...Die Elisabethstadt: Koscher und hip

 

Koschere Paprikahühner

Doch zurück ins Elisabethviertel, dem zwischen dem prächtigen Andrássy-Boulevard und dem Erzsébet-Ring gelegenen VII. Bezirk, wo die jüdischen Spuren sichtbarer sind. Koschere Restaurants und Konditoreien verweisen auf die alten Traditionen, und gut bestückte Devotionaliengeschäfte haben die Utensilien zum Sabbat auf Lager. Beispiel Dob utca Nr. 35: Hier verrät ein Schild die Existenz einer lokalen Institution – das für koscheres Paprikahühnchen berühmte  Restaurant Hanna. Unmittelbar daneben erinnert die Aufschrift „Iskola“ an die jüdische Schule, die 1944 von den Nazis aufgelöst wurde. Ein rares Relikt hält auch die Rumbach-Straße bereit. Die Rumbach-Synagoge wurde 1872 von dem Wiener Architekten Otto Wagner im romanisch-maurischen Stil gebaut, ist aber leider dem Verfall preisgegeben. Perfekte Kulisse für das Gefiddel des Jüdischen Sommerfestivals ist das ramponierte Architekturerbstück aber trotzdem.

Lifestyle und Immobilien-Run

Verfall und neuer Glanz liegen im jüdischen Viertel heute besonders dicht beieinander. Immerhin entwickelt es sich zu einer Art Szeneviertel der ungarischen Hauptstadt: In atemberaubender Geschwindigkeit mausert es sich zu einem Design- und Galerieflecken. Budapests aktuelle Grätsche zwischen Gestern und Morgen, zwischen Glamour und Gulasch wird hier am besten sichtbar: Schutthaufen in den Hinterhöfen, aber auch die größte Dichte an coolen Designläden. Bauplakate dokumentieren den Run der Immobilienfirmen auf teilweise grandiose, und mitunter bereits vom Einsturz bedrohte Stadthäuser. Ethnogalerien, malvenfarbene Cocktailbars finden sich heute an der Kiraly- oder der Dob-Strasse ebenso, wie die Melancholie, die aus den Poren der vielen durchlöcherten Häuser und erst recht der Großen Synagoge zu dringen scheint.

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