... Einmal Nordengland, bitte: Very British!

 

Rauschender Wasserfall

Nicht überall im Nordosten Englands ist es übrigens so lieblich wie rund um Raby Castle: Die North Pennines, eine faszinierende Landschaft aus einsamen Mooren, u-förmigen Hochtälern und rauschenden Flüssen, entführt einmal mehr in eine Einsamkeit, die selten so in Europa anzutreffen ist. Nicht umsonst wurde der Landstrich als eine „Region von außergewöhnlicher natürlicher Schönheit“ (AONB: Area of Outstanding National Beauty) ausgezeichnet. Dass er außerdem als Erster in Europa von der UNESCO den Status eines Geoparks verliehen bekommen hat, spricht für die Vielfalt von Fauna und Flora. Und der Landschaftsformen: Am High Force, mit 21 m der höchste Wasserfall Englands, lässt sich gut beobachten, wie hier die Natur im Wandel begriffen ist. Zu den schönsten vom Menschen gemachten Attraktionen des Nordostens zählt allerdings Bamburgh Castle, ein Burgentraum direkt am Meer, die faszinierendste all der trutzigen Festungen.

Von Mönchen und Wikingern

Von seinen Zinnen geht der Blick bis hinüber nach Lindisfarne, der heiligen Insel, auf der Sie dem Beginn der Christianisierung Englands nachspüren können. Was sich allerdings als nicht ganz einfach entpuppt: Das Holy Island ist eine Gezeiteninsel, die Straße dorthin nur bei Niedrigwasser befahrbar – kommt die Flut, können Sie die Insel bis zum Ablaufen des Wassers nicht mehr verlassen. Was aber ganz und gar nicht schlimm ist, denn zu sehen gibt es viel im Schatten des hoch oben auf der Insel thronenden Schlosses. Die Ruine des Klosters etwa, dessen Rundbögen in den Himmel über der See ragen und das von den harten Zeiten erzählt, die die Mönche auf der Insel erlebt haben: Im 7. Jh. vom irischen Mönch St. Adrian gegründet, ging vom Kloster Lindisfarne die Christianisierung Englands aus. Nach einem ersten Wikingerüberfall im Jahr 793 hielten es die Mönche trotz vieler weiterer Angriffe noch fast 80 Jahre auf der Insel aus – dann verließen sie sie. Ein (geistiges) Erbe der Wikinger ist auf Lindisfarne noch zu finden: der Lindisfarne Mead, der typische Honigwein der Nordmänner.

Romantik pur an Seeufern

Nun geht es wieder zurück in Richtung Südwesten, in den schönsten Teil des Landes. Davon zumindest sind die meisten Briten überzeugt: Der Lake District mit seinen 16 großen Seen, den fünf höchsten Bergen Englands, den fast 3000 km Wander- und Radwegen, den lauschigen Dörfern mit ihren Cottages und Schieferhäusern inmitten blühender Gärten, den parkumkränzten Herrenhäusern – das ist die Region, in der die Engländer am liebsten die Seele baumeln lassen. Romantik pur also, ein Gefühl, dass in Orten wie Bowness-on-Windermere mit seinen Erinnerungen an die Welt der Kinderbuchautorin Beatrix Potter oder Grasmere mit seinen vielen kleinen Cafés und Pensionen allgegenwärtig ist. In dieser lieblichen Umgebung liegt es nahe, dass Cheshire 2008 das Jahr des Gartens mit vielen Events feiert.

Der Wald, der keiner ist

Ein echter Geheimtipp ist die Region namens Forest of Bowland, südlich des Lake Districts, auch sie mit dem AONB.-Siegel ausgezeichnet. Nur wenige Besucher verirren sich in das Tal des Flusses Wyre und in die kleinen freundlichen Städte, die Namen tragen wie Chipping, Bolton-by-Bowland oder Dunsop Bridge. Sie liegen auf der sanften Seite des Forest of Bowland, in üppigen Tälern, in denen seit Jahrhunderten Landwirtschaft betrieben wird. Die raue Seite der Region liegt auf den Hochflächen, aber wer hier Wald erwartet, liegt völlig falsch: Forest ist der traditionelle Name für ein königliches Jagdgebiet, und dieses besteht aus einsamen Mooren auf weiten Hügeln, gesprenkelt mit grauverwitterten Felsen – ein Eldorado für Wanderer, Reiter und Radfahrer.

Besuch im Himmel

Doch zurück zum Lake District. Auch er hat eine schroffe Seite, und die zeigt er, als es hoch hinauf geht, in die raue Bergwelt, dem Eldorado für Wanderer und Kletterer. Die Straße, die auf den Hardknott Pass führt, ist mit über 30% Steigung die steilste Englands. Und sie führt, so suggeriert es beim Hinauffahren mancher Blick aus dem Autofenster, nur in eine Richtung – direkt in den Himmel. Aber, mal ehrlich: Wohin soll es hier auch sonst gehen?

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