... Skurrile Rezepte: Das isst die Welt

 

Heringe, die zum Himmel stinken

Zurück zum Ausgangspunkt der Reise: Mitteleuropa. Das Exotische liegt hier fast direkt vor der Haustür. Schon mal was von Surströmming gehört? Nein? Dann haben Sie es zumindest gerochen, denn wenn ein Schwede eine Surströmming-Dose öffnet – sagen wir mal: kurz hinter dem Polarkreis – dringt der Geruch blitzartig bis an die Donau vor. Surströmming ist ein Ostsseehering, der in Salzlake eingelegt wird und gärt und gärt und gärt. Dann wird er eingedost – und gärt und gärt und gärt, bis sich die Dose wölbt. Der Geruch beim Öffnen: intensiv, sehr intensiv. Tipp der Einheimischen: Dose unter Wasser öffnen, Dose an die Oberfläche und dann den Inhalt schnell mit Fladenbrot essen – wetten, dass Sie bereits beim dritten Bissen von Fliegenschwärmen umrundet werden?

Es krabbelt auf dem Teller

Apropos Insekten: In unseren Breiten ist der Genuss von Krabbeltieren zwar noch eine Seltenheit, allerdings setzen auch in Mitteleuropa immer mehr Restaurants Maden, Käfer oder Heuschrecken auf ihre Speisekarten. Für den Rest der Welt ist die Entomophagie, wie der Verzehr von Insekten wissenschaftlich heißt, ganz und gar nicht exotisch – im Gegenteil: Sie dienen als wertvolle Eiweißquelle. In ganz Asien landen  Riesenwasserwanzen zwischen den Essstäbchen, in Mexiko gelten Grashüpfer als Leckerbissen, während andere Insekten mit Schokolade überzogen werden. In Australien wiederum finden sich sogar Witchetty-Maden abgepackt im Supermarktkühlregal, während im Jemen Heuschrecken als außerordentlich delikat gelten, ebenso wie in Thailand, wo die Hüpfer frittiert werden. In Nigeria freut man sich über eine fette Termitenkönigin.

So schmeckt der Maikäfer

Das fröhliche Krabbeln zieht sich um den ganzen Globus. Mexikaner und Kolumbianer versuchen sich an gegrillten Ameiseneiern oder getoasteten Blattschneiderameisen, die – so heißt’s – nach Speck schmecken sollen. Auch gebackene Bienenlarven sollen köstlich sein, wie in ganz Asien gerne berichtet wird. Nur den Europäern läuft beim Gedanken an eine appetitliche Made nicht das Wasser im Mund zusammen. Obwohl – im 19. Jh. war das noch ganz anders: Da verspeiste man mit viel Genuss eine Maikäfersuppe, die ein wenig wie Krebssuppe geschmeckt haben soll. Das Rezept findet sich in „Bertha Heydens Kochbuch oder gründliche Anweisung, einfache und feine Speisen mit möglichster Sparsamkeit zuzubereiten, unter besonderer Berücksichtigung der Fortschritte, die in der Chemie gemacht sind” aus dem Jahr 1880. Ob allerdings die benötigten 30 Maikäfer pro Portion (!) heute noch auffindbar sind, sei dahingestellt.

Nach oben