschied zwischen Reefs und Riegen. Die Reefs, das sind kleine Erhebungen, auf denen vor allem Kiefern wachsen, die Riegen hingegen feuchte, sumpfige Mulden, in denen sich Roterlen-Bruchwälder finden. Der Darßwald, so berichtet Kayserling, war über Jahrhunderte hinweg ein Jagdgebiet für die Privilegierten dieser Welt. Für die schwedischen Könige, zu deren Hoheitsgebiet Vorpommern von 1648 bis 1815 fast durchgängig gehörte, ebenso, wie für Nazi-Größen wie den Reichjägermeister Hermann Göring, der hier Wisente und Elche aussetzte und mit Igeln die Kreuzottern bekämpfen wollte. In der DDR-Zeit lud Erich Honecker hohe Funktionäre und ausländische Gäste hierher zu Staatsjagden ein.

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