Melniks Reichtum: Feine Weine

Schroffe Berge, klares Wasser, satte Wiesen. Wer sich bei einer Reise durchs Rhodopen-Gebirge an dieses bukolische Bild gewöhnt hat, kann sich im äußersten Südwesten des Landes von gänzlich anderen Eindrücken überraschen lassen. Hier, nahe der Grenze zum Nachbarland Mazedonien, liegt Melnik, einer Art Karawanserei für den Geist aus der Flasche. Ottomanische Häuser und orientalische Torbögen finden sich da, die man eher im östlichen Anatolien vermutet hätte, und auch die Gegend jenseits des Pirin-Nationalparks hat sich merklich verwandelt: Trockener und tiefer eingegraben sind die sandigen Schluchten, Wind und Regen haben sie im Lauf der Zeit in ein surrealistisch anmutendes Landschaftspanorama aus Pilzen und Kegel verwandelt.

Rare Sorten aus der Wein-Steinzeit

Rare Sorten aus der Wein-Steinzeit

Melnik ist ein charakteristischer Fall für eine Gegend, deren Weinbaugeschichte weit zurück reicht. Archäologische Funde belegen, dass in Bulgarien bereits vor 5000 Jahren Wein angebaut wurde, was dem Land eine der längsten Weinbautraditionen der Welt beschert. Davon zeugt auch die zweite ursprünglich bulgarische Rebsorte, der in Thrakien gezogene Mavrud. Sich heute auf die Spur dieser und weiterer Sorten zu heften – darunter sind ideale Anbaugebiete für Merlot und Cabernet Sauvignon – lohnt in jedem Fall. Denn nach dem zwischenzeitlichen Niedergang der alten Weinbautradition und anschließender Billigproduktion werden Bulgariens alte Sorten heute von engagierten Winzern neu entdeckt.

Text: Robert Haidinger

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