Bulgarien: Goldstrand & Co.

Kennen Sie Bulgarien? Nein? Dann wird es höchste Zeit: Erfahren Sie, welche Juwelen hinter Goldstrand & Co. auf neugierige Besucher warten.

Goldstrand & Co.

Ein Fuß im Orient, der zweite im Okzident. Dazu Sonnenblumenfelder, Skilifte und das urtümliche Wanderparadies des Rhodopen-Gebirges, mit seinen Wegen, die mal über elegant gekrümmte osmanischen Steinbrücken führen, und dann wieder in die Einsamkeit mittelalterlicher Bergklöster. Wie ein Bilderbuch uralter südosteuropäischer Geschichte blättert sich das über weite Strecken noch wenig entdeckte Reiseland Bulgarien auf – und beeindruckt dabei mit einer Vielfalt, hinter der System steckt.

Schmelztiegel der Völker

Oder sagen wir lieber: eine besondere geographische Lage und Topographie. Immerhin kreuzen sich in Bulgarien die Wege von Ost und West, und das seit Jahrtausenden. Thraker, Griechen, Römer kamen und gingen, und hinterließen der Region byzantinische Kapellen, antike Fundamente von Thermen und Aquädukten. Fast ein halbes Jahrtausend hatten die Osmanen das Sagen, bis ins Jahr 1878. Und so tragen nun auch die schlanken Minarette zum orientalischen Charme mancher bulgarischer Dörfer und Städte bei. Am deutlichsten sichtbar ist dies im Südosten des Landes, wenn auch das größte und schönste Bauwerk dieser Ära, die mit einem Brunnenhaus ausgestattete Tombul-Moschee, im Nordosten liegt.

Gelebte Toleranz

Eine Nation hat sich aus diesen Einflüssen geformt, aber eine, die der eigenen Vielfalt längst tolerant begegnen kann. Schließlich rechnet sich ein Sechstel der rund 8 Mio.  Einwohner keineswegs dem südslawischen Volk der Bulgaren zu, sondern einer der ethnischen oder religiösen Minderheiten: Eine knappe Million Türken sowie zum Islam konvertierte Slawen und 400 000 Roma tragen zur Identität  des Landes bei.

 

Viele Köche, köstliche Küche

Blickt man in bulgarische Kochtöpfe, so gewinnt dieses Potpourri der Kulturen nur noch stärker an Profil. Eine Prise griechischer Küche und viel Gegrilltes plus Musaka findet sich da, während im Topf gebackene Gjuvec-Aufläufe und mit Hackfleisch oder Schafskäse gefüllte Bjurek-Teigrollen nicht bloß dem Namen nach an türkische Kulinarik-Klassiker erinnern.

Bulgarischer Wein für antike Helden

Vom bulgarischen Wein, der auf eine 5000-jährige Tradition zurückblicken kann, war übrigens schon Homer angetan: In seiner „Ilias“  lässt er thrakische Tropfen bis vor die Tore Trojas fließen. In der bulgarischen Heimat findet man die robusten Rotweine (und die Weißweine mit ihrem angenehmen Bukett) südlich von Plovdiv, im Winzerort Melnik nahe der makedonisch-griechischen Grenze und an den sanft ansteigenden Weinhängen der Schwarzmeerküste.

Sinnliche Düfte

Aber auch die Pflanzen- und Tierwelt weist Grenz- und Übergangscharakter auf – und beschert dem von Gebirgen durchzogenen, dicht bewaldeten und seenreichen Land ein abwechslungsreiches Naturkleid. Typisch mitteleuropäische Pflanzen, die das Rila- und Pirin-Gebirge in Form von Fichten, Tannen und Lärchen überziehen, treffen da auf die sinnlichen Gerüche des Mittelmeers, verströmt von Myrten, Zypressen, Olivenhainen und immergrünen mediterranen Kermes-Eichen.

Wo die Tulpen blühen

Nicht zu vergessen, jene Raritäten, denen Hobbybotaniker in den urigen Bergtälern des Rhodopen-Gebirges nachspüren können: Der Silivriak mit seinen rosafarbenen Blüten besetzt dieses exklusives Südbulgarien-Exil, wohin er sich seit dem Ende der letzten Eiszeit zurückgezogen hat. Ebenso die Rhodopen-Tulpe, eine der seltensten Pflanzen der Welt, limitiert auf einen einzigen bekannten Fundort beim Dorf Yambol, und dort auf wenige Dutzende Exemplare. Prompt wurde der Pirin-Nationalpark mit seinen 1100 Pflanzenarten auf die Liste des Unesco-Weltnaturerbes gesetzt.

 

Geheimtipps für Wanderer

Bulgariens abwechslungsreiche Natur erlaubt allerdings auch spannendere Aktivitäten, als es die Suche nach seltenen Blumen darstellt. Wanderurlaube in den Rhodopen, aber auch im Pirin- und Rila-Gebirge, sind bislang ein Geheimtipp für Kenner. Ähnliches gilt für die hier gelegenen Bergkurorte, die ständig modernisiert und ausgebaut werden. Pamporovo in den Rhodopen ist ein Beispiel dafür, vor allem aber Bansko am Pirin-Massiv, das dank umfassender Investitionen zum modernsten Skizentrum der Balkanhalbinsel aufgestiegen ist.

Donau-Pelikane und...

Die heißen Sommertage, in denen Zentralbulgariens Sonnenblumenfelder mit dem weiten Himmel um die Wette leuchten, verleiten freilich zu vielen weiteren Unternehmungen: Still und beschaulich verlaufen dann die Besuche von Srebarna, Europas einzigem Naturreservat für – hier übrigens krausköpfige – Pelikane, die sich über dem vogelreichen Schilfgürtel der Donau tummeln. Weit schattiger fällt der Besuch der zahlreichen Grotten aus, darunter das bereits während der Steinzeit genutzte Magura-Höhlensystem im Nordwesten des Landes.

...schräge Großstadtvögel

Und nicht zu vergessen: die bekannten Strände der Schwarzmeerküste. Sie sind – nicht zuletzt wegen der Vielfalt an Fischerdörfchen, breiten Traumstränden und verschwiegenen Buchten – mehr als bloß eine Reise wert. Ähnliches gilt auch für die denkmalgeschützten Dörfer Zentralbulgariens; und natürlich für den Besuch der lebhaften Hauptstadt Sofia. In ihr verdichten sich 2000 Jahre Geschichte, und auch heute noch spielt sie die Rolle eines überregionalen Zentrums. Das belegen nicht nur die lebhaften Märkte – und restaurierten Markthallen wie die Centralni Hali –, sondern auch die interessanten Museen und eine überaus spannende Jugendszene.

Text: Robert Haidinger

 

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