SchwebefähreDer Stahlkoloss von Osten

Hamburg: Kleine Paradise - Schwebefähre

Im beschaulichen Städtchen Osten an der Oste steht die älteste Schwebefähre Deutschlands. Ein Stahlkoloss erhebt sich über dem Flüsschen Oste. 38 m hoch, 80 m lang und 256 t schwer. Irgendwie passt er nicht so recht ins Bild – nicht zu dem pittoresken Örtchen Osten im Landkreis Cuxhaven, nicht zu den Deichen und Wiesen, auf denen Schafe grasen. Doch der 1909 errichtete Koloss ist in der Region der Touristenmagnet – kein Wunder: Auf der ganzen Welt gibt es lediglich noch acht Fähren dieser Art. Bald sollen sie alle zum Weltkulturerbe gehören – der Antrag läuft.

Walter Funk lehnt neben dem Führerhäuschen auf der Fährgondel. Der mächtige Überbau der Schwebefähre aus 256 t Stahl wirft gestreifte Schatten auf sein blauweißes Fischerhemd. Seine Gäste begrüßt der Fährmann mit Zigarette und derbem Charme: „Wer mich mit Fragen löchert, fliegt ins Wasser!“ Die Infos zum Baudenkmal gibts glücklicherweise vom Band. Funk fummelt währenddessen am Fahrtenregler herum und drückt auf den Startknopf. Die Gondel zuckelt los. Acht Minuten braucht sie, um das andere Ufer der Oste zu erreichen – dabei ist es nur 80 m entfernt. Bei Hochwasser ist der Fluss unter der Gondel zum Greifen nah. Noch bis 1974 war die Schwebefähre die einzige Verbindung zwischen den Orten Osten und Hemmoor. Von der weiten Welt ist auf der Gondel, die Platz für bis zu 25 Personen bietet, wenig zu spüren. Kein Autolärm, keine Hektik. Nur das Geplätscher der Enten ist zu hören, die ihre Köpfe ins Wasser tauchen. Und gelegentliches Gerumpel: „Das liegt an den Lücken zwischen den Schienenstücken, an denen die Fähre hängt“, erklärt Funk – ganz freiwillig. Der Fährmann sitzt auf der Bank – es ist der einzige Platz mit einem Sitzkissen.

Unter der Fähre fließt die Oste; nach ein paar Hundert Metern nimmt sie behäbig eine Kurve. Seit drei Jahren tummeln sich wieder Störe im Fluss. Der Fisch war in Deutschland zwischenzeitlich fast ausgestorben. Funk springt auf und drückt auf den Bedienknöpfen herum. Mit einem Rums legt die Gondel an. Die meisten Gäste bleiben sitzen und fahren wieder zurück – bei der Schwebefähre ist der Weg das Ziel. Der Fährmann legt wieder ab, lässt sich auf sein Sitzkissen fallen und zündet sich die nächste Zigarette an. Die Schwebefähre legt von April bis Oktober täglich zwischen 11 und 17 Uhr zu jeder vollen Stunde in Osten ab, bei Bedarf auch öfter, im Winter nur nach Anmeldung. Die Überfahrt kostet 1,50 Euro, für Kinder 1 Euro, für ein Fahrrad 50 Cent.

Adresse

Fährstraße 1, 21756 Osten, Tel. 0175 6 09 12 25, www.schwebefaehre-osten.de

Anfahrt

Mit der DB vom Hauptbahnhof in 70 Minuten bis Hemmoor, dort über Bahnhofstraße und Fährstraße in 15 Minuten zur Fähre.
Mit dem Auto auf der B 73 Richtung Cuxhaven, in Hemmoor rechts ab auf die B 495.

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