Dubais Altstadtviertel: Perlen der Vergangenheit

Im Schatten der Hochhäuser finden sich bis heute Reste des alten Dubai – beschauliche Oasen voll Basarromantik, originellem Kitsch und neu herausgeputzten Showpieces alter arabischer Wohnkultur.

Dubai

Wenn es urig werden soll, dann haben die Glitzerpaläste der Dubaier Shopping Malls gegen Karama keine Chance. Karama? Genau. Ein Viertel von niedrigen, hellgrauen Blocks und flackernden Neonröhren am südlichen Ufer des Dubai Creek. Wer sich hierher verirrt, mit ein wenig Abenteuerlust ausgestattet, findet sich plötzlich – mitten in Dubai – in einer anderen Welt wieder: Indie-Basar ist angesagt, und aus den kleinen Restaurants duftet es nach Kurkuma und Betelnuss.

Weckruf vom digitalen Muezzin

Wer zwischen farbenprächtigen Auslagen kurz mal nach Indien abtauchen möchte, kann sich am Karama Park und in Mini-Restaurants wie dem „Saravana Bhavan“ für 2 Euro in die bunte Welt der Currys und Chutneys vertiefen. Die Originalität der auf dem Karama Basar angebotenen Produkte sucht ihresgleichen: die babyblaue „Mosque Alarm Clock“, die mit dem ersten Muezzin-Ruf in digitalem Arabisch weckt, Wasserpfeifentabak mit Bananen-, Pfirsich- und Capuccino-Geschmack, der Kamelmilch-Drink „Camelicious“ oder sogar feinster Dattel-Champagner: Der „Sparkling Date Drink“ darf auch in Dubais Freigelände getrunken werden – da alkoholfrei.

Im Schatten der Bürotürme

Karama ist nur eine Schicht jenes alten Dubai, das sich wie eine Zwiebel gegen die beiden Ufer des Creek schmiegt. Älter als das Einwandererviertel der indischen und pakistanischen Gastarbeiter ist das nur wenige Blocks entfernte Al Satwa, eine weitere Oase im Schatten der Downtown-Wolkenkratzer. Als der lokale Regisseur Mahmoud Kaabour, Betreiber der Produktionsfirma Veritas Film, hier für das staatliche Fernsehen eine Doku über Alltagsgeschichten aus Dubai drehte, landete er mitten in der Vergangenheit. Seither kämpft Kaabour dafür, dass Al Satwa eine Zeitkonserve bleiben darf und die Abrisspläne der mächtigen Immobilienfirmen auf Eis gelegt werden.

Ab in die Vergangenheit

Wer die bekannteste, zugleich breiteste Straße des Viertels entlangschlendert, nämlich die als Essmeile geliebte Al-Diayafah Road, gibt dem Filmemacher auf Anhieb Recht: Leicht angestaubte Schneiderläden finden sich da, von Hand und nach altem Rezept zubereitete Süßwaren oder mit „Al Mallah“ der Prototyp eines traditionellen libanesischen Café-Restaurants – geschwätzige Kellner, Tabouleh-Salat und die knusprigsten Falafeln der Stadt inklusive. In diesem Viertel spürt man den langsamen Takt der alten Tage, und natürlich sind Al Satwas enge Gassen Fußgängerterritorium geblieben, ideal für entspanntes Bummeln im Freien.

Nach oben