Einmal Nordengland, bitte: Very British!

Wilde Hochmoore, liebliche Städtchen und der Bahnhof eines Zauberschülers – ein Rundtrip durch Englands Norden könnte abwechslungsreicher und (ent)spannender kaum sein.

Wie ist das möglich? Vor einem Augenblick noch, so scheint’s, war da die Zivilisation, die pulsierende City-Atmosphäre von Manchester, der morgendliche Berufsverkehr. Und jetzt? Schmeckt die Luft nach Erde und Torf und wilder Freiheit. Ist nichts zu hören außer dem Wind, der mal eben kurz an den seltenen Gästen vorbeistreift, um dann weiter geschäftig zwischen dem Heidekraut zu rascheln. Es ist einsam hier, in der wundervollen, von unzähligen Wanderpfaden durchzogenen Berglandschaft des nördlichen Peak District – und dieses Gefühl kommt völlig überraschend. Immerhin liegen rund um den Nationalpark gleichen Namens, dem ältesten seiner Art in Großbritannien, neben Manchester noch andere Ballungszentren wie Sheffield, Bradford oder Leeds.

Kleine Wildnisfluchten

Die Hochmoore des Dark Peak sind der ideale Einstieg für einen Rundtrip durch Nordengland. In den weiter nördlich gelegenen Yorkshire Dales zeigt sich England so, als sei es sein eigenes Abziehbild: üppig grüne Täler, kleine Laubwälder, unzählige Schafe. Uraltes Kulturland also, durchzogen und parzelliert von den allgegenwärtigen Trockenmauern. Moosbewachsen und scheinbar für die Ewigkeit aufgeschichtet ziehen sie hügelauf, hügelab und geben der Landschaft ihren eigentümlichen Charakter. Zahlreiche hervorragende Käsereien in den Tälern sorgen dafür, dass auch der Geschmackssinn nicht zu kurz kommt.

Der raue Charme der Moore

Einsamer, rauer und spektakulärer wird’s in den North York Moors, dem dritten Nationalpark Yorkshires. Besonders an klaren Herbsttagen, wenn das Heidekraut im leuchtend lila Farbenrausch explodiert und mit dem tiefen Blau des Meeres um die Wette strahlt, werden Wandertage zu Erinnerungsjuwelen. Charmant gestrige Küstenstädtchen wie Scarborough oder geschäftige Fischereihäfen wie Whitby tun ihr Übriges. Ganz romantisch-nostalgisch wird’s, wenn Sie in Grosmont in den Dampfzug steigen: Mit der North York Moors Railway geht’s durch die Newtondale-Schlucht nach Pickering. Sie haben den Bahnhof von Goathland schon mal irgendwo gesehen? Kein Wunder, er ist ein veritabler Kinostar und spielte in den Harry-Potter-Verfilmungen die Station von Hogsmeade.

Leinwandträume und Traumburgen

Magier-Country also, auch weiter im Norden: Alnwick Castle, ein wildromantisch-trutziges Schloss in Northumberland, gab die Kulisse ab für die ersten beiden Abenteuer des Nachwuchszauberers und jede Menge anderer Leinwandritterspiele. Der Nordosten Englands ist überhaupt der ideale Tummelplatz für Kinozeitreisen, nirgendwo sonst in England finden sich so viele Burgen und Schlösser – uraltes umkämpftes Grenzland eben. Seine kriegerische Vergangenheit sieht man Raby Castle allerdings heute nicht mehr an: Inmitten sanfter Wiesen, alter Bäume und funkelnder Seen ist es nicht nur Heimat einer der größten Rotwildherden Englands, es ist auch der ideale Platz, um seine Gedanken in Richtung Vergangenheit wandern zu lassen.

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