Süd-Wales: Stadt, Land, Fluss

Lernen und Shoppen

Wie schön kann doch so ein warmer, sonniger Nachmittag sein, vertrödelt zwischen den Bäumen im Bute Park, mit Blick auf das Cardiff Castle. Vor allem, wenn der englische Sommer auf der Anreise nach Wales, quer durch Südengland, bisher durch Abwesenheit geglänzt hat. Und nun: Sonne! Lauer Wind! Sommer! Und das in einer der schönsten kleinen Hauptstädte Europas.

Kohle mit der Kohle

Wie der Traum eines Schlosses stapelt also das Cardiff Castle seine Türme und Türmchen in den Himmel über der Stadt, die bis in die 1930er-Jahre ihren Reichtum aus ganz irdischen Dingen zog: 1913 exportierte kein anderer Hafen weltweit mehr Kohle als Cardiff. Mit Kohle hatten auch die Marquis von Bute, denen weite Teile der Stadt und ihrer Umgebung gehörten, ihre Kohle – pardon, ihren Reichtum! – gemacht. Der 3. Marquis ließ sich dann 1868 eben jenes verspielte Schloss erbauen.

Leuchtzeichen über dem Taff

Es ist nicht das spektakulärste Gebäude von Cardiff, und ob es das exzentrischste ist, muss sich erst noch zeigen. Kandidaten gibt es genug in der walisischen Hauptstadt. Manche Kritiker meinen, der Titel gebühre dem riesigen Millennium Stadium mit seinen sieben Restaurants, 22 Bars und dem verschiebbaren Dach. Besonders, wenn es in die Dämmerung über dem Fluss Taff leuchtet, sieht die Sportstätte des walisischen Nationalsports Rugby aus wie eine gigantische Werft für Raumschiffe.

Ein Riesenflügel in Cardiff Bay

Mit einem Mantarochen dagegen wurde das National Assembly Building verglichen, wo das walisische Parlament tagt – und wer unten an den Stufen des Gebäudes steht, hat tatsächlich das Gefühl, als steige über ihm ein gigantischer Flügel in den Himmel. Zu finden ist die schwungvolle Architektur in Cardiff Bay, unten am Hafen. Den erreicht man am schönsten, wie sollte es anders sein, übers Wasser: Einfach eines der kleinen gelben Boote, einen Waterbus (www.cardiffwaterbus.com) entern, und den Taff bis nach Cardiff Bay hinunterfahren.

The only way is up

Wie ein Phönix ist dieser Teil der Stadt aus der Asche der heruntergekommenen Docks auferstanden, die den Niedergang der City in den Zeiten der Depression nach dem Zweiten Weltkrieg markierten. Hier, außerhalb des Stadtzentrums im alten Hafen, pulsiert mittlerweile das Herz von Cardiff. Hier toben sich die Architekten aus, die Shopper und die Nachteulen, die Gourmets und die Straßenkünstler.

Riesengürteltier und Schwarz-Weiß-Kirchen

Ein Stadtteil voll fantastischer Bilder: Die bronzen in der Sonne glänzende Riesengürteltier des Wales Millennium Centre, wo die Welsh National Opera, verschiedene Theater und Tanzkompanien ihre Heimat haben. Das knallrote Pierhead Building, beeindruckend in seiner viktorianischen Pracht. Die weiß-schwarze Norwegian Church, ein Bilderbuch-Gotteshaus, das sich in ein Kunstzentrum verwandelt hat – die Architektur im Nervenzentrum der Stadt zeigt, dass Cardiff längst die harten Zeiten überwunden und zu einem neuen Selbstbewusstsein gefunden hat.

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