... Design in Dubai: Avantgarde in der Lagerhalle

Nabel der Kunst

„The Third Line“ gilt als einflussreichste Dubaier Galerie in Sachen zeitgenössischer Kunst. Dass es sich um keinen Einzelfall handelt, beweist ein Blick auf die umliegende Nachbarschaft. „Focus Gallery“, „4 Walls Art Gallery“, „1x1 Contemporary“, „Basement“, „Ayyam Gallery“ – das ist nur ein kleiner Teil der rund zwanzig Kunsthändler, die sich hier neben den Tanks und Brachflächen des weitläufigen Industrieviertels niedergelassen haben, in der Regel mit dem Schwerpunkt moderne Kunst.

Spannendes Design

Aber es wäre nicht der Handelsplatz Dubai, würde sich nicht auch hier Vielfalt regen: Neben Hochkarätigem tauchen längst auch Ethno-Galerien auf. Und die lediglich zwei Gehminuten neben der „The Third Line“ gelegene „Courtyard Gallery“, die erste vor Ort, hat sich mittlerweile in eine alternative Art Shopping Mall verwandelt – plus Café für angeregte Kunstdiskussionen. Und im weiter südlich angrenzenden Barsha lockt „Traffic“, die spannendste Designgalerie des gesamten Mittleren Osten eine nicht minder sachkundige Klientel an.

Leere Flächen für Künstler

Befördert wurde der Boom durch eine Reihe von Faktoren: Da waren zunächst mal die vielen leeren Wandflächen der Hotels, die es vor Ort zu füllen galt, und die die Nachfrage nach Kunst in die Höhe trieb. Da war die Nachbarschaft zum abhebenden Kunstmarkt in Indien, ein reger Austausch mit Galerien in Mumbai und Delhi ergab sich da fast von selbst.

Impulse von außen

Aber auch die Stadt selbst hat sich weiterentwickelt. Expats aus zahlreichen westlichen Ländern, vor allem aber moderne Emiratis, die in London, den USA und Australien studiert und mit dem Goldrand-Prunk ihrer Väter nicht mehr allzu viel gemeinsam haben, sind die eigentliche treibende Kraft hinter Dubais jüngstem Kunsthype. Dabei geht es um mehr als um die kommerziellen Achterbahnschleifen des Kunstmarkts.

Wall-Tatoos statt Kalligrafie

Das reiche Erbe der arabischen Kultur, Kalligrafie und Wohnkultur, die im Zeitraffer verlaufene Entwicklung vom Beduinenzelt zum Sechs-Sterne-Hotel sind das eigentliche Thema. So erstaunt es nicht, dass in Dubais Designgalerien arabische Traditionen in neuer Form zum Vorschein kommen: Shisha-Wasserpfeifen, Schleier, oder das alte Symbol der Fatimah-Hand kann man nun an die Wand kleben. Die Wall-Tattoos der „Kyatt Collection“, bei der Uraltmotive in originelle Aufkleber verwandelt werden, sind ein weiteres Beispiel dafür, wohin Dubai über den Umweg Al Quoz heute geht.

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